Samstag, 31. August 2013

Augen der Angst [1960]


"Augen der Angst", vor fünfzig Jahren ein skandalöser Film, der mit einem Schlag die Karriere des Regisseurs und des Hauptdarstellers zerstörte, und heute wieder als verkannter Film und teils auch als der bessere "Psycho" bekannt ist. Auch ich zähle mich zu den Menschen, die mit "Augen der Angst" mehr anfangen konnten als mit Hitchcocks vielgefeiertem Meisterwerk. Die Figur, die mein Landsmann Karlheinz Böhm hier spielt, war das extreme Gegenteil von seiner Paraderolle als Kaiser Franz Joseph in den "Sissi"-Filmen, weshalb sich viele erschrocken von dem Thriller abwandten. Auch die restliche Welt war verschreckt ob der Thematik: Denn in "Peeping Tom" ist die Hauptfigur, die Person, aus der der Zuschauer den Film erlebt, ein Spanner - und Mörder. 

Mark Lewis ist ein unscheinbarer, schüchterner, junger Mann, der tagsüber in einem Filmstudio als Kameramann arbeitet. Nachts aber verabredet er sich mit Frauen - und tötet diese. Gleichzeitig nimmt er die Todesszenen mit seiner Kamera auf, da er den Moment des Todes für sich persönlich festhalten möchte. Seine unschuldige Nachbarin Helen bzw. deren neugierige Mutter kommen nach und nach hinter Marks Geheimnis: Als Kind wurde Mark von seinem Vater für dessen Forschungszwecke missbraucht und in jeder Phase seines Lebens minutiös mit Kamera begleitet. Diese Erlebnisse hatten Mark zu dem gemacht, was er heute ist: Ein Spanner, der von dem Moment der Todesangst fasziniert ist und dadurch zum Mörder wird. 
Das verstörende dabei ist, dass in diesen Szenen das Bild in die Egoperspektive wechselt und man nun die Szenerie aus der Kameralinse beobachtet. Man sieht, wie sich Mark dem Opfer langsam nähert, diese immer verunsicherter wird, bis Mark seine Tatwaffe, die an der tragbaren Kamera angebracht ist, ausfährt und das Opfer entsetzt zu schreien beginnt... Ich denke, dass besonders die Tatsache, dass der Zuschauer dadurch ebenfalls zum Voyeur wird, die Menschen damals besonders sauer aufgestoßen hat, denn eine solche Einbeziehung in die Handlung eines Films war vorher so noch nicht dagewesen. 

Fazit: "Peeping Tom" ist ein verkannter Film, der jedoch meiner Meinung ein paar Längen zu viel hat, um wirklich ein Meisterwerk zu sein. Doch besonders die Szenen, in denen die dunklen Abgründe in Marks Seele offenbart werden, gehören zu den stärksten des Films.

Donnerstag, 29. August 2013

Boogie Nights [1997]


Paul Thomas Anderson - ein Name, der Otto Normalfilmegucker kein Begriff sein dürfte. Unter Filmfans aber wird PTA, wie er gerne genannt wird, großteils in den Himmel gelobt als der letzte Regisseur, der sich noch dem Kunstfilm verschrieben hat und trotzdem sein Level zu halten vermag. Bei mir persönlich sieht das etwas anders aus. Ich habe lediglich den Langweiler "There will be Blood" und den netten Liebesfilm "Punch Drunk Love" gesehen, obwohl letzterer ja vor allem wegen Adam Sandler so grandios ist. "Magnolia" war der erste Film, der mich wirklich überzeugen konnte und auch "Boogie Nights" reiht sich hier ein. Während sein erster Film "Last Exit Reno" als Fingerübung angesehen werden kann, drehte PTA danach "Boogie Nights", in dem es um Aufstieg und Fall eines Mannes in der Pornobranche geht.

Eddie Adams hieß dieser gutaussehende junge Mann einmal, aber das war vor langer Zeit. Er wurde vom Pornoproduzenten Jack Horner aufgrund seines großen Penisses für die Pornobranche entdeckt und steigt kurz darauf unter seinem neuen Namen "Dirk Diggler" zum Pornostar auf. Es folgen weitere erfolgreiche Filme und finanzieller Erfolg, aber leider bekommt er auch die Kehrtseite des plötzlichen Ruhms zu spüren. Drogen, Alkohol, Geldprobleme. Zudem leidet er an Impotenz, wird von jüngeren Stars verdrängt. Das einstige Paradies, seine neue Familie, zeigt ihr wahres Gesicht als Sammelstelle von verzweifelten, kaputten Menschen, die im Pornofilm wie Dirk ihre Heimat gefunden haben.

