Mittwoch, 1. August 2012

Magic Mike [2012]


Zu Beginn muss ich dringend etwas Wichtiges loswerden: Dieser Film sollte wenn möglich nur von Frauen und Männern vom anderen Ufer angesehen werden. Denn für jeden heterosexuelle Mann stellt dieser Film eine Qual ungeahnten Ausmaßes dar, daher möchte ich an alle Männer da draußen plädieren: Finger weg! Frauen, die auf muskelbepackte Striptänzer stehen, dürfen ruhig da bleiben.

Ich persönlich habe den Film in der Sneak gesehen und war trotz der Tatsache, dass ich eine Frau bin, sehr enttäuscht, als ich den Titel des Filmes las. Nur mit Mühe konnte ich ein genervtes Stöhnen unterdrücken, während sich die Frauen um mich herum kaum noch auf den Sitzen halten konnten. Channing Tatum wurde letztes Jahr aus meinem mir völlig unverständlichen Grund zum Sexiest Man Alive gewählt und darf die Hauptrolle spielen - und ist dabei meistens nur mit einem knappen Höschen und riesigen, eingeölten Muskelpaketen ausgestattet. Dass das jede heterosexuelle Frau in Aufregung versetzt, ist irgendwie auch nachvollziehbar, aber ich hatte mich auf einen guten Film gefreut, was ich mit "Magic Mike" natürlich nicht bekommen hatte. Aber dazu später mehr.

Die Handlung ist ebenfalls sehr schnell zusammengefasst: Michael Lane, der in der Stripperszene jedoch nur unter seinem Künstlernamen "Magic Mike" auftritt, lernt eines Tages den zufälligerweise gutaussehenden und durchtrainierten Adam kennen und lädt ihn ein, mal am Abend im Stripclub vorbeizuschauen und es selbst zu versuchen. Dieser ist anfangs natürlich gehemmt, sieht aber, wie sehr die Frauen darauf abfahren, und macht kurzerhand mit, was seiner griesgrämigen Schwester überhaupt nicht in den Kragen passt. Michael will eigentlich aber mehr als Strippen und träumt davon, selbstständig zu sein, gilt bei den Banken aber als nicht kreditwürdig und hat obendrein auch noch mit seinem Chef Dallas zu kämpfen, der nicht daran denkt, den lukrativen Michael aus seiner Crew aussteigen zu lassen.

Channing Tatum, der hier die Hauptrolle des Magic Mike spielen darf,  scheint eigentlich nur zwei Dinge zu können: Trainieren und Strippen, denn das Schauspielern sollte er lieber anderen überlassen. Diesen Kommentar müsste ich eigentlich auf den gesamten Cast (außer Matthew McConaughey als Dallas) ausweiten, denn keiner der Schauspieler vermag seiner Figur eine Persönlichkeit zu geben. Alle bleiben erschreckend blass und so kommt es, dass der Film außerhalb der sehenswerten Stripeinlagen gelangweilt vor sich hin tümpelt. Das Problem ist, dass "Magic Mike" keine Geschichte zu erzählen hat. Er biedert sich dem Publikum als "Drama" an, liegt mit dieser Beschreibung jedoch meilenweit daneben. Für ein Drama war er zu langweilig und für eine Komödie ebenfalls. Der Film plätschert dahin, ab und zu wird getanzt, und irgendwann geht er sang- und klanglos mit einer nichtssagenden Schlusssequenz unter - und man ist froh, dass man den Film hinter sich hat.


Bewertung: 4 Punkte

Magic Mike | US 2012 | Steven Soderbergh | Channing Tatum, Matthew McConaughey, Alex Pettyfer | 111 Minuten | FSK 12
 

Montag, 30. Juli 2012

The Man who wasn't there [2001]


Angenommen mir stellt jemand die Frage: "Was ist dein Lieblingsfilm von den Coen-Brüdern?", müsste ich nicht lange überlegen und mich für "The Man who wasn't there" entscheiden. Vermutlich liegt es daran, weil er ein sehr ungewöhnlicher Coen-Film ist. Wo normalerweise skurrile Handlungen und Figuren vorherrschen und immer etwas Lustiges passieren muss, ist an "The Man who wasn't there" überhaupt nichts lustig. Im Jahr 2001 haben sie einen Film geschaffen, der stark an die Noir-Filme der 40er Jahre erinnert und als Hommage verstanden werden darf.

