Samstag, 11. Oktober 2014

Der Mohnblumenberg [2011]


"Der Mohnblumenberg" von Goro Miyazaki gilt gemeinsam mit "Wie der Wind sich hebt" von Anime-Altmeister und Goros Vater Hayao Miyazaki als einer der letzten Filme aus der traditionsreichen Filmschmiede, die vor einiger Zeit verkündet hatte, sich vorübergehend aus dem Geschäft zurückzuziehen. Für Animefans ist dies natürlich ein herber Verlust, denn das Studio Ghibli besitzt spätestens seit "Chihiros Reise ins Zauberland" auch in Europa und Nordamerika zahlreiche Fans. 

Aber ähnlich wie bei "Wie der Wind sich hebt" hatte ich auch beim "Mohnblumenberg" das Gefühl, dass sich die Magie bei Ghibli langsam abnützt. Anstatt ihre Zuschauer in magische Welten der japanischen Mythologie zu entführen, schufen sie in letzter Zeit zwar sehr schön anzuschauende Filme, die aber einen faden Beigeschmack besitzen. Was mir sofort aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass "Der Mohnblumenberg" einfach keine Handlung besitzt. "Wie der Wind sich hebt" konnte mich mit seiner tragischen Liebesgeschichte am Rande wenigstens noch mitreißen, aber in Goros Film fehlt mir dieser Aspekt. Die jugendliche Umi lernt eines Tages den gleichaltrigen Shun kennen und verliebt sich in ihn. Das ist kein Problem, bis sich herausstellt, dass Umis Vater eine Affäre hatte und ein Kind gezeugt hatte: Shun. Das ist natürlich ein Problem und die beiden machen sich auf, das Geheimnis um ihren gemeinsamen Vater zu lüften. Und am Rande wird das Schicksal eines Clubhauses erzählt, das abgerissen werden soll, die beiden aber alles daran setzen, das traditionsreiche Haus vor der Abrissbirne zu bewahren. 

Was ich sagen will ist, dass mich die Handlung einfach nicht reizen konnte. Die Handlung plätschert ohne große Höhepunkte vor sich hin und geht einfach zu Ende. Die Animation ist natürlich wieder einmal das Schönste, was Japan zu bieten hat - aber mich konnte die Detailverliebtheit in "Das wandelnde Schloss" viel mehr begeistern, auch wenn das Clubhaus ebenfalls sehr detailverliebt dargestellt wurde. Es fehlen markante Personen und einfach die Magie, die für mich Ghibli zu etwas ganz besonderes machen. Schade.

Sonntag, 21. September 2014

Ein Königreich für ein Lama [2000]


Das Leben von König Kuzco ist perfekt. Er hat eine Heerschar an Dienern, die ihm jeden Wunsch von den Augen ablesen und verbringt sein Leben mit Müßiggang. Doch ausgerechnet seine Beraterin Yzma will alles dafür tun, um an seinen Thron zu kommen und dies versucht sie zu erreichen, indem sie ihm ein Gift ins Essen mischt. Ihr dummer, aber liebenswerter Gehilfe Kronk hat jedoch die Flaschen vertauscht, weshalb sich Kuzco vor ihren Augen in ein Lama verwandelt. Kronk erhält den Auftrag, Kuzco zu töten, bringt es aber nicht übers Herz, weshalb er das Lama dem Bauern Patcha unterjubelt. Mit seiner Hilfe versucht er, zum Palat zurückzukehren und die Verwandlung rückgängig zu machen...

"Ein Königreich für ein Lama" ist nichts mehr als der lustigste Film von Disney. Natürlich lässt er den typischen Disney-Zauber vermissen, setzt aber ähnlich wie "Hercules" wenige Jahre zuvor auf eine hohe Gagdichte, die man in anderen Filmen des Zeichentrick-Konzerns vergeblich sucht. Während Kuzco scheinbar permanent einen coolen Spruch auf den Lippen hat, ist Yzmas Gehilfe Kronk so dumm, dass es schon wieder wehtut - aber damit viele Lacher auf seiner Seite hat. Ich habe den Film noch nie auf Englisch geschaut, aber ich denke, dass man die deutsche Übersetzung als gelungen und Michael Bully Herbig als Kuzcos Synchronsprecher als genial bezeichnen darf. Jeder Witz sitzt und wird selbst nach zehn fast fünfzehn Jahren nicht alt. 

Fazit: Der Zeichenstil ist zwar nichts Weltbewegendes, dafür punktet der Film mit seinem Humor, der keine Augen trocken lässt.