PTA schafft es, den Zuschauer in diese mysteriöse, unbekannte Welt zu entführen. Man ist hautnah beim Dreh dabei und sieht in etwa, wie so etwas abläuft. Anfangs romantisiert er die Pornobranche etwas, indem man sieht, dass Dirk Diggler (Mark Wahlberg) mit offenen Armen in eine Art Familie aufgenommen wird. Man feiert gemeinsam Parties, sieht sich eine Line rein und ja, dreht auch ab und zu einen Porno gemeinsam. Etwas ganz Alltägliches eben. Aber natürlich will PTA nicht nur romantisieren, sondern auch die Schattenseiten darstellen, was im gut gelungen ist - wobei er meiner Meinung nach ruhig mehr hätte zeigen können. Besonders von dem homosexuellen, unglücklichen Scotty (Philip Seymour Hoffman) hätte ich gerne mehr gesehen. Ansonsten möchte ich nur noch mein Lob an Mark Wahlberg aussprechen. Ich finde bis heute nicht, dass er ein guter Schauspieler ist, aber manchmal findet auch ein blindes Huhn ein Korn bzw. eine Rolle mit dem passenden Regisseur, unter dem er glänzen kann. Außerdem ist noch das tolle Szenenbild erwähnenswert, mit der man sich sofort in die 70er Jahre zurückversetzt fühlt.

Dienstag, 27. August 2013

Kick-Ass 2 [2013]



Im Jahr 2010 schlug der Vorgänger „Kick Ass“ ein wie eine Bombe. Äußerlich war er eine Teeniekomödie im Superhelden-Anzug, doch innerlich bot „Kick Ass“ auch genügend Gründe, sein ahnungsloses Publikum zu schockieren. Harte Kampfszenen und viel Blut bot der Film in den rasanten Szenen, die wohl jeden überraschten. Auch ich hatte mir den Film eher ahnungslos angesehen, und als die grandiosen Kampfszenen und die Demaskierung von Kick Ass gezeigt wurden, war ich einfach hin und weg. Der Vorgänger war ein ärschetretendes Stück Film, das nicht gefallen wollte, sondern einfach sein Ding machte; deshalb war er so erfrischend und konnte die Filmfans begeistern. 
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Der Vorgänger setzt im Punkt Blut und harte Kämpfe sogar noch einen drauf – dies kommt wohl daher, weil das Publikum bereits weiß, was einen erwartet. Der Personenwechsel am Regiestuhl ging überraschend reibungslos vonstatten. Der neue Regisseur Jeff Wadlow führt genau das weiter, was Matthew Vaughn in Teil 1 begonnen hatte. Ein bisschen Selbstfindung hier, ein paar geniale Kämpfe da, und schon hat man eine extrem gute Fortsetzung produziert. Viele Moviepiloten zeigen sich enttäuscht von der Fortsetzung, aus welchen Gründen auch immer. Teil 2 sei enttäuschend, sie hätten mehr Hit Girl erwartet, es gäbe mehr Ekelszenen, bla bla bla. Ja, teilweise muss ich ihnen wirklich recht geben. Hit Girl wird leider zur Nebenfigur degradiert. Zwar wird ihr Selbstfindungstrip gut beleuchtet, jedoch ist das für den Film irrelevant und es interessiert niemanden. Diese Selbstfindung gipfelt in der mittlerweile bekannten Cafeteriaszene, in der Hit Girl sich an einem dummen Gör recht, indem sie ihr kleines Wundergerät herausholt und damit alle in der Cafeteria einen Kotzstrahl aus dem Mund und... ja, flüssige Scheiße aus dem Hintern schießen lässt. Für diese Szene möchte ich Kick Ass 2 am liebsten hassen. Warum muss er sich zu einem halben Adam-Sandler-Film degradieren? Niemand findet diese dummen Witzchen lustig. Aber die prüden Amis hauen sich wahrscheinlich auf die Schenkel, weil es ja so witzig ist. 
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Aber auch dieser extreme Tiefpunkt des Films ist schnell überwunden, sobald man die genial choreografierten Kampfszenen sieht (am besten war natürlich Hit Girls Kampf gegen Mother Russia, die gleichzeitig meine liebste Nebenfigur ist). Dave hat zwar fleißig trainiert, ist aber leider noch immer kein starker Superheld geworden, was aber gar nicht so schlimm ist, weil sich sein Gegenspieler Motherfucker (ehemals Red Mist) genauso tollpatschig ist wie er. Kick Ass schließt sich auch mit anderen Superhelden zu einer Liga namens Justice Forever zusammen, obwohl man nicht umhin kommt zu bemerken, dass sämtliche sogenannte „Superhelden“ einfach nur lahmarschige Trottel waren. Das ist schade, denn so verkommt dieser Handlungszweig zu einer Nebenstory, die nichts zum Ende des Filmes beizutragen hat. Dies liegt auch an dem neu eingeführten Superhelden Colonel Stars and Stripes, gespielt von Jim Carrey, der im Vorfeld groß angekündigt wurde. Dass dieser Colonel bereits im ersten Drittel des Filmes stirbt, ist leider sehr enttäuschend.
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Aber gut, ich fühlte mich während des Filmes prächtig unterhalten, wobei dieser Spaß nur von dem genannten Tiefpunkt getrübt wurde. Schlechter als Teil 1 ist er keinesfalls, für mich ist er eine äußerst gelungene Fortsetzung, die wieder mit vielen überraschend ernsten Handlungssträngen und schwierigen Entscheidungen, aber auch durch die kultigen Kommentare und Kampfszenen überzeugen konnte.