"The Man who wasn't there" kommt sehr gut ohne das gewöhnliche Coen-Kasperltheater aus. Das Bild ist in schwarz-weiß gehalten, Hintergrundmusik wird nur spärlich eingesetzt, das selbe gilt für Mimiken und Ausdrücke. Dies verstärkt das Gefühl der Langeweile und Hoffnungslosigkeit, das Ed Crane beschleicht und auch das zentrale Thema darstellt. Ed Crane, hervorragend von Billy Bob Thornton dargestellt, ist ein Frisör und macht die Arbeit einfach, weil sie zu tun ist und nicht weil er sich etwa dafür interessiert. Er ist ein einfacher Mann, der sich mit wenig zufrieden gibt - bis er eines Tages einem Geschäftsmann begegnet und die folgenschwere Entscheidung trifft, ihn finanziell zu unterstützen, indem er den Chef seiner Frau erpresst, der mit ihr ein Verhältnis hat. Eine folgenschwere Entscheidung die, in bester Noir-Manier, zu seinem privaten Ruin und sogar bis zum Tod führt.

Ich finde, dass es etwas schwierig ist, in den Film hineinzufinden, was natürlich am schwarz-weißen Bild und der langsamen Gangart liegt. Es passiert nicht viel und man bekommt viele Szenen aus Ed Cranes Leben gezeigt, wie er sein bescheidenes Leben lebt: Beim Haareschneiden, als Gastgeber, beim Zigaretten rauchen und schließlich bei seinem letzten Gang zum elektrischen Stuhl. Die Geschichte eines Pechvogels, der seinem monotonen Leben entkommen wollte und sich dadurch in das Abseits manövrierte und zugleich wohl der beste und auch verkannteste Film der Coen-Brüder.


Bewertung: 9 Punkte

The Man who wasn't there | US 2001 | Ethan und Joel Coen | Billy Bob Thornton, Frances MacDormand, James Gandolfini | 116 Minuten | FSK 12

Dienstag, 24. Juli 2012

Merida - Legende der Highlands [2012]


Schon im Vorfeld hatte mich der Trailer neugierig gemacht. Nicht nur die Animationen (vor allem die ihrer Haare) sahen toll aus, auch die Geschichte an sich klang schon vielversprechend. Merida ist zwar eine Prinzessin, aber mehr Junge als Mädchen, denn schon von Kindesbeinen an benimmt sie sich alles andere wie eine Dame. Sie lässt ihre Waffen herumliegen und ist nicht unbedingt für ihren Gehorsam bekannt und erinnerte mich dadurch ein bisschen an Arya Stark. Als ihre Eltern eines Tages verkünden, dass in Kürze drei Bewerber ankommen und in einem Turnier um ihre Hand kämpfen würden, ist sie wütend, denn sie will sich nicht vorschreiben lassen, wen sie heiraten muss. Doch genau das verlangt ihre Mutter von ihr: dass sie sich endlich wie eine Dame verhalten muss.
Nach einem Streit mit der Mutter verschlägt es Merida in den Wald, wo sie eine Hexe (Verzeihung, Holzschnitzerin) trifft, die ihr nicht nur ihre Kunstwerke aus Holz andrehen möchte, sondern auch immer für einen Zauber gut ist.
Und natürlich muss dieser Zauber furchtbar schief gehen und Meridas Mutter verwandelt sich in einen Bären, was für ordentlich Verwirrung im Schloss sorgt und Merida losziehen muss, um den Zauber zu brechen.

