Donnerstag, 29. November 2012

Mulholland Drive [2001]





Immer, wenn ich offenbare, dass ich noch nie einen Lynch gesehen habe, kommt mir immer ein ungläubiges "Was?" entgegen, gefolgt von einem "Den musst du unbedingt nachholen!". Warum, hat mir niemand erklärt. Vermutlich, weil sie es selber nicht in Worte fassen können, was genau an Lynchs Filmen so faszinierend ist.
Okay, ich habe schon vorher einen Film von ihm gesehen, nämlich "The Straight Story", und der ist so unkryptisch, verständlich, logisch und dadurch untypisch, dass er schon fast kein Lynch mehr ist.

Eines langweiligen Dienstagabends beschloss ich, mir "Mulholland Drive" anzusehen. Er soll ja Lynchs bester sein, weshalb ich ihn mir vor über einem Jahr gekauft, aber nie wieder angerührt hatte. Und heute, fast eine Woche später, bin ich noch immer nicht aus dem Film schlau geworden. Bis zu der letzten halben Stunde hatte ich das Gefühl, den Film verstanden zu haben und wunderte mich schon, wieso er immer als Mindfuck bzw. Film, den man beim ersten Mal nicht versteht, bezeichnet wird.
Und dann... BAMM! Kam der fette Mindfuck, wo ich mit offenem Mund auf dem Bett saß und nicht wusste, was ich denken sollte. Wo war Betty hinverschwunden? Warum kam dann Bettys Tante rein, die doch ein paar Tage vorher verreist war? Wer waren die zwei Alten am Flughafen, die mir im Auto Angst einjagten, wie sie mit künstlich verzerrten lachenden Mündern saßen und später als Miniaturfiguren wieder auftauchten? Wo sollte ich das Monster hinter dem Café einordnen? Wieso wird Adam ständig dazu gezwungen eine bestimmte Schauspielerin für seinen Film zu engagieren? Wer sind diese Typen überhaupt?

"Mulholland Drive" erklärt einem nichts und man wird am Schluss einfach ratlos sitzen gelassen und Lynch lässt den Zuschauer selber nachdenken. Einer jener Filme, den man öfter als einmal sehen muss, um ihn wirklich begreifen zu können, und selbst dann ist es keine Selbstverständlichkeit. Ein Meisterwerk? Das kann ich jetzt nicht sagen, bin noch zu ratlos. Ich vergebe mal wagemutige acht Punkte, die je nach Bedarf nach der Zweitsichtung erhöht werden können.

Montag, 26. November 2012

Die Kunst zu gewinnen - Moneyball [2011]



Eines vorneweg: Ich kann als Frau mit Sportfilmen überhaupt nichts anfangen. Irgendwie verlaufen sie doch alle gleich, es gibt ein Team, das jeder unterschätzt, es trainiert und verliert gemeinsam, hält aber zusammen und gewinnt am Ende des Filmes irgendein wichtiges Spiel. Diese Formel lässt sich mit jeder beliebigen Sportart verbinden, sei es Fußball, Football oder eben Baseball.
Verständlich, dass "Moneyball", den ich mir mal spontan mitgenommen hatte, mehrere Monate lang ungangetastet in meinem DVD-Regal stand. Gestern wurde ich aber in einem Podcast aufgrund der hohen Töne neugierig und hab ihn eingeworfen.
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Zum Glück, muss man schon sagen, ist er kein gewöhnlicher Sportfilm geworden. Der Kampf wird hier nicht auf dem Spielfeld, sondern in der Managementebene eines bekannten Baseballvereins ausgetragen. Billy Beane, der in seiner Jugend ein vielversprechendes Baseballtalent war, diese Erwartungen aber nie erfüllen konnte und sich zum Manager der Oakland Athletics hochgearbeitet hat, durchlebt gerade eine harte Zeit, denn drei seiner besten Spieler wechseln zu prestigeträchtigeren Vereinen. Natürlich gilt es, sofort einen guten Ersatz für die Spieler zu bekommen, doch während die vereinsinternen Scouts auf traditionelle Merkmale setzen, entwickelt Beane mithilfe des Yale-Absolventen Peter Brand ein System, wodurch er billige Spieler findet, die beim klassischen Auswahlverfahren durchgefallen sind.
Beans Kampf gegen die vereinsinternen Kritiker und sein großes Ziel, seine Mannschaft zum Sieg zu führen, finden letztendlich ein gutes Ende, indem die Oakland A's zwanzig Mal in Folge Siege feiern und die Scouts und Trainer im Verein damit ruhigstellen und überzeugen kann. 



