Dienstag, 28. August 2012

Ist das Leben nicht schön? [1946]

IT'S A WONDERFUL LIFE


Als der Film 1946 erschien, war er alles andere als eine kommerziell erfolgreiche Produktion. An den Kinokassen blieb er weitgehend unbeachtet und bei den Oscarverleihungen 1947 für fünf Oscars nominiert, darunter Bester Film und Bester Hauptdarsteller - aber auch hier ging er leer aus und blieb bis in die 80er Jahre unbeachtet - als das Copyright auslief und so zum großen Publikumsliebling zur Weihnachtszeit avancierte. 
 
Irgendwo hab ich einmal gelesen, dass "Ist das Leben nicht schön?" nur zur Weihnachtszeit seinen unvergleichlichen Charme entfalten kann und zu jeder anderen Jahreszeit nur eine nett anzusehende Screwballkomödie mit einer großen Portion Dramatik ist. Für mich absolut unverständlich. Auch mit 30 Grad Außentemperatur Ende August durfte ich diesen Zauber wahrnehmen, was bisher kein Film aus der Hollywoodära bei mir geschafft hat.
Wahrscheinlich weiß eh schon jeder, worum es geht, aber ich gebe trotzdem eine kleine Zusammenfassung ab: Die Hauptfigur George Bailey beschließt ausgerechnet an Heiligabend, von einer Brücke zu springen und sich so das Leben zu nehmen. Die Menschen des beschaulichen Ortes Bedford Falls beten für George und so kommt es, dass sich zwei Galaxien darüber unterhalten, was zu unternehmen ist. Sie kommen zu dem Schluss, den einzigen diensthabenden Engel namens Clarence, der seine Flügel erst noch verdienen muss, einzuspannen und so George vor dem Tod zu retten. Doch vorher muss Clarence erst alle wichtigen Dinge über George wissen, und da fängt der eigentliche Film auch an. 
George Bailey war schon immer ein Freigeist, dem sein Job in der Bank seines Vaters zu langweilig und das Städtchen Bedford Falls zu klein geworden ist. Er will verreisen, die Welt sehen, studieren und so zu Geld kommen. Doch immer wieder, sei es durch den Tod seines Vaters oder leere Versprechen seines kleinen Bruders, den Chefposten zu übernehmen, wird er durch die Pflicht an die Bank und an Bedford Falls gebunden. Er heiratet, bekommt Kinder, wird aber trotzdem nie ganz glücklich. Und als seine Bank dank seines Konkurrenten Mr. Potter bankrott zu gehen droht, ihm eine Haftstrafe vorschwebt, zusammengeschlagen wird und einen Autounfall hat - dies alles an einem Tag, wohlgemerkt - beschließt er in seiner Verzweiflung, sich das Leben zu nehmen. 
 
IT'S A WONDERFUL LIFE


Trotz dieser tragischen Ausgangsposition, die wir bereits zu Beginn des Filmes vorgesetzt bekommen, schafft es der Film, ihm eine besondere Note zu verleihen, sodass wir uns gut fühlen. Ein Feel-Good-Movie, weil George Bailey vom Engel Clarence gezeigt bekommt, was aus Bedford Falls ohne ihm geworden wäre. Angesehene Menschen werden zu Säufern, nette Menschen werden korrupt, seine Frau eine alte Jungfer. Im Glauben, für die anderen Menschen nur eine Last zu sein und dass die Stadt besser dran wäre, wenn er nie geboren worden wäre, sieht er, was das Leben einer einzelnen Person verändern kann. In der Horrorversion von Bedford Falls heißt es jetzt Pottersville, eine Bar reiht sich an dem nächsten Stripclub; die Armen unter der Bevölkerung müssen hohe Mieten für schäbige Bruchbuden zahlen, während George Bailey dafür sorgte, dass sie ein anständiges Leben führen können. 
 