Der Beginn ist wirklich sehr stark, die Animationen ein Genuss, die Dialoge witzig, die Figuren herrlich durchgeknallt. Doch ab dem Punkt, an dem sich Meridas Mutter in einen Bären verwandelt, beginnt der Film zu stagnieren. Die Witze werden von nun an seltener und es geht nur noch um die Mutter und nicht um Merida, die eigentlich die Hauptperson ist und man von ihr  erschreckend wenig sieht. 
Was ich dem Film jedoch zugute halten muss sind die witzigen und schrulligen Charaktere, etwa Meridas Vater oder die drei Knalltüten, die man auserwählt hatte, um um Meridas Hand zu kämpfen. Die drei kleinen Brüder, die sich ebenfalls in zwanghaft süße Bärenbabys verwandeln sich höchstens nervig, wobei ich mit dieser Meinung scheinbar alleine dastehe.

Leider hat der Film noch ein Manko: Er versprach vom Trailer her etwas ganz anderes, als man im Endeffekt bekam. Ich hatte eine Abenteuergeschichte erwartet über eine Kriegerprinzessin, die sich gegen ihre Freier behauptet und allerlei Abenteuer in bester Disney-Manier erlebt. Aber nichts da, weilweise erinnerte mich der Film viel mehr an "Bärebrüder" als an eine selbstständige Geschichte. Zwar sehr unterhaltsam, aber dafür muss er viele Punkte einbüßen.

Bewertung: 7 Punkte

Brave | US 2012 | Mark Andrews, Brenda Chapman, Steve Purcell | Sprecher im Original: Kelly MacDonald, Billy Connolly, Emma Thompson | 94 Minuten | FSK 16

Sonntag, 22. Juli 2012

Der Schläfer [1973]


"Der Schläfer" ist Woody Allens Vorstellung von der Zukunft und den Überlegungen, was sich in der Zukunft verändern wird. In Woody Allens Zukunft wird Amerika von einem Regime regiert, das von einem Führer angeführt wird, ein Überwachungsstaat. Wer nicht passt, wird mit Gehirnwäsche gefügig gemacht. Gleichzeitig hat sich die Technologie enorm verbessert, nun gibt es Kugeln und Kabinen, die Sex und Selbstbefriedigung ersetzen. Dinge, die man heuzutage als ungesund ansieht, werden in der Zukunft als gesund empfunden. Alles ist futuristisch, von der sterilen weißen Einheitskleidung bis zu den schwebenden Autos.

Miles Monroe, Inhaber eines Restaurants und Mitglied einer Jazzband, wacht im Jahre 2173 von seiner Narkose auf. Eigentlich wollte er sich nur operativ einen Furunkel entfernen lassen, doch durch irgendein Missgeschick hatte er 200 Jahre geschlafen und findet sich in einer fremdem Zukunft wieder. Die Wissenschaftler, die ihn erweckt hatten, wollen von ihm, dass er sich dem Untergrund anschließt und den an der Macht stehenden Dikator stürzt. Bevor sich Miles daran machen kann, wird das Haus von Polizisten gestürmt und Miles kann entkommen. Hier beginnt eine kleine irrwitze Odyssee, die ihn von einer Fabrik für Roboterbutler direkt in das Haus von Luna verfrachtet, in die er sich prompt verliebt. 

Ich will jetzt nicht so tun als ob die Handlung noch so kompliziert wäre. Er schließt sich dem Untergrund an, tötet den Führer (oder vielmehr seine Nase) und kommt am Schluss mit Luna zusammen, Ende gut alles gut. Auch "Der Schläfer" wäre eine Schlaftablette geworden, wenn er nicht ab und zu mit Witzchen und lustigen Geschehnissen aufgefrischt worden wäre. Denkwürdig ist etwa die Episode, als sich Woody (Mein Fehler, Miles natürlich) als Roboterbutler ausgibt und einen Pudding zaubert, der sich selbstständig macht und mit Gewalt niedergeschlagen werden muss. Oder auch die Stelle, als sie "A Streetcar named Desire" nachspielen, um Miles' Erinnerung an seine Jugend im 20. Jahrhundert wachzuwecken. Woodys Gebären, als er Blanche DuBois imitiert, ist wirklich einmalig.

