Freitag, 6. November 2015

The Treasure [2015]



"Comoara" aka "The Treasure", wie er außerhalb von Rumänien genannt wird, hat mich allein wegen der Inhaltsbeschreibung dazu veranlasst, ihn auf der Viennale zu sichten. Zwei Freunde suchen nach einem verschollenen Schatz? Klingt doch super! Costi führt ein einfaches, friedliches Leben in Bukarest mit seiner Frau und seinem kleinen Sohn. Als ihn sein Nachbar Adrian um Geld bittet, erzählt ihm dieser von einem verschollenen Schatz, den Adrians Großvater anscheinend vor den Kommunisten versteckt hat. Costi beschließt, seine Ersparnisse in das wahnwitzige Vorhaben einer Schatzsuche zu investieren. 

"The Treasure" ist ein sehr ruhiger Film, der von allen von Laiendarstellern getragen wird, was aber aufgrund der einfach gehaltenen Story kein Problem darstellt. Den Hauptteil des Films nimmt die Schatzsuche ein, die vor allem durch ihren trockenen Humor lebt. Das ständige Piepsen des Metalldetektors brachte das Publikum ständig zum Lachen; dazu kommen die technischen Gebrechen der Detektoren, die Sticheleien zwischen Adrian und dem Arbeiter und die zahlreichen Etablissements, die Adrians geerbtes Grundstück, auf dem die Schatzsuche durchgeführt wird, im Laufe der Jahrzehnte beherbergt hatte. Die Suche zahlt sich letztendlich doch aus, und es werden Benz-Aktien aus den 60ern ausgegraben. Mit seinem Anteil kauft sich Costi eine Ladung Schmuck, die er stolz seinem Sohn als richtigen Schatz vorzeigen kann. Beim Umrechnen unterläuft Costi und Adrian ein Fehler, der jedoch im Film weiter nicht thematisiert wird. Die Frage, ob Costi nun ein steinreicher Mann ist oder sich nach dem Kauf der Klunker hoch verschuldet hat, wird nicht geklärt, was ich sehr schade finde. 

Fazit: Es passiert nicht viel, aber trotzdem hat mir "The Treasure" sehr gut gefallen. 

Carol [2014]



Als Carol zum ersten Mal in Thereses Leben tritt, wirkt die junge Frau ob der eindrucksvollen Erscheinung Carols eingeschüchtert. Carol ist eine elegante, wohlhabende Frau, die mit jeder Pore Eleganz und Selbstsicherheit ausstrahlt, während Therese dagegen farblos wirkt. Trotzdem fühlen sich die beiden Frauen zueinander hingezogen - zu der denkbar schlechtesten Zeit, denn Carol und ihr Mann Harge lassen sich gerade aufgrund Carols homosexuellen Beziehungen scheiden. Harge droht Carol nämlich damit, ihr ihre gemeinsame Tochter zu nehmen und jeden Kontakt zu unterbinden, was die liebende Mutter nicht zulassen kann. 

Was soll ich sagen: "Carol" sieht einfach fantastisch aus. Die Geschichte ist in den 50ern angesiedelt und die Szenenbildner haben sich selbst übertroffen. Im Kaufhaus, wo Therese anfangs arbeitet, kann man verschiedenstes Spielzeug bewundern, die Kleidung ist formvollendet elegant, die Autos sind einem Autokatalog der 50er Jahre entsprungen. Cate Blanchett beherrscht den ganzen Film. Egal was sie macht, mit jeder Gestik und jedem Blick strahlt sie eine Aura aus, mit der sie nicht nur Therese den Kopf verdreht hätte. Rooney Mara spielt die junge Therese, die im Laufe des Films Entwicklungen durchläuft und am Ende reifer ist als am Anfang. Natürlich kann man sie nicht mit Blanchett vergleichen, aber die beiden ergänzen sich großartig. 

Also eigentlich ist alles perfekt: Die Schauspieler, das Szenenbild, die Musik. Leider habe ich einen großen Kritikpunkt: Mir fehlt der Drive an der Geschichte. Ich habe von einer Milieustudie der 50er Jahre zwar keine Spannung erwartet, aber leider ließ die Geschichte richtige Gefühle vermissen, die (in meinen Augen) leider nicht transportiert wurden. Auch die Liebesszenen gingen recht steril vonstatten. Besonders gefiel mir der Anfang, der mich an "Brief Encounter" erinnerte, indem man am Anfang und am Ende dieselbe Szene sieht und man erst am Schluss die Gefühle der Beteiligten kennt. 

Fazit: Viele fanden "Carol" sehr gefühlvoll und wunderschön, für mich persönlich wurden die Gefühle leider nicht gut rübergebracht. Der Rest ist jedoch wunderschön anzuschauen und dürfte einige Oscarnominierungen kassieren (Bestes Bühnenbild, Beste Regie und Beste Hauptdarstellerin).

Sonntag, 25. Oktober 2015

Eine ganz normale Familie [1980]



Das Regiedebüt von Robert Redford wurde bei der Oscarverleihung 1981 mit vier Academy Awards ausgezeichnet, darunter in wichtigen Kategorien wie Bester Film, Beste Regie und Bester Nebendarsteller. Ob der Film in den 35 Jahren, die seitdem vergangen sind, gut oder schlecht gealtert ist, muss jeder für sich entscheiden. Ich jedenfalls war begeistert von Timothy Huttons Darstellung eines depressiven Teenagers, der seit dem Tod seines großen Bruders mit posttraumatischen Belastungsstörungen zu kämpfen hat. 