Donnerstag, 18. September 2014

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? [1966]


Das Ehepaar Martha und George kommt früh morgens nach einer Party ins Haus zurück; man erwartet noch Gäste. Während sie auf das junge Ehepaar warten, wird bereits deutlich, dass die beiden eine zerstörerische Ehe voller Hass führen und diese auch dem anderen Partner spüren lassen. Sobald die Gäste eingetroffen sind, werden beide sofort in ihren kleinen Ehestreit eingebunden. Martha demütigt George, der als Nachfolger ihres Vaters als Leiter der Universität vorgesehen war, jedoch nie genug Ehrgeiz besessen hatte. George andererseits zielt mit einer Attrappe eines Gewehrs auf seine Frau und dreht sich mit der Frau seines Gastes so lange im Kreis und singt "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" bis ihr schlecht wird. 

Je weiter die Nacht voranschreitet und je mehr Alkohol konsumiert wird, wird der Ehestreit mit immer härteren Mittel geführt. Der Sohn von George und Martha wird ins Spiel gebracht, was George überhaupt nicht passt. Martha versucht zunehmend, ihren gutaussehenden und jungen Gast zu verführen, während George tatenlos zusehen muss und ihm nichts anderes übrig bleibt, als Marthas Fantasien über ihren gemeinsamen Sohn zunichte zu machen. Schon die ersten Minuten von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" zeigen dem Zuschauer, was ihn erwartet. Martha schnauzt ihren Ehemann an, dieser reagiert abwesend, resignierend und scheinbar an den Psychoterror gewöhnt. Sobald die Gäste eintreffen, wird es noch schlimmer. Sie schaffen es, das junge Ehepaar gegeneinander aufzuhetzen und halten schlussendlich sogar zusammen und wirken wie ein eingespieltes Team. Man fragt sich, ob es schon mehrere solcher Abende mit Gästen gegeben hat, die man psychisch bloßgestellt hatte. Das junge Ehepaar kann sich nicht helfen, und verlässt völlig fertig und zerstört das Haus, nachdem sie mehrere Stunden in deren Gesellschaft verbringen musste. 


Was mich an diesem Film so faszinierte, war der abgrundtiefe Hass, der Martha und George zwar trennt, aber dennoch zusammenschweißt, wie man sieht, wenn sie sich gegen ihre Gäste verbünden. Man fragt sich, wie es so weit kommen konnte. Martha gibt einmal zu, dass sie George wirklich geliebt hatte - was man nicht glaubt, wenn man sieht, wie sie mit ihrem Mann umspringt. Sie beleidigt George wo es nur geht und stellt ihn in einer Tour bloß. George ist aber auch kein ungeschriebenes Blatt, wie man im Laufe des Films feststellen muss. Ist er zu Beginn nur der arme Mann, der ständig einstecken muss, ist er es aber, der den Psychokrieg erst recht in Gang bringt. Nachdem er befindet, dass sich seine Frau und er genügend beleidigt hätten, eröffnet er mit dem Spiel "Get the Guests" den Psychokrieg und bewiesdamit , dass er viel sadistischer ist als Martha, die ihren Mann "nur" beleidigt. 

Martha und George werden von Elizabeth Taylor und Richard Burton gespielt, ein Ehepaar, das seinerzeit für seine legendären Streitereien und Trennungen bekannt war. Sie spielen das selbstzerstörerische Ehepaar so gut, dass man sich fragt, wie viel sie selber spielen mussten und wie viel sie von ihren Streiten gewöhnt waren. Hinzu kommen die exzellenten Dialoge, ohne die der Film nur halb so gut wäre. "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" ist für mich ein hervorragendes Beispiel für ein Kammerspiel, denn der Film spielt sich meistens im Haus oder im Garten des Ehepaares ab und beinhaltet nur vier Personen (eine Ausnahme ist ein Besuch in einer Bar, wo der Inhaber und seine Frau einen kurzen Auftritt haben). Ein Film, der selbst nach fünfzig Jahren nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Mittwoch, 6. August 2014

Drachenzähmen leicht gemacht 2 [2014]


Als der erste Teil zu "Drachenzähmen leicht gemacht" 2010 in die Kinos kam, war er für mich ein Lichtblick zwischen den immer anspruchsloser werdenen Animationsfilmen von Pixar und Konsorten. "Drachenzähmen" hatte Witz, Spannung und Herz und war dementsprechend erfolgreich. Die logische Schlussfolgerung des Erfolgs kam vor wenigen Wochen ins Kino und ist, soweit dies möglich ist, sogar noch besser als sein Vorgänger.


Aus dem ehemals schwächlichen, schüchternen Hicks ist mittlerweile ein stattlicher junger Mann geworden, der langsam in die Fußstapfen seines Vater Haudrauf treten sollte, aber es bevorzugt, mit seinem Drachen Ohnezahn neue Welten zu erkunden. Bei einem dieser Erkundungstouren begegnet er bewaffneten Fremden, die für einen gewissen Drago Drachen entführen und zu ihm bringen. Haudrauf kennt die Gefahr, die von Drago ausgeht und wappnet sich für einen Krieg, doch Hicks möchte mit Drago reden und ihn davon überzeugen, dass Drachen nicht gefährliche Bestien sind und ein friedliches Leben möglich ist...