Die wenigen Szenen, die auf dem Spielfeld spielen, etwa bei dem wichtigen Endspiel, sind wirklich mitreißend und spannend. Ich freute mich aufrichtig, als Hatteberg seinem Team den 20. Sieg in Folge brachte. Allgemein kann man sagen, dass "Moneyball" ein sehr gut inszenierter Film ist, den man jedoch nicht wirklich einordnen kann. Er ist zwar ein Sportfilm, aber irgendwie auch nicht. Er beinhaltet zwar ein paar Dramaelemente, diese herrschen jedoch nicht vor. Was man aber sagen kann, ist, dass "Moneyball" ein sehenswerter Oscar-Beitrag ist, dem man seine Nominierung sogar gönnt.

Ein weiteres Lob muss ich Jonah Hill zusprechen, von dem ich bisher nicht viel gehalten hatte, hatte er doch Schundwerke wie "Bad Sitter" oder "The Watch" verbrochen. Aber wenn er sich mal zusammenreißt und zeigt, dass er auch eine ernste Seite hat, wird er mit einer Oscarnominierung als bester Nebendarsteller belohnt. Sollte er mal öfter probieren.

"Moneyball" hat durchaus das Zeug, bei mir neun Punkte zu erreichen. Jedoch war der Film aufgrund der Baseball-Thematik und den damit verbundenen mir unbekannten Regeln und Begriffen manchmal schwer zu verstehen, worum es gerade geht. Das nächste Mal auf Deutsch, dann verstehe ich vielleicht mehr davon.

Hudsucker - Der große Sprung [1994]



Wenn man die größten Werke der Coenbrüder aufzählt, werden normalerweise "Fargo" oder "The Big Lebowski" genannt, aber "Hudsucker" wird leider gerne übergangen. Vielleicht liegt es daran, weil es der direkte Nachfolger von "Barton Fink" ist und daher die Erwartung so groß war, dass der darauf folgende Film aufgrund der hohen Erwartungshaltung nur floppen konnte. Vermutlich liegt es aber eher an der Tatsache, dass "Hudsucker" den geneigten Coen-Fan nicht mit einer durchgeknallten oder komplizierten Story locken kann, sondern eher eine Hommage an die Hollywoodfilme der 30er Jahre darstellt.

Alles beginnt mit dem Selbstmord von Waring Hudsucker, dem Gründer und Inhaber des Konzerns Hudsucker Industries. Während einer Versammlung aller Vorstandsmitglieder steht er auf, läuft vor den Augen der anderen Mitglieder den Tisch entlang und stürzt sich aus dem Fenster im höchsten Stockwerk des Wolkenkratzers. Doch der Schock währt nicht lange, denn Mussburger beschließt, den Posten des Firmenchefs mit einem Trottel zu besetzen, der schnell gefunden ist. Am selben Tag hatte nämlich Norville Barnes, ein naiver Bursche aus der Provinz, in der Postabteilung zu arbeiten begonnen. Sobald er zum Chef ernannt wurde, lenkt er das Interesse der Presse auf sich. Auch die ehrgeizige Amy versucht, aus Norville eine Witzfigur zu machen, indem sie sich natürlich als eine andere Person ausgibt und dafür sorgt, dass Norville ihr vertraut, während sie gehässige Artikel in der Zeitung veröffentlicht. 

