Sonntag, 6. Januar 2013

Silver Linings [2012]



Pat wird nach acht Monaten aus der psychatrischen Klinik entlassen, nachdem bei ihm nach einem Ausraster, weil seine Frau ihn mit einem Kollegen betrogen hat, manisch-depressive Persönlichkeitsstörung festgestellt wurde. Zuhause versucht er, die Lieblingsbücher seiner Frau zu lesen, um sie besser zu verstehen, sowie jeden Tag Sport zu treiben, was ihn zurück ins Gleichgewicht bringen soll. Bei einem Essen bei einem Freund trifft er auf Tiffany, deren Mann bei einem Unfall starb und Ähnliches durchmachen musste wie Pat. Sie freunden sich an und beschließen als Gegenleistung, weil Tiffany heimlich Pats Ehefrau einen Brief zustecken soll, gemeinsam an einer Tanzveranstaltung teilzunehmen. Diese soll schlussendlich, verbunden mit einer Footballwette seines Vaters, über die Zukunft seines Geschäfts entscheiden.

Im Internet las ich nur Gutes über den Film, vor allem weil er sogar ein heißer Oscar-Kandidat sein soll. Ob das stimmt, sei dahin gestellt, zumal nicht einmal die Nominierungen bekannt gegeben wurden. Aber meiner Meinung nach ist "Silver Linings" keine würdige Nomination, weil einfach zu viel im Laufe des Filmes verschenkt wurde. 

Zu Beginn wurde die Hauptperson Pat eingeführt, es wurde ihm viel Freiraum gegeben, sodass man Bescheid wusste, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat und dies wurde recht gut von Bradley Cooper dargestellt. Es war sehr erfrischend, ihn nach den beiden "Hangover"-Filmen endlich in einem ernstzunehmenden Film so schön agieren zu sehen. Aber eine Stunde später hatte ich das Gefühl, dass Pat irgendwie zu viel Screentime und Aufmerksamkeit bekommen hatte, ohne wirklich zu wissen, was diese Person denkt. Man erfährt nichts über ihre Ehe, außer der Tatsache, dass sie ihn betrogen hatte und er ihren Liebhaber im Wahn zusammenschlug.  
Auch mit Tiffany konnte ich mich lange nicht anfreunden. Dies liegt zwar nicht unbedingt an Jennifer Lawrence und ihrer unfreundlichen Art, die sie im Film an den Tag legt, sondern vor allem an ihrer nervtötenden Synchronstimme, die mehr an einen Mann erinnert als an eine Frau. Zwar gewöhnt man sich daran und am Ende war mir ihre Stimme egal, aber sie machte es mir schwerer, mit Tiffany mitzufühlen. 

Eigentlich wird der Film erst in der letzten halben Stunde wirklich gut, nachdem Pats Vater (gespielt von Robert de Niro) wettet, dass die Eagles gegen die Giants gewinnen und Tiffany und Pat beim Tanzwettbewerb einen Durchschnitt von fünf Punkten erreichen. Die Gefühle kochen hoch, der Tanz stellt eine nette kleine Zusammenfassung ihrer bisherigen Übungen dar, Pats Noch-Ehefrau ist ebenfalls anwesend, und als Tiffany sieht, wie Pat zu ihr hinübergeht, haut sie ab und Pat muss ihr nachlaufen. Scheinbar großes Hollywoodkino also, aber dafür immer sehr charmant gemacht und nicht mit dem Hammer wie in anderen Produktionen

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin [2012]



Calvin ist ein junger Schriftsteller, der jedoch aufgrund einer Schreibblockade keine seiner Ideen zu Papier bringen kann. Sein Therapeut Dr. Rosenthal empfielt ihm, eine Seite über eine Person zu schreiben, die seinen Hund Scotty mag. Daraufhin träumt Calvin von einer Frau, die er im Park trifft, und Scotty lieb gewinnt. Er beginnt, einen Roman über eine junge Frau namens Ruby Sparks zu schreiben, in die er sich sogar verliebt.
Als Calvin kurz darauf in der Wohnung verstreute Frauenklamotten aufsammelt, obwohl er keinerlei Frauenbesuch erhält und kurz darauf sogar die personifizierte Ruby Sparks höchstpersönlich in seiner Wohnung vorfindet, denkt er, dass er verrückt geworden ist, muss jedoch feststellen, dass Ruby eine reale Person zu sein scheint und auch andere Personen sie sehen können. Die beiden gehen eine Beziehung miteinander ein, in der Calvin jedoch versucht, bei jeder Hürde in ihrer Beziehung mit Ruby ihr Verhalten zu verändern, was jedoch auf Dauer nur schief gehen kann.
"Ruby Sparks" ist ein netter kleiner Film, der weder bei den großen Preisverleihungen noch sonst wo eine große Rolle spielt, aber halt eben unterhaltsam ist, besonders wenn man auf Liebesfilme steht. Dieser hier ist zum Glück origineller als der Rest, denn kaum ein Film hat sich der Idee angenommen, dass eine fiktionale Frau plötzlich real wird. Der Film tut wirklich niemandem weh und weiß zu unterhalten, obwohl er zwischendurch etwas mehr Pepp hätte vertragen können. Die letzten zwanzig Minuten hauen dafür ordentlich auf den Putz, man denke hier an die Stelle, in der Calvin Ruby offenbart, dass er sie nach seinem Belieben steuern kann, indem er einfach Worte zu Papier bringt. Auch das Ende ist sehr zahm, aber passend zu einem Liebesfilm.
Paul Dano spielt die Hauptrolle des Calvin, einem Schauspieler, den ich sowieso in jedem Film, in dem er mitwirkt, sehr gut leiden kann. Er hat eine gewisse Ausstrahlung, die ich sehr schätze und im Pool der Jungschauspieler selten finde. In den weiteren Rollen kann man Zoe Kazan, die Urenkelin des Regisseurs Elia Kazan, bewundern, sowie in den Rollen von Calvins Eltern Annette Bening und ein ungewöhnlicher Antonio Banderas.
Fazit: Zahm, etwas ungewöhnlich, aber leider etwas zu flach, um wirklich packen zu können. Aber eigentlich ganz nett.