Dies führt schließlich dazu, dass sich George sehnsüchtig wieder zurück in sein altes Leben wünscht, was ihm auch gewährt wird. Das Ende ist zwar etwas zu kitschig geraten - schließlich unterstand die Produktion damals dem Production Code, in dem ein Happy End Vorschrift war - aber nichtsdestotrotz äußerst liebenswert, als George glücklich durch das ehemals verhasste Bedford Falls läuft, allen Frohe Weihnachten wünscht und zuhause seine Lieben umarmt, die er kurz zuvor noch angeschnauzt hatte. 
Der Film kommt leider um einige Längen nicht herum - gerade den Mittelteil fand ich etwas zu lange - und es gab auch ein paar Stellen, die etwas unausgereift und zu hektisch waren, aber das machen die Darsteller (die Legenden James Stewart und Donna Reed) und die wunderbare Atmosphäre wieder wett. Ein Film, nach dem man sich garantiert besser fühlen wird.
 
8 / 10 Punkte 

Die letzte Nacht des Boris Gruschenko [1975]


LOVE AND DEATH



"Die letzte Nacht des Boris Gruschenko" knüpft nahtlos an die typischen Woody Allen Komödien der 70er Jahre an; voll von Klamauk und einer neurotischen Hauptfigur. In diesem Fall ist es Boris Gruschenko, ein Angsthase und Schöngeist wie er im Buche steht und alles andere als ein typischer Mann, wie er zur Zeit Napoleons sein musste. Der junge Russe wird gegen seinen Willen in den Krieg gegen Frankreich eingezogen, kehrt von dort jedoch durch eine Kette aberwitziger Zufälle als Kriegsheld zurück und erhält die Möglichkeit, ein Duell um die Hand von Sonja (Diane Keaton) auszufechten. Wider Erwarten gewinnt Boris das Duell und heiratet Sonja. Als Napoleon jedoch in Russland einfallen will, schmieden die beiden einen Plan: Sie verkleiden sich als Abgesandte des spanischen Königshauses und wollen Napoleon ermorden!
 
Klar, dass sich herausstellt, dass es gar nicht so einfach ist, einen so mächtigen Mann umzubringen, zumal der schusselige, aber liebenswerte Boris Gruschenko der Attentäter sein soll. Durch ihn bzw. Woody Allen bleibt der Film stets lustig, was zum Großteil seinen sarkastischen Bemerkungen zu verdanken ist. Zusätzlich ist der Film nicht mehr so klamauklastik, was bei seinen Vorgängern noch ein großes Problem war. Diane Keaton ist für Woody-Allen-Filme ganz ordentlich, meistens spielt sie das Blondchen an Allens Seite. Bemerkenswert ist jedoch, dass Woody Allen an ein paar Stellen des Films die vierte Wand durchbricht und direkt mit dem Zuschauer kommuniziert bzw. über Leben und Tod philosophiert.
Fazit: Leider unterscheidet sich der Film nur bedingt von seinen restlichen Werken, weshalb ein etwas fader Beigeschmack bleibt.

6 / 10 Punkte
 

Sonntag, 26. August 2012

Take Shelter [2011]

TAKE SHELTER


Curtis LaForche ist ein einfacher, 35-jähriger Arbeiter, der mit seiner Frau und seiner tauben Tochter in einem Haus lebt. Sie haben es zwar nicht leicht und das Glück kommt ihnen nicht zugeflogen, aber sie sind zufrieden mit ihrem Leben. Curtis ist ein Bauarbeiter, scheint zufrieden mit seiner Arbeit, seinen Freunden, seiner Familie.
Doch das ändert sich urplötzlich, als Curtis diese merkwürdigen Träume bekommt; fast immer kommt ein gigantischer Sturm darin vor, außerdem wenden sich alle in Curtis' Umgebung gegen ihn und verletzen ihn. Diese Träume verändern ihn, er distanziert sich von den Personen, die ihn im Traum angriffen, und steigert sich zusehends in die Idee hinein, seinen Tornadobunker auszubauen um für einen kommenden Sturm gewappnet zu sein. Gleichzeitig schließt er die Möglichkeit einer psychischen Krankheit nicht aus, besonders weil seine eigene Mutter daran erkrankte und ihn und seinen Bruder im Stich ließ.
"Take Shelter" ist ein ruhiger Film, und das die ganze Laufzeit von 120 Minuten über. Wer mit ruhigen Filmen nicht viel anfangen kann, der wird es hier ziemlich schwer haben, denn es werden dem Zuschauer keine Brocken hingeworfen, um ihn am Ball zu halten. Wenn man es selbst will kann man in die schwere Atmosphäre eintauchen, die wirklich einzigartig ist. Er ist sehr düster und schwierig; einzig die Liebe seiner Frau, die trotz allem zu ihn hält, sind die einzigen Lichtstrahlen, die diese schwarze Atmosphäre durchdringen. Man stellt sich als Zuschauer zunehmend selber die Frage, was real ist, ob Curtis wirklich durchdreht oder doch alles nur ein Hirngespinst seines kranken Kopfes ist. Und ich kann mir als Hauptfigur keinen besseren Darsteller als Michael Shannon vorstellen. Bis jetzt konnte ich ihn nur in einer kleinen Rolle in Pearl Harbor bewundern, und jetzt das. 

