Sonntag, 9. Februar 2014

Erbarmen [2013]



"Erbarmen" hatte ich vor rund einem Monat in der Sneak bekommen und war von der dänisch-deutschen-schwedischen Produktion relativ positiv überrascht worden. Und welches Genre haben die Skandinavier in den letzten Jahren besonders gut gemacht? Natürlich den klassisch-düsteren Thriller, wie auch "Erbarmen" einer ist. 

Alles beginnt mit dem raubeinigen Ermittler Carl, der nach einer längeren Auszeit wieder mit der Arbeit anfängt und zu Beginn den einfachen Auftrag erhält, längst vergessene Fälle zu ordnen. Dort stößt er auf einen alten Fall, in dem eine bekannte Politikerin vermeintlichen Selbstmord beging, was aber bei Carl die Alarmglocken schrillen lässt. Gemeinsam mit seinem Partner Assad macht er sich daran, den alten Fall neu aufzurollen und nach der vermissten Frau zu suchen, die, wie man zwischendurch immer wieder sehen kann, noch immer von ihrem Peiniger in einem Art Kerker gefangengehalten wird. 


Nein, es klingt nicht nur so, aber es sieht auch so aus: "Erbarmen" kann man als einen besseren Tatort sehen. Die Story baut sich klassisch auf: Der Ermittler mit Dreck am Stecken, der auf sämtliche Regeln pfeift und einfach so einen neuen Fall aufrollt und sich auf eigene Faust auf die Suche nach einer Frau macht, die schon jeder abgeschrieben hat. Dazu der neue Partner, der ihm vom Chef zur Seite gestellt wurde und natürlich ein Ausländer ist, was auf allerlei Vorurteile und Witzchen führt. Carl war mir teilweise sogar schon zu sehr auf Arschloch getrimmt, aber im Grunde  gaben die beiden ein tolles Team ab. 


Der Film hat aber zwei Dinge, die mich gestört haben. Erstens: Der Anfang, in dem Carl und sein ans Krankenbett gefesselter Kollege angeschossen werden. Warum? Im späteren Filmverlauf wird nie wieder dazu Bezug genommen, warum haben sie es dann eingebaut? Und außerdem fand ich die Motivation des Täters interessant, im negativen Sinne. Da ist dieser Junge, der mit seiner Familie einen Autofunfall hat und er sieht dieses Mädchen, das im anderen Unfallwagen sitzt. Beide überleben - und später beschließt er, diese Frau einzusperren und zu foltern? Leider wird nie erklärt, was in seinem verrückten Kopf vorgeht oder was seine Motivation war. Ist wahrscheinlich auch egal. Der Film hat durchaus seine spannenden Momente, aber leider rutscht er selten aus der Überflüssigkeit heraus.

Gran Torino [2008]



Walt Kowalski lebt in einer Vorstadtsiedlung in Detroit und verarbeitet gerade den Tod seiner Frau. Aufgrund der Wirtschaftskrise sind viele seiner US-amerikanischen Nachbarn weggezogen oder im Laufe der Jahre gestorben, weshalb er mit Unmut mitansehen muss, wie sich immer mehr Asiaten in seiner Siedlung breit machen. Walt ist seit dem Koreakrieg sehr ausländerfeindlich eingestellt und möchte am liebsten seinen Lebensabend ohne störende Vorkommnisse verbringen.

Dies ändert sich schlagartig, als er in die Angelegenheiten seiner Hmong-Nachbarn hineingezogen wird und deren Sohn Thao vor dem Übergriff einer Gangsterbande rettet und dadurch unfreiwillig zum Helden der Nachbarschaft erklärt wird. Natürlich kann der grimmige Walt dies anfangs nicht ausstehen, aber nachdem er mehr Kontakt zu Thao und dessen Schwester Sue hat, beginnt er aufzutauen und besorgt dem sensiblen Thao sogar eine Arbeit auf dem Bau. 


Und genau das ist das Ausschlaggebende für die hohe Qualität des Filmes. "Gran Torino" erzählt einerseits die Geschichte eines alten Mannes, der noch in seiner eigenen idealistischen Welt lebt und seinen Sohn teils dafür verachtet, weil er einen japanischen Wagen fährt und keinen Ford. Er zog als junger Mann in den Koreakrieg und hat einen Teil von sich dort zurück gelassen und muss sich jeden Tag mit den Greueltaten konfrontieren. Dadurch wirkt er wie ein Relikt aus einer längst vergangenen Zeit. Die asiatischen Nachbarn bilden hierzu einen starken Kontrast, denn diese sind erst seit kurzem in den Staaten, weil sie wegen ihrer Zusammenarbeit mit den US-Amerikanern im Koreakrieg aus dem eigenen Land vertrieben wurden. Sue führt sehr schön aus, welches Schicksal den Hmong-Kindern in den USA beschert ist: Wie die US-Amerikaner selbst gehen die Mädchen auf die Uni und die Jungs begehen Verbrechen. Auch Thao wird von seinem Cousin und dessen Gang wiederholt mit Gewalt dazu "überredet", mit ihnen "abzuhängen" oder eben auch den titelgebenden Gran Torino von Walt zu stehlen. Und Walt verspürt wohl nach all diesen Jahren der Tristesse und dem eigenen, ausländerfeindlichen Weltbild, in das er sich selbst gefangen hält, wieder soetwas wie Freude. Wenn er etwa von Sue eingeladen wird, auf ihre Party zu kommen und er widerwillig hinübergeht, hat er sogar Spaß und ist überrascht, wie freundlich diese "Reisfresser" eigentlich sind. Oder wenn er eine kleine Grillerei veranstaltet und diese jungen Hüpfer zu sich einlädt und Theo anbietet, sein Date mit seinem geliebten Gran Torino auszuführen. 