Nach außen hin sind die Jarretts eine weitere Familie in der Oberschicht Amerikas, die in einer Villa lebt und gerne mit Freunden Golf spielt - jedoch brodelt es hinter der Fassade gewaltig. Zu Beginn des Films wurde Conrad gerade nach einem Selbstmordversuch aus einer psychiatrischen Klinik entlassen und muss sein Leben vor dem Unfall weiterzuführen. Während sich sein Vater ständig um ihn sorgt und ihm helfen möchte, kann die Mutter keine Verbindung zu dem überlebenden jüngeren Sohn aufbauen, den sie aus Liebe zum älteren Bruder immer vernachlässigt hatte. Jede Annäherung der beiden endet im Streit, der Vater versucht erfolglos, zu vermitteln.

Die Handlung mag heutzutage etwas altbacken wirken und Robert Redford erzählt seine Geschichte mit etwas zu viel Kitsch, der das Filmerlebnis etwas trübt. Doch Timothy Huttons frische und jugendliche Darstellung eines gebeutelten Teenagers (die übrigens, wie oben erwähnt, mit einem Oscar belohnt wurde) bringt dem Film das Prädikat "Sehenswert" ein. Nicht unerwähnt bleiben dürfen Donald Sutherland als verständnisvolles Familienoberhaupt und Mary Tyler Moore als scheinbar gefühlskalte Mutter, die den Schein der "ganz normalen Familie" aufrecht erhalten möchte.

Dienstag, 15. September 2015

Der General [1926]



Buster Keatons Vorzeigefilm galt als eine der teuersten Produktionen der Stummfilmära. In ihr trieb Buster seine Überzeugung von realistischen Stunts auf die Spitze und ließ nebenbei zwei Lokomotiven aus den 1860er Jahren originalgetreu nachbauen und in einer spektakulären Szene zerstören. Die Geschichte ist denkbar einfach gehalten, was aber überhaupt nicht stört, im Gegenteil. Der Wandel von Busters Figur vom erfolglosen Maschinisten zum gefeierten Helden der Südstaaten - und die damit verbundene Verfolgungsjagd der General (seiner Lokomotive) - bietet zahlreiche Gelegenheiten für buster'sche Stunteinlagen. In einer Szene setzt sich Buster auf die Kuppelstange einer Lokomotive, die sich in Bewegung setzt. Sieht zwar unspektakulär aus, doch dieser Stunt gehört wohl zu den gefährlichsten des Films: Hätte der Maschinist nur etwas mehr Dampf gegeben, wäre Buster Keaton mit Sicherheit gestorben. 

Fazit: Auch fast neunzig Jahre nach dem Erscheinen ist "Der General" ein unterhaltsamer Film, der an die gute alte Stummzeit erinnert, als die Stunts noch vom Schauspieler selbst durchgeführt wurden. Sehr schade, wenn man bedenkt, dass die gigantischen Ausmaße des Filmes Buster Keaton in den finanziellen Ruin getrieben hatte.

Montag, 14. September 2015

Frank [2014]



Mit einiger Verspätung erschien endlich auch "Frank" in Österreich. Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen, mir diesen hochgelobten Film im Kino zu Gemüte zu führen. Die Prämisse des Films ist einfach: Jon lernt durch Zufall die experimentelle Band Soronprfbs und ihren merkwürdigen Frontman Frank kennen, der einen riesigen Pappmachékopf auf seinen Schultern trägt und diesen nicht einmal zum Schlafen oder Duschen abnimmt. Als Jon die Rolle des Keyboarders einnimmt und für Studioaufnahmen nach Irland mitreist, lernt er die Band und Frank besser kennen - und zerstört beinahe die Bande zwischen den Bandmitgliedern.

Ich hatte ehrlich gesagt "nur" eine harmlose Indiekomödie erwartet. Ich staunte nicht schlecht, als sich der stellenweise witzige Film auch ernsten Themen wie Suizid und psychischen Problemen zuwendet. Frank ist ein genialer Mensch mit einem ausgeprägten musikalischen Genie, doch eigentlich ist er ein emotional schwer angeknackster Mittdreißiger. Mit seinem Pappmachékopf wirkte er wie ein ganz normaler Mensch, ohne wie ein kleines Kind, fast schon autistisch und hilflos. Michael Fasssbender benützt seinen ganzen Körper und seine ausdrucksstarke Stimme, um Franks Gefühle und Stimmungen darzustellen. Für mich eine sehr starke Leistung, da er ganz ohne Gesichtsmimiken auskommen muss (außer am Ende, wo er nochmal beweist, dass er einer der ganz großen ist). In den weiteren Rollen sind Domhnall Gleeson und Maggie Gyllenhaal zu sehen. "Frank" war ein feiner, ruhiger Film, mit spontan witzigen Szenen und vielen gefühlvollen Momenten, in denen man Frank am liebsten in den Arm nehmen möchte. Besonders das Ende, wo Frank "I Love You All" ist so rührend, dass ich mit einem Lächeln aus dem Kino gegangen bin.