TAKE SHELTER


Ein Wahnsinn, was dieser Michael Shannon hier abliefert. Seine Darstellung des einfachen Mannes, der nur seine Familie beschützen möchte und ausschließlich an ihr Wohl denkt, ist so ergreifend und überzeugend, dass es eine Frechheit ist, dass er bei den Oscars so schamlos übergangen wurde. George Clooney wurde für "The Descendants" nominiert und Michael Shannon nicht? Ich weiß nicht, was da alles verkehrt laufen muss. Besonders die schlimme Szene bei dem Nachbarschaftsfest oder wo er während eines fürchterlichen Albtraumes einen Schüttelkrampf bekommt, prägen sich ein und hinterlassen einen verstörenden Eindruck.
Und von Jessica Chastain bin ich sowieso immer verzaubert, denn sie spielt auch hier ungewöhnlich stark. Sie ist die Frau, die sich stets missverstanden und hintergangen fühlt, weil ihr Mann sich ihr gegenüber nicht öffnet - und steht trotz aller Widrigkeiten hinter ihm und unterstützt ihn. Welcher Mann wünscht sich nicht eine solche Frau an seiner Seite? 
Fazit: Ein verstörendes Drama, das zwar stets in ruhigem Ton gehalten ist, aber wer sich darauf einlässt wird einen der besten Filme des Jahres 2011 erleben.

9 / 10 Punkte
 
 

Samstag, 25. August 2012

Total Recall [2012]

TOTAL RECALL


Da ich das Original mit Arnold Schwarzenegger nicht gesehen habe, war ich dazu in der Lage, das Remake als eigenständigen Film zu betrachten, ohne ihn immer mit der Vorlage zu vergleichen. Aber sagen wir's so: Diese Tatsache machte den Film nicht unbedingt besser.
Den Einstieg fand ich schon mal gut, spannend und machte Neugier auf mehr. Rückblickend kann man aber verglichen mit den restlichen Szenen sagen, dass der Einstieg leider viel zu lahm und unwichtig für die Handlung war. Man bekam einen kleinen Einblick in das triste und monotone Leben von Doug Quaid, von seiner Frau und seinen Albträumen.
Erst ab dem Punkt, als Doug zu Recall geht und auf einmal plötzlich die Hölle los ist, kommt auch der Film in Fahrt. Von nun an jagt eigentlich eine Actionszene die nächste, Wackelkamera und viel Krach dürfen natürlich auch nicht fehlen. Und so zieht sich das leider bis zum Ende durch, ergänzt durch diverse Handlungsstränge, die zu oft ins Leere laufen oder ebenso gut ausgelassen hätten werden können. Die Verfolgungsjagden sind zu Beginn vielleicht noch spannend, aber leider dauern sie viel zu lange und spätestens nach der dritten Verfolgungsjagd hat man genug. 
Man wollte wohl so viel Action wie möglich in den Film packen, sodass man völlig auf die Handlung, geschweige denn auf eine kleine Prise Spannung vergessen hat. Die Handlung ist schnell erklärt und wird stets durch Schießereien unterbrochen und die Spannung geht dann sowieso flöten. Man ist nicht mehr gefordert, da man alles auf dem Silbertablett serviert bekommt. Während des Films könnte man ja manchmal ins Zweifeln kommen, was jetzt wirklich real ist und was nicht. Vielleicht ist das, was man einst für die Realität hielt und sich als Lüge herausstellte vielleicht doch die Realität?
Diese Frage stellt sich erst gar nicht, man bekommt gesagt, was die Realität ist und was nicht und aus.
Kate Beckinsale nervte leider nur noch, da sie zu penetrant und omnipräsent war. Leider aber muss man sich mit ihr anfreunden, denn sie wird bis zum Schluss dabei sein. Jessica Biel ging in Ordnung, aber ihre Rolle war einfach nur unnötig, wie so vieles in diesem Film.
Und ja, Colin Farrell fand ich wirklich gut und füllte die Rolle des Doppelagenten gelungen aus. Was mich jetzt nach all diesen negativen Punkten doch noch dazu veranlasst, "Total Recall" 6 Punkte zu schenken, sind Colin Farrell und die wirklich tollen Bilder der Stadt in der Zukunft.
5 / 10 Punkte