Samstag, 5. Januar 2013

St. Elmo's Fire [1985]



In den 80er Jahren manifestierte sich ein Genre, das ausschließlich aus Mitgliedern des bekannten "Brat Pack" bestand und bis heute eine Milieustudie der Jugend vor dreißig Jahren darstellt: Das Genre der Teenager-Filme, in denen eine Gruppe von jungen Menschen Dinge erleben, leiden und am Ende zusammenschweißen.

"St. Elmo's Fire" beschäftigt sich mit einem Freundeskreis von sieben jungen Menschen, die nach der Universität ihre eigene Identität und die große Liebe finden wollen und sich mit erwachsenen Themen wie Kinder, Heirat und Jobsuche auseinandersetzen müssen. 
Alec und Leslie beispielsweise gelten als das absolute Traumpaar, doch wenn es um die Heiratsfrage geht, gehen ihre Meinungen auseinander. Während Alec unbedingt heiraten möchte, will Leslie ihrer beruflichen Karriere den Vorzug geben und später heiraten. Kirby trifft ein ehemaliges Date von der Universität wieder und unternimmt alles, um ihr zu imponieren, was jedoch bei der angehenden Ärztin keine Wirkung zeigt. Billy und Wendy sind ein ungleiches Paar, das jedoch an der draufgängerischen und kindischen Art Billys scheitert, da Wendy ein Mädchen aus gutbehütetem und reichem Hause ist. Jules wiederherum gilt als Schlampe und scheint nichts anderes als Party machen und dem Tod ihrer verhassten Schwiegermutter im Kopf zu haben, obwohl sie besonders zum Schluss auch ihre weiche Seite zeigt. Und Kevin steht mittendrin; ihm wird nachgesagt, dass er schwul ist, weil er sich nie mit Mädchen an seiner Seite zeigt und schon seit Jahren keinen Sex mehr hatte - obwohl er innig in Leslie verliebt ist, die wiederherum droht, eine Heirat mit Alec einzugehen und so in weiter Ferne für ihn zu rücken...
Das Drehbuch ist wahrlich nichts besonderes, scheint es doch nur wie eine Staffel GZSZ in einen Film mit zwei Stunden Laufzeit gepresst, doch die Darsteller, die durch die Bank als Mitglieder des berüchtigten Brat Packs gelten, reißen alles wieder heraus. Judd Nelson beispielsweise zeigt sich als Alec viel gebändigter als noch in "Breakfast Club". Ally Sheedy gibt sich wiederherum offener als im eben genannten Film, Andrew McCarthy gibt das stille Sensibelchen, dessen wahre Liebe in weiter Ferne scheint. Und Demi Moore war als lärmende Jules kaum wiederzuerkennen; nur die ganze Storyline mit Kirby und seiner Ärztin war lästig und zum Fremdschämen
Dieser Film will einfach nur Spaß machen, und das tut er auch, weshalb man ihm die Schwächen in der Handlung verzeihen kann. Wer sehen will, wie Jugendliche in den 80ern ihre Zeit verbrachten und mit welchen Sorgen sie konfrontiert waren und obendrein zwei Stunden gute Laune haben möchte, kann sich diesen Film ruhig ansehen.