Während Teil 1 vor allem für Kinder interessant sein dürfe, orientiert sich der zweite Teil bereits an älterem Publikum. Hicks ist ein erwachsener Mann geworden, der seinen Platz aber noch finden muss, also besonders jugendliche Menschen ansprechen dürfte. Außerdem wurden Dramatik und Gewalt in die Höhe geschraubt, die Actionszenen sind imposanter und wirken dreckiger, erwachsener. Außerdem wurde mit Hicks Mutter ein neuer Charakter eingeführt, der maßgeblich an Hicks persönlichen Entwicklung beiträgt. Der Bösewicht Drago - ich muss leider sagen, dass er mich nicht besonders überzeugt hat, auch wenn sich seine Abneigung gegen Drachen nachvollziehen lässt. Ansonsten ist der Film fast fehlerfrei, besitzt nahezu keine Längen, ist spannend, traurig, niedlich und witzig und ist somit in meinen Augen in allen Belangen besser als "Drachenzähmen leicht gemacht".

Sonntag, 3. August 2014

Little Miss Sunshine [2006]


Wie ich vermutlich bereits das eine oder andere Mal angemerkt habe, bin ich alles andere als ein Fan von Road-Movies. Sie schaffen es einfach nicht, mich auf ihre Reise mitzunehmen, mich mit den skurrilen Charakteren zu unterhalten, kurz: Kaum einer der Filme dieser Kategorie konnten mich bis jetzt vom Hocker reißen. Die einzige Ausnahme: Little Miss Sunshine, eine herzerwärmende Geschichte über eine Familie, die auf der Reise zu einem Schönheitswettbewerb ihre Differenzen überbrücken kann und schließlich zusammenfindet. 

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Was "Little Miss Sunshine" von anderen Genrevertretern abhebt, sind die unterschiedlichen Charaktere, die immer wieder für Reibungspunkte sorgen. Ein Vater, der den restlichen Familienmitgliedern mit seinem ständigen Geschwafel über Gewinner und Verlierer gehörig auf den Sack geht; sein koksender Vater, der wegen seinem unflätigen Gerede aus dem Seniorenheim geschmissen wurde; der pubertierende Sohn Dwayne, der bis zu seiner Aufnahme in der Pilotenakademie ein Schweigegelübde abgelegt hat und mit seiner verhassten Familie nur per Zettel und Stift kommuniziert; die Mutter, die um jeden Preis versucht, ihre chaotische Familie zusammenzuhalten; ihr homosexueller Bruder Frank, der einen misslungenen Selbstmordversuch hinter sich hat; und zu guter Letzt die kleine Olive, die ihre ganze Familie zum Little Miss Sunshine Schönheitswettbewerb schleppt, obwohl sie alles andere als ein Model ist. Da ist Ärger auf der langen Reise natürlich vorprogrammiert. Aber das Tolle ist, dass einem ein paar Charaktere gehörig auf den Sack gehen, man sich aber am Ende mit allen arrangieren kann. Ich hatte mein größtes Problem mit dem Vater, der mir mit seinem unermüdlichen Gerede über Gewinner und Verlierer meinen Geduldsfaden arg strapaziert hatte. Erfrischend waren hingegen Paul Dano als Dwayne, ein damals noch unbekannter Steve Carell als ruhiger Onkel und Alan Arkin, der seinen vorlauten Opa wirklich grandios spielt (auch wenn er im späteren Verlauf des Films leider ausfällt).

Was mir noch gefallen hat, ist dass der Film das Prinzip der Schönheitswettbewerbe im Allgemeinen und die für Kinder im Besonderen als das hinstellen, was sie sind - kompletter Schwachsinn. Wenn man an Sendungen wie "Toddlers & Tiaras" denkt, kommt man zu der Überzeugung, die Amerikaner wären verrückt nach diesen perversen Shows. Die Hoovers denken da anders: Als sie sich den Wettbewerb und all die perfekt präparierten, zu Leben erwachten Barbiepuppen ansehen, kommen Richard und Dwayne zu dem Schluss, Olive vor der Schande zu bewahren und zu einer Absage zu zwingen. Immerhin ist Olive ein gewöhnliches, etwas molliges Kind im Badeanzug, das im Vergleich zu den anderen Püppchen aussieht wie eine Lachnummer. Aber Olive vermag es mit ihrer Performance, alle prüden amerikanischen Hausfrauen zu schocken und dank ihrer Familie wird der Auftritt doch noch ein Erfolg. Sie erhält zwar das Verbot, bei einem Schönheitswettbewerb im Staate Kalifornien teilzunehmen, dafür ist aber ihre zerstrittene Familie endlich vereint. So stelle ich mir einen Feel-Good-Movie vor. Schönes Teil.