Im wesentlichen ist "Gran Torino" wohl alleine die Geschichte über einen verbitterten, alten Mann, der nach dem Tod seiner Frau endlich wieder einen Sinn in seinem Leben sieht: Seine inzwischen ins Herz geschlossenen Nachbarn (Thao & Sue) vor den Übergriffen der Gangster zu retten. Und Regisseur Clint Eastwood macht diese kleine, herzerwärmende Geschichte zu einem der besten Filme in seiner Filmografie. Die Mischung macht es aus: Clint-Eastwood-Coolness gepaart mit viel Herz und Spannung.

Mittwoch, 5. Februar 2014

Der dritte Mann [1949]



Manchmal frage ich mich: Ist das Blasphemie, wenn ich einen Klassiker einfach nur langweilig finde und seinen Kultstatus nicht nachvollziehen kann? Meistens finde ich Klassiker echt super und auch Schwarzweiß- oder auch Stummfilme machen mir wenig aus, und doch konnte ich an "Der dritte Mann" verhältnismäßig wenig Gefallen finden. Woran liegt das? 
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Aber nochmal von Anfang an: Zu Beginn wird das berühmte Harry-Lime-Thema auf der Zither eingespielt, während Holly Martins in Wien aus dem Zug steigt und sich zu der Wohnung seines Jugendfreundes Harry Lime begibt. Dort erfährt er, dass Harry vor kurzem bei einen Unfall ums Leben gekommen sei. Wie es der Zufall will, waren in dem Moment seines Todes zwei Freunde, sein Fahrer und sein Leibarzt zugegegen, was Martins Alarmglocken schrillen lässt. Während er versucht, das Mysterium hinter Harry Limes rätselhaften Tod zu lösen, werden zwielichtige Freunde von Harry auf ihn aufmerksam und versuchen, ihn an seinem Vorhaben zu hindern. 
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Das Problem, das ich mit dem Film hatte, war, dass er einfach zu ruhig verläuft. Viele mögen wohl die dichte Atmosphäre herausheben, ich aber hatte mich relativ oft gelangweilt und gefragt, wann Martins endlich das Geheimnis entdecken wird. Das liegt zum einen Teil an der ungewohnten Schwarz-Weiß-Optik und der damaligen Vorstellung von Spannung, aber auch daran, dass mir das Wien, das im Film präsentiert wird, sehr unsympathisch ist. Ich liebe Wien und besuche es, sooft ich kann, aber ein Nachkriegswien, das in vier Besatzungszonen aufgeteilt ist, wo der Schwarzmarkt ein essenzieller Bestandteil ist und Zigaretten als Währung gelten, war mir so fremd, dass ich ständig hin- und hergerissen war, etwa wenn ich einen bekannten Brunnen oder ähnliches entdeckte. 
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Aber hey, der Film war trotz seiner Längen immer noch ein ziemlich guter Film mit einer interessanten Story. Und spätestens wenn sich Harry Lime seinem Jugendfreund zu erkennen gibt und dann die große Hatz in der Wiener Kanalisation beginnt, hatte mich der Film wieder gepackt. 

Sonntag, 2. Februar 2014

Captain Phillips [2013]


"Captain Phillips" basiert auf die Biografie des realen Richard Phillips, der in diesem Buch sein traumatisches Erlebnis niederschrieb, die auch Gegenstand dieser Verfilmung ist. Der Film spielt im Jahr 2009, als das Frachtschiff Maersk Alabama gerade die Küste von Somalia umschifft und dabei von drei Piraten gekapert wird. Es entbrennt ein Kampf gegen die Zeit, in der der Kapitän des Schiffes, Richard Phillips, einerseits versucht, die Piraten auf Distanz zu halten, als auch seine Mannschaft in Sicherheit zu bringen. 