Elysium [2013]


Ein weiterer Science-Fiction-Film hielt Einzug in die Kinos: Nachdem genreverwandte Filme wie „After Earth“ oder „Oblivion“ an den Interessen des Publikums vorbeiproduziert wurden, sollte mit „Elysium“ alles anders werden. Dazu hatte man zwei berühmte Schauspieler an Bord geholt: Matt Damon spielt die Hauptrolle des Max, der mit allen Mitteln versucht, der Erde zu entkommen; und Jodie Foster als Quasi-Herrscherin über Elysium, die ihre paradiesische Raumstation vor den dreckigen, armen Erdbewohnern beschützen muss.

Ich muss ja zugeben, dass die Handlung bzw. der Trailer sehr vielversprechend aussahen. In der Zukunft ist die Erde gnadenlos überbevölkert. Es herrscht Armut und Zerstörung. Wer reich genug ist, lebt auf der Raumstation Elysium, die in sicherer Entfernung vor der Erde im Weltall schwebt. Auf Elysium ist es sauber und es existieren keine Krankheiten. Wer krank ist, legt sich in ein Gerät, das die Krankheit erkennt und augenblicklich heilt. Dies ist auch die Motivation für Max, sich bis Elysium durchzuschlagen: Aufgrund eines Arbeitsunfalles wurde eine hohe Dosis Strahlung in seinen Körper gepumpt, die ihn binnen weniger Tage töten würde. Diese Maschine in Elysium würde sein Leben retten.

Soweit zur Handlung. Die Umsetzung ist leider nicht ganz so glücklich gelungen. Während viel Augenmerk auf die Stimmung und die Bilder gelegt wurden, wusste Regisseur Neil Blomkamp die restliche Laufzeit mit gigantischen Explosionen und ewig langen Schießereien und Verfolgungsjagden aufzumotzen. Dass die Wackelkamera aber jeden Genuss, den der geneigte Actionfilmgucker dabei empfinden könnte, sofort zunichte macht, ist genauso wenig hilfreich wie die überflüssige Beinaheliebesbeziehung zwischen Max und der schönen Frey, deren Tochter am Leukämie leidet und ebenfalls dieses Gerät zur Krankheitsheilung benötigt.

Da ich von Natur aus nicht unbedingt ein Verfechter von langwierigen Schießereien bin, habe ich mich quasi den ganzen Film über gelangweilt. Matt Damon, ja, normalerweise mag ich ihn ganz gerne, aber hier als Max hat er eine Ausstrahlung wie ein Stück hartes Brot. Er spielt einfach seine Nummer runter, ohne jegliche Emotion oder gar Motivation, seine Rolle dem Zuschauer etwas zu versüßen. Das Ergebnis ist leider sehr enttäuschend. Natürlich gibt es schlechtere Filme, aber dass man am Tag darauf kaum mehr die Namen der Protagonisten weiß, spricht eigentlich für sich.

