Donnerstag, 6. September 2012

The New World [2005]

THE NEW WORLD

Eines habe ich mittlerweile über Terrence Malicks Filme gelernt: Sie sind alles andere als leicht zugänglich für den Zuschauer. Andere Filme bestechen durch ihre einfache, einprägsame Story, überzeugenden Schauspielern oder kultigen Dialogen. Wenn man im Begriff ist, einen Malick Film zu sehen, weiß man, dass man atemberaubende Bilder und die schönsten Momente, die je auf Zelluloid gebannt wurden, sehen wird - aber keine besondere Story, die mit zig Überraschungsmomenten aufwarten kann. 
Denn auch bei "The New World" stellt die einfache Handlung den einzigen Defizit dar, wobei das hier nichts Schlechtes heißen muss. Viel mehr bedeutet es, dass die Schauspieler und der Rest einfach besser gelungen ist. 
"The New World" befasst sich hierbei mit der weltberühmten Pocahontas-Geschichte, der Liebe zwischen einer Ureinwohnerin Amerikas und einem britischen Siedler namens John Smith. Die historischen Figuren gab es tatsächlich, doch der Wahrheitsgehalt an der romantisch verklärten Beziehung zwischen Pocahontas und Smith darf stark angezweifelt werden.
 
Der Film spielt zu Beginn des 17. Jahrhunderts, als John Smith gemeinsam mit anderen Siedlern die Küste Virginias erreicht und dort die Siedlung Jamestown errichtet. Es wird schnell klar, dass die Siedler auf die Unterstützung der dort ansässigen Indianer angewiesen sind, falls ihr Proviant knapp werden sollte. Smith wird zum König geschickt, wird jedoch auf dem Weg von Indianern überrascht und gefangen genommen. Der König befiehlt den Tod John Smiths, um die Eindringlinge abzuschrecken, jedoch wirft sich in letzter Sekunde die jüngste Tochter des Königs, Pocahontas, auf Smiths Brust, um ihn zu schützen. Er bleibt einige Zeit im Indianerdorf und lernt, dass die Indianer ein friedfertiges Leben führen und Gefühle wie Gier und Eifersucht nicht kennen. Pocahontas und John verlieben sich ineinander, doch John weiß, dass er wieder zurück zu seiner Siedlung muss, und dass dieser wunderbare Zustand der Liebe und des Glücks nur von kurzer Dauer ist...
THE NEW WORLD

Wie zu Beginn angemerkt, ist die Story wirklich nichts Besonderes, einfach eine Liebesgeschichte bzw. Dreiecksbeziehung in einem anderen Setting. Die Bilder sind, wie nicht anders von Kameramann Emmanuel Lubezki zu erwarten, atemberaubend und tragen eine Menge zur ruhigen Atmosphäre des Films bei. Der ruhige Score ist nicht aufdringlich und passt perfekt zum Setting.
Doch was wäre ein Film ohne die Schauspieler? Am meisten überrascht hat mich wohl Colin Farrell als Abenteurer John Smith. Farrell hatte ich bisher entweder in schlechten Komödien oder CGI-geladenen Actionkrachern gesehen und so war ich umso mehr von seinem mir ungewohnten ruhigen Spiel angetan. Keine Ausbrüche oder Overacting, ja, sogar das Gegenteil ist der Fall. Fast keine Worte, nur die Stimme aus dem Off (die ich jedoch zu mysteriös fand, um mich mit ihr ernsthaft zu beschäftigen) sind zu hören. Die Rolle der schönen Indianerprinzessin wurde mit einer Neuentdeckung besetzt, Q'orianka Kilcher, der es mühelos gelingt, neben Farrell zu bestehen und ihrer Figur eine zauberhafte Aura zu verleihen.
In den Nebenrollen gibt es nur noch zwei erwähnenswerte Schauspieler: Christian Bale als Tabakbauer und späterer Ehemann Pocahontas' und Christopher Plummer, der jedoch leider nicht viel Screentime bekommen hat, um wirklich aufzufallen.

Fazit: Malick ist wieder einmal ein magischer Film gelungen, wobei man die Kamera, die so schöne und magische Bilder vermittelt, wohl am meisten herausheben sollte. Zwar sind die Bilder nicht ganz so schön wie im späteren Film "The Tree of Life", aber zu sehen, wie Pocahontas mit ihrem Bruder durch die Wiese hüpft oder sie und John Smith sich langsam näherkommen, gehören klar zu den Höhepunkten des Films.
 
8 / 10 Punkte