Schon früh fiel mir die frappierende Ähnlichkeit zum Klassiker "Mr. Deeds geht in die Stadt" auf, der bis auf wenige Ausnahmen genauso verläuft. In beiden Filmen verstirbt der Firmenchef und es wird versucht, das Amt mit einem naiven Trottel zu bekleiden, der natürlich selbst Ideen entwickelt (in Hudsucker erfindet Norville etwa den Hula-Hoop-Reifen und das Frisbee), die ihnen so gar nicht in den Kram passen. Und natürlich gibt es auch in beiden Werken eine Femme Fatale, die sie zwar durch ihre Zeitungsartikel und den Spott erniedrigen, aber sich in ihn verlieben und zu ihm stehen. Wahrscheinlich finden sich noch andere Referenzen zu alten Hollywood-Klassikern, die ich jedoch nicht erkannte. 

Man darf "Hudsucker" nicht als Remake oder als Kopie alter Klassiker sehen, sondern ist als Hommage zu verstehen. Eine äußerst liebevolle Hommage, da der Film permanent den Charme alter Schwarz-Weiß-Filme, in denen sich am Ende immer alles zum Guten wendet, ausstrahlt. 
In der Hauptrolle darf man Tim Robbins (den ich sowieso immer klasse finde) als Norville Barnes mit einer merkwürdigen Frisur bewundern, der herrlich doof spielt, um die Naivität Barnes' zu verdeutlichen. Ebenso überzeugend gibt er den lieben Trottel, der nichts Böses will.

Donnerstag, 22. November 2012

Killer Joe [2012]



An dieser Stelle möchte ich erst mal eine Warnung aussprechen: Dieser Film ist keine Unterhaltung und kein Genuss. Man sollte sich diesen Film nicht ansehen, wenn man einen gemütlichen Abend verbringen oder einen langweiligen Nachmittag überbrücken möchte. Denn er wird euch nur schockieren, verschrecken, womöglich sogar enttäuschen. 
Oder aber man stolpert blind in das Abenteuer so wie ich, denn ich wusste rein gar nichts über die Handlung; ich wusste nur, dass der Film einen guten Ruf genießt und McConaughey seine beste Leistung seit langem zeigt. 

Kurz gefasst geht es um den Kleinkriminellen Chris (Emile Hirsch), der dem örtlichen Drogenboss ein paar Tausend Dollar schuldet. Durch Zufall erfährt er, dass die Lebensversicherung seiner Mutter 50.000 Dollar beträgt, dass die Begünstigte seine kleine Schwester Dottie ist, und dass das Geld alle seine Probleme lösen würde. Schnell ist ein Plan geschmiedet: Der berüchtigte Auftragskiller und Polizist "Killer Joe" soll seine Mutter um die Ecke bringen. Da Joe jedoch auf eine Vorauszahlung besteht und Chris und sein Vater Ansel pleite sind, kommen sie zu einer Vereinbarung: Joe will Dottie für sich haben, was Chris überhaupt nicht passt...

Das triste Bild, das hier gezeichnet wird, ist abstoßend und widerlich. Wie die Familienmitglieder miteinander umgehen, wüste Beschimpfungen, Morddrohungen, bei denen sich sogar "Familien im Brennpunkt" noch eine Scheibe abschneiden könnte. Es wird geschlagen, gespuckt, um am Schluss wird sogar noch schlimmer mit seinen Liebsten abgerechnet. Ich war ehrlich gesagt geschockt, weil ich mir nicht vorstellen kann, dass der Hass zwischen einer Familie wirklich so groß sein kann, aber vermutlich bin ich da nur zu wohlbehütet. Dass der Sohn seine Stiefmutter als Schlampe bezeichnet und es auch so meint, oder dass der Vater zu seinem Sohn sagt, dass er am Besten sofort tot umfallen sollte, schockiert. Aber das ist noch gar nichts gegen die Bilder, die man in der letzten halben Stunde, die übrigens die stärkste im ganzen Film ist, vorgesetzt bekommt. Ein paar Tage konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, eine Hühnerkeule zu essen, weil ich unweigerlich an jene Szene denken musste.
Das Ende bleibt offen, an sich nichts Schlechtes und an dieser Stelle gut gewählt. Es war von vorneherein klar, dass ein Happy End bei dieser schrecklichen Atmosphäre ausgeschlossen ist.
"Killer Joe" bekam ein klares FSK 18 Rating, wofür ich ebenfalls plädiere, denn alles darunter wäre ein Witz. Ein Film, bei dem ein Warnhinweis auf der Verpackung nicht verkehrt wäre.

