Montag, 6. April 2015

In guten Händen [2011]



Seit der Antike nahm man an, dass die "Hysterie" eine Frauenkrankheit sei, die Frauen depressiv mache, wenn sie nicht genug Sex bekommen. Zu ihrer Heilung wurde Masturbation angewandt, was diese Hysterieanfälle vermilderten, sehr zum Leidwesen der Handgelenke der Ärzte - bis der Vibrator erfunden wurde. "In guten Händen" beschreibt die Geschichte des jungen Arztes Granville, der eben diese Apparatur erfindet und wohl nicht weiß, dass sein Gerät nicht nur als Heilpraktik verwendet wurde. Und nebenbei lernt er zwei Frauen kennen, die ihm ordentlich den Hals verdrehen.

"In guten Händen" behandelt das Thema der weiblichen Sexualität sehr erwachsen, denn ich hatte eine etwas kindischere Komödie erwartet, auch wenn der Humor nicht zu kurz kommt. Hugh Dancy spielt den etwas tollpatschigen Arzt Granville, der bei dem älteren Arzt Dalrymple in die Lehre geht und seine beiden Töchter kennenlernt. Während Emily (Felicity Jones) ganz dem Sinn ihres Vaters entspricht, ist der Wildfang Charlotte (Maggie Gyllenhaal) unabhängig, stark und arbeitet in einem Armenhaus. Während Granville am Anfang von der braven Emily angezogen wird, entscheidet er sich am Ende für die selbstbewusste Charlotte. Das Problem ist aber, dass der Film sehr träge ist und von der langatmigen Handlung und den Darstellern allein nicht getragen werden kann. Zwar kann man mit "In guten Händen" nichts falsch machen, aber besonders gut ist er halt nicht.

Donnerstag, 2. April 2015

Big Eyes [2014]



In seinem neuesten Film beschäftigte sich Tim Burton mit den Gemälden von Walter Keane, die in den 50ern und 60ern zu richtigen Kassenschlagern entwickelten. Jeder wollte so ein Gemälde dieser kleinen Mädchen mit den viel zu großen Augen haben. Walter Keane genoss Erfolg und Ruhm, doch er hatte ein dunkles Geheimnis: Er war nur ein Hochstapler, der nur vorgab, die Bilder gemalt zu haben. In Wirklichkeit waren sie das Werk seiner Frau, die den ganzen Tag im Atelier verbrachte, um die Nachfrage zu befriedigen und selbst ihre eigene Tochter anlügen musste, um den Schein vom perfekten Walter Keane zu wahren. Als ihr Mann im Alkoholeinfluss ihr Atelier in Brand steckt, flüchten Margaret und ihre Tochter nach Hawaii, wo sie sich in einem öffentlichkeitswirksamen Prozess als wahre Erschafferin der berühmten Werke zu erkennen gibt.

"Big Eyes" hat eine ungewöhnliche Thematik, die ich nicht recht mit Tim Burton assoziieren kann. Klar, die Kinder mit den großen Augen sind befremdlich, aber Burton befasste sich früher immer mit wunderschönen Fantasiewelten und nicht mit der biederen Realität. Auch ansonsten lässt sich seine Handschrift kaum erkennen, nichts Buntes, Übertriebenes eben. Die Hauptrollen hat er mit Amy Adams und Christoph Waltz sehr namhaft besetzt. Während Amy Adams sowieso in jeder Rolle zu glänzen scheint, die sie annimmt, hat mich Christoph Waltz' extremes Overacting hier sehr gestört. Natürlich muss man für ihn als Antagonisten keine Sympathien entwickeln, aber dass mich ein Charakter so sehr gestört hat, ist auch schon lange her. Waltz' Overacting wird besonders gegen Ende des Films in dem Kasperltheater vor Gericht sichtbar, als er gleichzeitig den Verteidiger und den Angeklagten spielen muss. Ich denke, dass sich an dieser Stelle jeder Zuschauer innerlich fremdgeschämt hat. Das ist zwar lustig, hatte aber überhaupt nichts in dem Film verloren. 

Ansonsten ist der Film relativ spannungsarm und gewinnt erst an Fahrt, als Walter das Atelier, in dem sich Margaret und ihre Tochter eingesperrt hatten, in Brand steckt - nur um danach wieder ausgebremst zu werden. "Big Eyes" wirkt etwas holprig und nicht von einem Altmeister inszeniert. Aber ich denke, dass man trotzdem nicht viel falsch machen kann - und besonders die Gemälde sind einen Blick wert.

Mittwoch, 1. April 2015

Das Geheimnis der Braut [1994]



Bis in die 1920er Jahre hinein versuchten japanische Arbeiter auf Hawaii, auf einem ungewöhnlichen Weg, die Frau für's Leben zu finden: Sie schickten ihre Fotos und Briefe an Heiratsvermittler und diese suchten eine passende Frau, die dann mit dem Schiff nach Hawaii geschickt wurde. Auf die Frauen wartete dort ein böses Erwachen: Viele Männer hatten längst überholte Fotos geschickt, oft waren es sogar ganz andere Menschen, von denen sie im Hafen erwartet wurden.

So geht es auch der 16-jährigen Riyo, die keine Familie mehr hat und genötigt wird, einen Mann zu heiraten, den sie nur von einem Foto und einem Gedicht kennt. Der Mann, der in Hawaii auf sie wartet, ist ganz ein anderer, nicht einmal das reizende Haiku hat er selbst geschrieben. Noch dazu muss sie den ganzen Tag auf einer Zuckerrohrplantage arbeiten, wofür sie als junges Mädchen aus der Stadt überhaupt nicht geeignet ist. Sie lernt die resolute Kana kennen, mit deren Hilfe sie noch extra Geld dazuverdient, damit sie nach Japan zurückkehren kann. 

