Sonntag, 25. Oktober 2015

Eine ganz normale Familie [1980]



Das Regiedebüt von Robert Redford wurde bei der Oscarverleihung 1981 mit vier Academy Awards ausgezeichnet, darunter in wichtigen Kategorien wie Bester Film, Beste Regie und Bester Nebendarsteller. Ob der Film in den 35 Jahren, die seitdem vergangen sind, gut oder schlecht gealtert ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich jedenfalls war begeistert von Timothy Huttons Darstellung eines depressiven Teenagers, der seit dem Tod seines großen Bruders mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen hat. 

Nach außen hin sind die Jarretts eine weitere Familie in der Oberschicht Amerikas, die in einer Villa lebt und gerne mit Freunden Golf spielt - jedoch brodelt es hinter der Fassade gewaltig. Zu Beginn des Films wurde Conrad gerade nach einem Selbstmordversuch aus einer psychiatrischen Klinik entlassen und muss sein Leben vor dem Unfall weiterzuführen. Während sich sein Vater ständig um ihn sorgt und ihm helfen möchte, kann die Mutter keine Verbindung zu dem überlebenden jüngeren Sohn aufbauen, den sie aus Liebe zum älteren Bruder immer vernachlässigt hatte. Jede Annäherung der beiden endet im Streit, der Vater versucht erfolglos, zu vermitteln.

Die Handlung mag heutzutage etwas altbacken wirken und Robert Redford erzählt seine Geschichte mit etwas zu viel Kitsch, der das Filmerlebnis etwas trübt. Doch Timothy Huttons frische und jugendliche Darstellung eines gebeutelten Teenagers (die übrigens, wie oben erwähnt, mit einem Oscar belohnt wurde) bringt dem Film das Prädikat "Sehenswert" ein. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Donald Sutherland als verständnisvolles Familienoberhaupt und Mary Tyler Moore als scheinbar gefühlskalte Mutter, die den Schein der "ganz normalen Familie" aufrecht erhalten möchte.

Dienstag, 15. September 2015

Der General [1926]



Buster Keatons Vorzeigefilm galt als eine der teuersten Produktionen der Stummfilmära. In ihr trieb Buster seine Überzeugung von realistischen Stunts auf die Spitze und ließ nebenbei zwei Lokomotiven aus den 1860er Jahren originalgetreu nachbauen und in einer spektakulären Szene zerstören. Die Geschichte ist denkbar einfach gehalten, was aber überhaupt nicht stört, im Gegenteil. Der Wandel von Busters Figur vom erfolglosen Maschinisten zum gefeierten Helden der Südstaaten - und die damit verbundene Verfolgungsjagd der General (seiner Lokomotive) - bietet zahlreiche Gelegenheiten für buster'sche Stunteinlagen. In einer Szene setzt sich Buster auf die Kuppelstange einer Lokomotive, die sich in Bewegung setzt. Sieht zwar unspektakulär aus, doch dieser Stunt gehört wohl zu den gefährlichsten des Films: Hätte der Maschinist nur etwas mehr Dampf gegeben, wäre Buster Keaton mit Sicherheit gestorben. 

Fazit: Auch fast neunzig Jahre nach dem Erscheinen ist "Der General" ein unterhaltsamer Film, der an die gute alte Stummzeit erinnert, als die Stunts noch vom Schauspieler selbst durchgeführt wurden. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass die gigantischen Ausmaße des Filmes Buster Keaton in den finanziellen Ruin getrieben hatte.

Montag, 14. September 2015

Frank [2014]



Mit einiger Verspätung erschien endlich auch "Frank" in Österreich. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mir diesen hochgelobten Film im Kino zu Gemüte zu führen. Die Prämisse des Films ist einfach: Jon lernt durch Zufall die experimentelle Band Soronprfbs und ihren merkwürdigen Frontman Frank kennen, der einen riesigen Pappmachékopf auf seinen Schultern trägt und diesen nicht einmal zum Schlafen oder Duschen abnimmt. Als Jon die Rolle des Keyboarders einnimmt und für Studioaufnahmen nach Irland mitreist, lernt er die Band und Frank besser kennen - und zerstört beinahe die Bande zwischen den Bandmitgliedern.