Sonntag, 18. November 2012

Kikujiros Sommer [1999]




Eigentlich hätte "Kikujiros Sommer" ein berührender, herzergreifender Film werden können. Alleine die Thematik müsste jeden Menschen mit Herz schon vor den Bildschirm locken: Der kleine Masao wohnt bei seiner Großmutter, weil seine Mutter in einer weit entfernten Stadt wohnt, um zu arbeiten. Als die Sommerferien beginnen und all seine Freunde in Urlaub fahren, macht er sich auf, seine Mutter zu besuchen. Als er jedoch schon ein paar Straßen weiter von drei Rowdies aufgehalten wird und um sein Geld gebracht wird, schreitet eine Bekannte von Masao ein und fordert ihren nichtsnutzigen Mann dazu auf, Masao zu dessen Mutter zu begleiten. 

Kikujiro, dessen Name erst am Ende des Films offenbart wird, ist jedoch von dieser Idee nicht besonders angetan, und beschließt, Masaos Geld zu verwetten und anschließend, das fehlende Geld wieder hereinzuspielen. Als sie schließlich doch weiterziehen, rettet Kikujiro Masao vor einem Pädophilen, sie versuchen sich relativ erfolglos als Tramper und sitzen schließlich in einer Bushaltestelle fest, die jedoch seit Jahren nicht mehr von Bussen angefahren wird. Als sie nach vielen Zwischenfällen doch zu Masaos Mutter kommen, sehen sie von der Straße aus, wie die Mutter einen Mann und einem Kind einen Abschiedskuss gibt und bis zum Gartentor begleitet. Tatsächlich hatte sie inzwischen eine neue Familie gegründet. Masao ist natürlich am Boden zerstört, was jedoch der resolute "Onkel", wie er ihn nennt, nicht akzeptieren will. Er nimmt zwei Bikern ein Glöckchen ab, das er Masao schenkt. Dieser soll es immer läuten, wenn er sich einsam fühlt. 

Zusammen geht es wieder zurück nach Tokio, wo sich Kikujiru auf dem Weg einem Jahrmarkt, wo gerade O-Bon gefeiert wird, bei den Schaustellern unbeliebt macht und schließlich verprügelt wird. Die Reise gipfelt in einem Ausflug zum See, wo sie die Biker und einen Herumreisenden wiedertreffen und sich alle bemühen, Masao wieder aufzumuntern. 
"Kikujiros Sommer" ist ein Roadmovie, der alle typischen dieses  Genres in sich vereint: Viel Straße und viele skurrile Begegnungen. Diese sind zwar herrlich verrückt, was sich besonders auf dem letzten Ausflug wiederspiegelt, aber eigentlich bleiben diese Figuren blass und für den Zuschauer uninteressant. Der einzige, der wirklich überzeugen und berühren kann, ist Takeshi Kitano als raubeiniger Kikujiro, ein Ex-Yakuza, der wenig von den japanischen Tugenden Höflichkeit und Ehre hält. Er flucht, raucht, trinkt und beschimpft gerne andere Menschen, doch er beschützt Masao wo er nur kann. Der Darsteller des kleinen Masao ist leider ein Fehlgriff, da er überhaupt kein Talent für das Schauspielern zu besitzen scheint und man sich ständig an ein Schultheater denken muss.
"Kikujiros Sommer" mag zwar Kitano-Anhänger begeistern, mich hat er jedoch stellenweise ziemlich kalt gelassen.