Die Handlung ließ mich auf ein nettes, ruhiges Drama hoffen und eigentlich hab ich das auch bekommen - und irgendwie auch nicht. Die Handlung ist natürlich dünn, das wusste ich vorher schon, aber dazu auch noch so langweilig inszeniert, dass man schnell das Interesse verliert. Das harte Leben der Arbeiter wird recht gut dargestellt, aber der ganze Film war einfach so zäh, dass jeder Lichtblick schnell im Nichts verschwindet. Übertrieben melodramatische Darsteller und der TV-Film-Look tun ihr Übriges. Und übrigens ist der deutsche Filmtitel furchtbar irreführend: Der Original-Titel "Picture Bride" ist passend gewählt, da diese Frauen tatsächlich so genannt wurden, aber "Das Geheimnis der Braut"? Welches Geheimnis? Wer das verbrochen hat, soll sich den Film lieber selber mal ansehen.

Freitag, 27. März 2015

Die üblichen Verdächtigen [1995]



"Die üblichen Verdächtigen" ist einer jener Filme, die man unbedingt gesehen haben muss - zumindest bekommt man das immer gesagt. Er gilt neben "Pulp Fiction" oder "Sieben" als einer jener Klassiker der 90er. Während ich die beiden erstgenannten Filme durchaus Tribut zolle, kann mich "Die üblichen Verdächtigen" nicht vom Hocker reißen - auch nach mehrmaliger Sichtung mag sich mir die Genialität nicht offenbaren. 

Woran es liegt, kann ich jedoch nicht sagen. Eigentlich müsste alles passen: Die Handlung ist voller Wendungen, die Charaktere schön verrückt und hat mit Kevin Spacey einen Schauspieler in einer seiner zahlreichen Glanzstunden zu bieten. Aber leider schafft es der Film nur bedingt, mich zu fesseln. Es wird eine pseudo-komplizierte Handlung entrollt, die zwar durchhaus zu unterhalten vermag, aber zu mehr reicht es leider nicht. Am Ende kommt dann noch die große Enthüllung um den Antagonisten Keyser Soze, den ich leider schon im Voraus wusste, weshalb der Aha-Effekt, auf den der Film aufbaut, ausblieb. Was mir jedoch gefällt, ist Kevin Spaceys wunderbar nuancierte Darstellung des unscheinbaren Verbal Kint und die bissigen Dialoge. Für viele einer der besten Filme der 90er, aber leider nicht für mich.

Dienstag, 24. März 2015

Boyhood [2014]



Zeitsprünge sind in Filmen nichts Besonderes. Die meisten Filme haben einen, entweder in Form von Rückblenden in der Kindheit oder man wächst mit dem Hauptcharakter mit. Dass diese Personen nie die selben sind und sich oft nicht mal ähnlich sehen, ist für den Zuschauer etwas ganz normales. Wie sollte man das sonst bewerkstelligen, etwa die Szenen drehen und dann mal zehn Jahre warten und dann weitermachen? 

Ja. Genau das hat Richard Linklater mit "Boyhood" (zu Deutsch: Kindheit) versucht. Ein ungewöhnliches Experiment, in dem Linklater ein Kind vor der Kamera aufwachsen lässt. In langlebigen Serien ist das kein neues Phänomen. Zahlreiche Kinderdarsteller wuchsen vor unseren Augen zu Teenagern und jungen Erwachsenen heran. Aber beim Medium Film hat sich das noch niemand in dem Ausmaß getraut. Dabei ist die Idee so simpel. Linklater hat sich mit seinem Team einmal im Jahr ein paar Tage lang getroffen und Szenen gedreht, und das zwölf Jahre lang. Und am Ende ist ein Film über Mason herausgekommen, der vor den Augen der Zuschauer erwachsen wird. Kindheit, Jugend, College. Dass das nicht spannend ist, muss dem Zuseher klar sein, ansonsten ist die Möglichkeit der Enttäuschung groß. Auf der Leinwand geschieht auch nicht viel. Es sind einfach Szenen eines Lebens, wie sie jeder von uns erlebt, und das macht den Film so besonders. Während andere sich über die Langeweile beschweren, genieße ich die Tatsache, dass mal keine bombastischen und übertrieben dramatischen Dinge geschehen, wie man sie in anderen Hollywoodfilmen zuhauf findet. 

Das einzige Manko des Films ist der Hauptdarsteller Ellar Coltrane, der als Junge zwar sehr süß ist, als Jugendlicher aber immer wortkarger und unsympathischer wird, wodurch eine Identifikation schwer fällt. Dafür sind seine Eltern, dargestellt von Patricia Arquette und Ethan Hawke erste Sahne. Oh, und die popkulturellen Referenzen sind ebenfalls sehr charmant. Während Mason zu Beginn des Films Dragon Ball Z guckt, seine Schwester ein Lied von Britney Spears trällert und in der Schule riesige Monitore stehen, finden später Lady Gaga und Harry Potter Erwähnung, was den Effekt des Älterwerdens noch verstärkt. 

Ein Film über das Leben - ob man ihn gut findet oder nicht, bleibt dem Zuschauer überlassen. Ich jedenfalls genoss ihn und war traurig, als er vorbei war.