Mittwoch, 21. August 2013

Dogville [2003]



Dass "Dogville" kein besonders angenehmer Film sein wird, war mir im Vorhinein schon klar. Lars von Trier ist ein Name, der jedem Filmfan ein Begriff sein sollte. Er ist dafür bekannt, mit Tabuthemen zu arbeiten und zieht daher häufig die Missgunst der Öffentlichkeit auf sich. Ich habe zuvor noch nie einen von Trier Film gesehen. Merkwürdig, dass zufällig "Dogville" der erste Film sein wird, obwohl ich auch "Melancholia" im Regal stehen habe. Nicht nur von Trier, sondern auch dieser Film ist nicht das, was ich mir vorgestellt hatte.
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Wieso das? Ganz einfach: Dieser Film ist irgendwie... einzigartig. So etwas habe ich noch nie gesehen. Wenn ich an einen Film denke, gibt es meistens einen Ort, wo die Handlung spielt. Häuser, Bäume, Kulisse. All dies fehlt in diesem Film. Die Handlung spielt komplett in einer schwarzen Halle, auf deren Boden Umrisse von Häusern gemalt sind. Wenn eine Person durch die Tür tritt, steigt er über die weiße Linie, tut so, als ob sie eine Klinke drücken würde, und das Geräusch einer quietschenden Tür ist zu hören. Ich konnte mir anfangs nur schwer damit abfinden, dass es keine Häuser, keine Farben, keine Umgebung, einfach nichts gibt. Aber je länger man schaut, denkt man sich die fehlende Tür dazu und irgendwann fällt es einem gar nicht mehr auf. Glücklicherweise steht ja nicht die wundervolle Landschaft im Vordergrund, sondern die tragische Geschichte über ein ganz einfaches Dorf in den Bergen: Dogville. Einer der Einwohner, Tom Edison, führt zu Beginn den Zuschauer in das Dorf ein und stellt die anderen Einwohner vor. Im Laufe des Filmes wird man Zeuge von Grace' Ankunft und ihre Angewöhnung, wie sie akzeptiert wird, schließlich aber böses Blut aufkommt und Dogville ihre Klauen ausfährt. 
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"Dogville" ist wie ein Theaterstück in mehrere Kapitel aufgeteilt und jeder Akt hat einen eigenen Titel und sogar eine Beschreibung, sodass man in etwa weiß, was passieren wird. Dies nimmt aber keineswegs die Spannung weg, sondern ist in diesem Theatersetting (Punkt: aufgemalte Striche am Boden) sehr passend. Am besten finde ich den Titel des neunten und letzten Kapitels: Neuntes Kapitel, in dem Dogville den lang erwarteten Besuch erhält und der Film endet
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Zur Handlung kann ich soviel sagen: "Dogville" ist ein grauenhafter Film, ein gewaltiger Film, der es schaffte, mich so zu erschüttern wie lange keiner mehr. Anfangs ist Dogville das perfekte, verschlafene Städtchen mit allerlei schrulligen Bewohnern, die aber sehr liebenswert erscheinen. Als Grace auftaucht, sind alle bemüht, die Flüchtige aufzunehmen und bei sich wohnen zu lassen. Als Gegenzug hilft Grace bei allen Menschen aus, bei ihrer Arbeit, bei der Kindererziehung, oder einfach nur als Freundin, mit der man die Zeit verbringen kann. Dies läuft gut, bis zum sechsten Kapitel (Sechstes Kapitel, in dem Dogville die Zähne fletscht). Als ich diesen Titel las, spürte ich dieses Henkerbeil, das jeden Moment herabzusausen drohte. Denn die Handlung bis zum sechsten Kapitel war zwar von Fröhlichkeit geprägt, aber man hatte immer dieses unangenehme Gefühl, dass mit den Einwohnern etwas nicht stimmt. Und dieses Gefühl sollte sich bewahrheiten: Dogville wird zur Furie und Grace, die immer sanftmütige, freundliche Grace, wird zum Opfer. 
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Mehr möchte ich auch gar nicht zur Handlung schreiben, nur, dass es mich sehr verstört hat. Man kann einfach nicht die freundliche Dorfgemeinde mit den späteren Grausamkeiten miteinander vergleichen, kann nicht verstehen, warum Tom nichts unternimmt, um seiner Freundin beizustehen. Ständig scheint er im Zwist mit seinem Pflichtbewusstsein, seinem Heimatdorf beizustehen, und der Liebe zu der geheimnisvollen Grace. Das Ende kommt plötzlich und schlägt ein mit einem Paukenschlag, nur um gleich vorbei zu sein, wie die Spritze beim Arzt. Ich werde diesen Film bestimmt noch ein zweites oder drittes Mal sehen müssen, um die volle Bandbreite begreifen zu können. Eines möchte ich noch sagen: Nicole Kidman ist eine Wucht.