Die Musikuntermalung fand ich nicht sehr gelungen, da Jazzmusik einfach nicht mein Fall ist - Woody Allen hingegen scheint ein Fan davon zu sein. Auch dieser Film ist nicht unbedingt mit Tiefgang ausgestattet, was ich persönlich ziemlich vermisst habe. Denn eine Blödelszene jagt die nächste (was zugegeben manchmal sehr lustig sein kann), aber mich hat es dann doch nicht so überzeugt. 

Bewertung: 5 Punkte

Sleeper | US 1973 | Woody Allen | Woody Allen, Dieane Keaton | 89 Minuten | FSK 16


O Brother, where art thou? [2000]


Die Coen-Brüder und ich, wir werden uns wohl nie ganz warm werden. Während die meisten Filmliebhaber diese beiden Regiewunder vergöttern und jeden Film zum Kult erklären, kann ich meistens nichts mit ihren Filmen anfangen. Meistens sind sie mir einfach zu öde, dann wieder zu durchgeknallt oder ich verstehe ihren besonderen Humor einfach nicht. So etwa geschehen bei "The Big Lebowski", bei dem ich den großen Kult um die Figur des Dude nur zur Hälfte nachvollziehen kann. Bei "Burn After Reading" etwa fand ich den ganzen Film misslungen, von der tollen Besetzung mal abgesehen. Der Film hatte nichts Fesselndes, er war nur Schall und Rauch.

Dasselbe, wenn auch nicht ganz so drastisch, gilt auch für ihr Werk aus dem Jahr 2000, "O Brother, where art thou?". Der Film beinhaltet eine interessante Geschichte, die dann allerdings etwas schnarchig umgesetzt wurde. Die drei Häftlinge Everett, Pete und Delmar fliehen aus dem Gefängnis, die beiden letzteren eher unfreiwillig, da die drei mit Ketten verbunden sind. Everett behauptet, das Geld von einem misslungenen Überfall, wegen dem er eingebuchtet wurde, vergraben zu haben. Doch die 1,2 Millionen Dollar sind in Gefahr, denn es liegt an einer Stelle vergraben, die in vier Tagen überflutet werden soll. 
Mit diesem vagen Ziel machen sich die drei Männer auf den Weg, auf ihre Odyssee sozusagen. Und dabei treffen sie - wie es sich bei einem anständigen Roadtrip gehört - auf verschiedene Personen, nur dass diese durchgeknallter sind als bei "normalen" Filmen. An einer Kreuzung treffen sie auf einen farbigen Gitarrenspieler, der behauptet, seine Seele dem Teufel verkauft zu haben. Danach auf einen Blinden, der eine Radiostation leitet und sie für 10 Dollar in die "Dose" singen lässt (dabei werden die vier unbewusst zu Country-Stars). Sie machen Bekanntschaft mit drei hübschen Frauen am Wasser, dem Bankräuber George Nelson, dem betrügerischen Bibelverkäufer Big Dan und werden schließlich Zeugen eines Ku-Klux-Klan-Treffens. 


Zugegeben, "O Brother" ist noch eine der besseren Roadmovies, denn eigentlich wird man durch die verrückten Charaktere bei Laune gehalten und man fragt sich, wen die drei Knallköpfe als nächstes begegnen. Aber ich weiß es nicht, irgendetwas hat mich ziemlich kalt gelassen. Vielleicht liegt es an der unsympathischen Ausstrahlung von George Clooney (zumindest in diesem Film), oder mir ging die ewige Nörglerei von Pete (John Turturro) auf die Nerven. Klar, der Film ist nicht schlecht, aber leider überhaupt nicht mein Fall.

 
Originaltitel: O Brother, where art thou?

Erscheinungsjahr: 2000
Regisseur: Ethan und Joel Coen
Darsteller: George Clooney, John Turturro, John Goodman
Laufzeit: 102 Minuten
Originalsprache: Englisch
Altersfreigabe: FSK 12