Auch "Captain Phillips" ist einer jener Filme, die mich als Trailer nicht packen konnten, die ich aber aufgrund der überragenden Stimmen doch noch angesehen hatte. Zum Glück. Denn ansonsten wäre mir einer der spannendsten und ja, besten, Filme des Jahres durch die Lappen gegangen. Was Regisseur Paul Greengrass hier auf die Beine stellt, ist wirklich ganz großes Kino und ist zu Recht zumindest für den Oscar nominiert. Ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so verkrampft im Kinosessel saß und gebannt auf die Leinwand starrte. Normalerweise wandern meine Gedanken hin und her, weil der gezeigte Film so langweilig ist, aber "Captain Phillips" hatte von der ersten Sekunde meine Aufmerksamkeit und ließ mir auch nach dem Film keine Ruhe. Was Tom Hanks hier zeigt, dürfte seine beste Leistung seit langem sein. Seit Jahren unterfordert, darf er hier besonders zum Schluss wieder große Emotionen zeigen, auch wenn man dies schnell als Overacting bezeichnen kann. Es mag zwar Overacting sein, aber auch Al Pacino ist für sein Overacting bekannt und trotzdem einer der größten Schauspieler seiner Generation, nicht wahr? Erwähnenswert ist auch noch Barkhad Abdi, der den Anführer der Piraten verkörpert und dabei für die trostlosen Zukunftsaussichten eines Somali steht, indem er klar macht, dass er seinen Beruf nur ausübt, weil er sich ernähren muss und es keine Alternativen gibt. Klar, das mag jetzt auch nur Propaganda sein, aber das ist mir egal. 


"Captain Phillips" hat mich schwer begeistert und ich möchte diesen Film jeden ans Herz legen, der mal Lust auf über zwei Stunden gepflegte Dauerspannung hat.

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty [2013]



Ich hatte schon lange nicht mehr einen so tollen Trailer gesehen, wie in den Monaten der großen Erwartungshaltung, wo jeder Filmfan von Ben Stillers neuestem Film "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" begeistert war. Oder zumindest vom tollen Trailer, der mit tollen Bildern und einen ebenso genialen Soundtrack untermalt war. Die Erwartungshaltung war natürlich dementsprechend groß. Die ersten Stimmen waren positiv, auch wenn sich viele negative Meinungen darunter mischten. Es hieß, "... Walter Mitty" sei durch und durch ein Jack-Wolfskin-Werbefilm und kein eigenständiger Film. Natürlich musste ich mir eine eigene Meinung bilden und bin recht schnell nach dem Start ins Kino, und werde euch meine Meinung darstellen.

Die Handlung ist wie folgt: Ben Stiller spielt den stillen, in sich gekehrten Walter Mitty, der im Archiv des LIFE Magazines arbeitet und auch als sozial unsicherer Mensch dargestellt wird, da er sich nicht einmal traut, auf einer Partnerseite seine Arbeitskollegin zu stupsen, geschweige denn, sich in der Arbeit mit ihr zu unterhalten. Schon am Morgen lernt er seinen neuen Chef kennen, einen aufstrebenden Juppie, der das LIFE Magazine in die digitale Welt des Internet führen soll. Am selben Morgen wurde ein Foto des berühmten Fotografen Sean O'Connell geschickt, das für die letzte Printausgabe des LIFE Magazines vorgesehen ist. Das Problem ist: Es ist verschwunden, war wohl von Anfang an nicht dabei. Um seinen Job nicht zu verlieren, beschließt Walter Mitty, dem Fotografen nach Island, Grönland und dem Himalaya nachzureisen, um an das Foto zu gelangen. 

Soweit zur Handlung. Vom Trailer wurde (mir zumindest) suggeriert, dass sich Walter auf eine lange Weltreise macht, viele Dinge erlebt, Menschen kennenlernt usw. Gut, er reist wirklich um die Welt und erlebt ein paar Sachen, aber diese werden leider nur kurz angeschnitten bzw. passieren nicht in dem Ausmaß, wie ich es erwartet hatte. Er fliegt halt für ein paar Tage nach Island und kommt wieder zurück, schade. Viel mehr wurde der zarten Liebesgeschichte zwischen Walter und seinem Love Interest Cheryl Platz gemacht, die zwar natürlich sehr süß ist, aber nicht gerade das ist, was ich mir unter dem Film vorgestellt habe. 

Zudem dachte ich zu Beginn, dass Sean O'Connell das Foto absichtlich nicht geschickt hatte, um Walter aus seinem eintönigen Alltag zu reißen und mal ein paar Abenteuer erleben zu lassen, um seinem scheuen Charakter mal etwas Gutes zu tun. Doch als dann am Ende herauskommt, dass das Foto zwar mitgeschickt, aber in eine Geldbörse gesteckt wurde, die Walter in den Müll geworfen hatte, fand ich diese Lösung nicht zu elegant. Also hatte die ganze Weltreise an sich überhaupt keinen Sinn, da das Bild von Anfang an in L.A. war. 

Aber gut, das ist Meckern auf hohem Niveau. Obwohl ich mir "... Walter Mitty" besser vorgestellt hatte, als er im Endeffekt war, bot er immer noch einen wunderschönen Soundtrack von Monsters & Men und außerdem was für's Auge - jedes zweite Bild möchte man sich am liebsten einrahmen und auf die Wand hängen. Ein mutiger Versuch von Ben Stiller, der zwar nicht zu 100 Prozent geglückt ist, aber für den Versuch allein, bekommt er 6 Punkte von mir.