Ich hatte ehrlich gesagt "nur" eine harmlose Indiekomödie erwartet. Ich staunte nicht schlecht, als sich der stellenweise witzige Film auch ernsten Themen wie Suizid und psychischen Problemen zuwendet. Frank ist ein genialer Mensch mit einem ausgeprägten musikalischen Genie, doch eigentlich ist er ein emotional schwer angeknackster Mittdreißiger. Mit seinem Pappmachékopf wirkte er wie ein ganz normaler Mensch, ohne wie ein kleines Kind, fast schon autistisch und hilflos. Michael Fasssbender benützt seinen ganzen Körper und seine ausdrucksstarke Stimme, um Franks Gefühle und Stimmungen darzustellen. Für mich eine sehr starke Leistung, da er ganz ohne Gesichtsmimiken auskommen muss (außer am Ende, wo er nochmal beweist, dass er einer der ganz großen ist). In den weiteren Rollen sind Domhnall Gleeson und Maggie Gyllenhaal zu sehen. "Frank" war ein feiner, ruhiger Film, mit spontan witzigen Szenen und vielen gefühlvollen Momenten, in denen man Frank am liebsten in den Arm nehmen möchte. Besonders das Ende, wo Frank "I Love You All" ist so rührend, dass ich mit einem Lächeln aus dem Kino gegangen bin.

Sweet and Lowdown [1999]



"Sweet and Lowdown" wird - ähnlich wie "Zelig" - in Form einer Mockumentary erzählt, in der neben Woody Allen auch andere Jazzliebhaber Geschichten aus dem Leben von Emmet Ray erzählen. Dieser war ein Gitarrengenie und soll während der 1930er Jahre eine kurze ruhmreiche Phase gehabt haben, sei danach aber in Vergessenheit geraten. Emmet Ray wird als rüpelhafter Trinker beschrieben, der mit Vorliebe auf Müllplätzen auf Ratten schoss oder vorbeifahrenden Zügen zuschaute. Doch wenn er seine Gitarre zur Hand nahm, ließ er Mädchenherzen schmelzen und seine zahlreichen Fehltritte wurden ihm verziehen. Besonders gut gefiel mir seine Beziehung zu der stummen Wäscherin Hattie, die er eigentlich nur ausnutzt und anschließend wegwirft. Als er später reumütig zurückkehrt, ist es zu spät: Hatte hatte bereits eine Familie gegründet. 

Die Erkenntnis, dass die Liebe nicht immer eine zweite Chance erhält, passt perfekte zum melancholischen Grundton des Films. Ein extrem guter Sean Penn spielt den gemeinen Ray - seine Beziehung zu Hattie und der Beweis, dass er sie braucht und liebt, retten seinen gemeinen Charakter. Eine mir unbekannte Samantha Morton spielte Hattie und erhielt neben Penn zu Recht eine Oscarnominierung. Eine solch gute Darstellung, ohne gesprochene Sprache zu verwenden, hat man wohl seit der Stummfilmära nicht mehr gesehen (ja, das schließt"Das Piano" mit ein). "Sweet and Lowdown" lebt von der Musik, von der Magie, von den Figuren, die einem ans Herz wachsen. Ich habe seit "Purple Rose of Cairo" keinen so melancholischen und gleichzeitig schönen Film von Allen gesehen.

Geliebte Aphrodite [1995]



In "Geliebte Aphrodite" spielt Woody Allen wieder mal sich selbst, einen unsicheren, neurotischen New Yorker mit jüdischen Wurzeln, der gemeinsam mit seiner Frau (Bonham Carter) einen Jungen adoptiert. Als er die Mutter nach langer Suche kennen lernt, staunt er nicht schlecht, als sich herausstellt, dass Linda eine Prostituierte ist. Er beschließt, für Linda einen Mann zu finden und ihr zu einem besseren Leben zu verhelfen.

"Geliebte Aphrodite" wurde 1996 für zwei Oscars nominiert, Mira Sorvino erhielt den Oscar für die Beste Nebendarstellerin, Woody Allen ging für die Regie leer aus. Doch auch hier muss ich mich fragen, was die Academy da geritten hat, als sie Sorvino den Oscar überreichte. Ja okay, die spielt das blonde Dummchen wirklich ausgezeichnet, aber doch nicht so gut, dass ich ihr den bedeutendsten Filmpreis Hollywoods überreichen müsste. Ihr ahnt es schon, ich hatte kaum Spaß mit diesem Film. Allens Figur ist anstrengend wie in den meisten seiner Filme, die Handlung zieht sich. Zugegeben, der Schluss des Films - die Erkenntnis, dass Lenny Lindas großzieht und sie seines, ohne dass sie davon wissen - hat mir gefallen. Und in die Handlung sind immer wieder Szenen aus einem antiken Theater eingeflochten, in denen Schauspieler aus der Antike ihren Senf zum Geschehen abgeben. Zugegeben, das war wirklich herrlich.