Montag, 20. August 2012

Badlands - Zerschossene Träume [1973]



Der Erstling der Regielegende Terrence Malick, der diesen Titel mit sage und schreibe sechs (!!) Filmen innerhalb von dreißig Jahren für sich beanspruchen darf. Und da ich kurz davor seinen neusten Film "The Tree of Life" gesehen habe und einen ebensolchen künstlerisch anmutenden Film erwartete, überraschte es mich umso mehr, dass "Badlands" ein 'normaler' Film geworden ist (jedenfalls für Malick-Verhältnisse). 
Die Handlung des Films ließ sich von einer wahren Geschichte inspirieren, die sich so ähnlich in den 1950er Jahren zugetragen hatte. Die 15-jährige Holly, die alleine mit ihrem Vater lebt, trifft eines Tages auf Kit, einen zehn Jahre älteren Rebell, und die beiden verlieben sich ineinander. Natürlich ist Hollys Vater alles andere als begeistert von dieser Liaison und er droht Kit, sich nicht seiner Tochter zu nähern. Dieser lässt sich natürlich nicht beeindrucken und bringt den Vater kurzerhand um und die beiden reisen ab diesen Zeitpunkt quer durch das Land, immer auf der Flucht vor der Polizei. Holly, die die Flucht anfangs etwas naiv und romantisch sieht, erkennt immer mehr, dass ihr Freund ein Soziopath ist und stumpft ab, schenkt ihm keine Beachtung mehr. Aber das macht nichts, denn ihre Flucht ist sowieso bald zu Ende, auch wenn sich Kit in dieser Hinsicht immer noch etwas vormacht. Während er immer auf der Suche nach neuen Verstecken ist und Personen, die gefährlich werden könnten, vorsichtshalber gleich umlegt oder außer Gefecht setzt, steht Holly immer abseits und verhält sich passiv.
So war das nun mal vor sechzig Jahren, der Mann bestimmte und die Frau gehorchte. Ständig bekam man kleine Auszüge aus Hollys Tagebuch vorgelesen, in dem sie beschreibt, was sie über die Morde und ihre Flucht und vor allem über Kit denkt. Es wird ein pessimistisches Bild gezeichnet, denn keiner von ihnen rechnet eigentlich noch damit, lebend aus dieser Sache rauszukommen. 
In den Hauptrollen, den einzig wichtigen Charakteren Kit und Holly, können wir die jungen Martin Sheen und Sissy Spacek bewundern. Sheen sieht wirklich verboten jung und frisch aus, er spielt Kit mit einer Mischung aus Selbstvertrauen, Charme und einer Prise Psychopath. Diesen spielt er aber nicht so extrem (wie es etwa Heath Ledger als Joker machte), sondern etwas unterschwellig, sodass man Kit für lange Zeit wirklich mag und sich nicht von Anfang an denkt "Was findet sie nur an diesem verrückten Kerl?" Kit ist charismatisch und redegewandt, eine gefährliche Mischung.
Sissy Spacek, mit mehr Sommersprossen denn je gesegnet, füllt die Person der jugendlichen Holly lediglich aus, kann keine Akzente setzen und nichts Besonderes bieten, während ich von Martin Sheen sehr angetan war.