Montag, 31. Dezember 2012

Life of Pi - Schiffbruch mit Tiger [2012]



"Life of Pi" beleuchtet, wie der Titel schon sagt, das Leben des Piscine Molitor Patel, der nach einem französischen Schwimmbad benannt wurde. Als Sohn eines Zoodirektors im indischen Pondicherry führt er ein relativ sorgenfreies Leben und interessiert sich stark für Religionen, weshalb er bereits früh neben dem Hinduismus das Christentum und den Islam für sich entdeckt. 
Als sein Vater beschließt, Indien mitsamt den Zootieren zu verlassen, um in Kanada eine neue Existenz aufzubauen, muss er gezwungenermaßen mitkommen. Eines Nachts kommt es jedoch zu einer Komplikation unbekannten Ursprungs: Das Schiff geht mitsamt seiner japanischen Besatzung und Pis Familie unter, nur er und vier weitere Tiere können in einem kleinen Rettungsboot entkommen, jedoch können nur Pi und der bengalische Tiger Richard Parker überleben. Die beiden treiben monatelang mutterseelenallein am Meer herum. Von nun an gilt es, um jeden Preis zu überleben. Pi muss sich zusätzlich vor Richard Parker in Acht nehmen, denn der Tiger hat ebenfalls großen Hunger. Eine Odyssee mit unbekanntem Ausgang beginnt...
"Life of Pi" ist ein monumental anmutender Film, der mehr durch seinen Score und den atemberaubenden Bildern überzeugenden kann als mit seiner Erzählweise, denn diese ist zum Großteil leider ziemlich unspektakulär. Besonders zu Beginn, als ausführlich von Pis erstem Schultag, dem Ursprung seines ungewöhnlichen Vornamens oder seiner Suche nach Gott erzählt, wird dem Zuschauer viel Geduld abverlangt. Doch spätestens ab dem Schiffsunglück auf offener See, wo Pis Familie ertrinkt, kann der Film seine Stärken präsentieren, und die liegt wie bereits erwähnt in Soundtrack und Bilder, die im Kinojahr 2012 ihresgleichen suchen. 
Ang Lee hat mit "Life of Pi" zwar kein Meisterwerk wie "Brokeback Mountain" geschaffen, aber dafür einen, der vor Magie nur so sprüht und bei dem man das Gefühl hat, dass für solche Filme 3D erfunden wurde.

Dienstag, 25. Dezember 2012

Der Hobbit: Eine unerwartete Reise [2012]


Eines möchte ich zum Beginn loswerden: Ich bin ein großer Fan der "Herr der Ringe"-Filme und meine Geschwister und ich machen jedes Jahr das sogenannte "Ringeling", wobei wir alle drei Filme in der Special Extended an einem Tag gucken und mittlerweile jedes Zitat mitreden können.
Daher ist es natürlich verständlich, dass ich mich sehr auf die "Hobbit"-Trilogie freute und konnte es kaum erwarten, endlich im Kino zu sitzen und ein weiteres Meisterwerk von Peter Jackson vorgesetzt zu bekommen.

Zwei Mal habe ich ihn bisher gesehen; das erste Mal ohne jegliches Vorwissen (aber mit viel Vorfreude) und das zweite Mal, nachdem ich den Roman gelesen und mir ein neues Bild machen wollte. Und was soll ich sagen? Auch beim zweiten Mal wurde mein enttäuschter Eindruck nicht wie erwartet entkräftigt, sondern sogar noch gefestigt.
Viele Dinge wurden hinzugefügt um die Laufzeit noch epischer und länger zu machen. Radagast etwa, der im Buch höchstens eine kurze Bemerkung findet, bekommt ziemlich viel Screentime eingeräumt, sodass man ihn unter anderem als Führer eines von Hasen gezogenen Schlittens bewundern kann. Schon beim ersten Mal dachte ich mir, was sein Erscheinen zur Handlung beitragen sollte. Bis zum Schluss wurde ich das Gefühl nicht los, dass auf Biegen und Brechen genug Handlung für drei lange Filme aus der nicht gerade dicken Vorlage gepresst werden sollte und dies vor allem durch erfundene und ausgeschmückte Details erreicht wurde. Zudem wurde mir zu viel mit CGI getrickst und wer das Produktionstagebuch gesehen hat, wird wissen, dass praktisch alles vor dem Greenscreen gedreht wurde - schade. 


Aber genug von den negativen Dingen, kommen wir zu den positiven. Die Atmosphäre passt vor allem zu Beginn des Filmes, der sich im Auenland abspielt: Bilbo Beutlin sitzt an einem Tisch und schreibt seine Geschichte nieder, während sein Neffe Frodo das bevorstehende Fest zu Bilbos 111. Geburtstag erwähnt und hinausrennt, um Gandalf im Wald zu begegnen; da fühlt man sich natürlich wie Zuhause. Obwohl ich bemängelt habe, dass zu viel CGI benützt wurde, sind die Landschaften wunderschön gestaltet, allen voran natürlich wieder einmal Rivendell, bei dem man sich wünscht, diesen Ort würde es (wie Hobbingen) tatsächlich geben. Die Szenen, die tatsächlich draußen gedreht wurden, können durch die atemberaubende Landschaft ebenso begeistern. Und wenn die Gruppe durch die Landschaft läuft und im Hintergrund Howard Shores Score ertönt... Aber genug von Fanboygelaber. 

Die negativen Faktoren nehmen leider etwas überhand, zumindest bei mir, weil ich mit dem künstlich-in-die-Länge-ziehen nicht einverstanden bin, aber wenn ich daran denke, was in den anderen zwei Filmen an Handlung auf mich zukommt und was Jackson daraus machen wird, werde ich doch ein bisschen hibbelig vor Vorfreude.