Sonntag, 12. April 2015

Submarine [2010]



"Submarine" war der Indie-Überraschungshit des Jahres 2010. Auf einschlägigen Internetseiten schwärmte jeder von diesem charmanten Film, den man unbedingt gesehen haben sollte. Fünf Jahre später war es dank Netflix auch bei mir soweit. Als Fan von Coming-of-Age-Filmen hatte ich mich besonders darauf gefreut - aber irgendwie kam die Message des Films nicht ganz bei mir an. 

Aber worum geht es eigentlich? Zusammengefasst geht es um das Leben des britischen Jugendlichen Oliver Tate, den man ohne Bedenken als "weird" bezeichnen darf. Er neigt dazu, melodramatischen Gedanken nachzuhängen und bei seinen Eltern auszukundschaften, ob sie Sex hatten. Denn das Eheleben seiner Eltern ist in letzter Zeit alles andere als gut, besonders seitdem sich der ominöse Graham, der Exfreund seiner Mutter, in der Nachbarschaft niedergelassen hat. Er versucht, die Beziehung mithilfe von gefälschten Liebesbriefen wieder zu kitten, was aber nicht besonders gut läuft. Eine Freundin hat er auch, die selbstbewusste Jordana, deren Mutter jedoch an einem Hirntumor leidet. Olivers Pläne sollen all diese Probleme in Ordnung bringen, aber natürlich funktioniert das nicht so reibungslos wie geplant.

Eigentlich hat "Submarine" ja alles, um mich glücklich zu machen: eine originelle und herzerwärmende Coming-of-Age-Story, skurrile aber liebenswürdige Charaktere und einen Soundtrack des von mir sehr geschätzten Arctic-Monkeys-Frontmannes Alex Turner. Aber leider fühlte sich der Film für mich zu aufgesetzt an, zu "indie". Schwer zu beschreiben. Craig Roberts, Yasmin Paige, Sally Hawkins und Noah Taylor spielten alle super und stellten sympathische Charaktere dar, aber ich denke, dass ich eine Zweitsichtung benötige, um den Film angemessen würdigen zu können.

The Salvation [2014]



Jon, ein ehemaliger Soldat aus Dänemark, hat seiner Heimat den Rücken gekehrt und lebt im Westen der USA. Als er eines Tages seine Frau und seinen Sohn in die neue Heimat bringt, werden diese in der Kutsche von zwei Banditen ermordet. Jon rächt seine Familie, tötet dabei jedoch den Bruder des einflussreichen Gesetzlosen Delarue, was dieser wiederum zum Anlass nimmt, sich an Jon zu rächen.


"The Salvation" ein klassischer Western, nicht mehr und nicht weniger. Wer etwas Besonderes erwartet, mag vielleicht enttäuscht sein. Doch "The Salvation" ist mehr als nur das, immerhin weiß er während seiner knackigen 90-minütigen Laufzeit hervorragend zu unterhalten. Es ist eine spannende Geschichte um den tragischen Helden Jon, der von nun an vom Bösewicht Delarue gejagt wird, an seiner Seite eine mysteriöse, stumme Frau, die ihr eigenes Ding durchzieht. Mads Mikkelsen, der dänische Charakterdarsteller, gibt sich in seiner Rolle als Jon gewohnt wortkarg, weiß aber mit seiner ausdrucksvollen Mimik mehr auszudrücken als die meisten seiner Kollegen. Jeffrey Dean Morgan spielt den Bösewicht so gut, dass man fast ein bisschen Angst bekommt. Und Eva Green ist die stumme Gangsterbraut, die sich im rauen Alltag zu behaupten weiß. Insgesamt ein sehr rundes Ding, das den Zuschauer kurzfristig unterhalten kann.

Montag, 6. April 2015

In guten Händen [2011]



Seit der Antike nahm man an, dass die "Hysterie" eine Frauenkrankheit sei, die Frauen depressiv mache, wenn sie nicht genug Sex bekommen. Zu ihrer Heilung wurde Masturbation angewandt, was diese Hysterieanfälle vermilderten, sehr zum Leidwesen der Handgelenke der Ärzte - bis der Vibrator erfunden wurde. "In guten Händen" beschreibt die Geschichte des jungen Arztes Granville, der eben diese Apparatur erfindet und wohl nicht weiß, dass sein Gerät nicht nur als Heilpraktik verwendet wurde. Und nebenbei lernt er zwei Frauen kennen, die ihm ordentlich den Hals verdrehen.

"In guten Händen" behandelt das Thema der weiblichen Sexualität sehr erwachsen, denn ich hatte eine etwas kindischere Komödie erwartet, auch wenn der Humor nicht zu kurz kommt. Hugh Dancy spielt den etwas tollpatschigen Arzt Granville, der bei dem älteren Arzt Dalrymple in die Lehre geht und seine beiden Töchter kennenlernt. Während Emily (Felicity Jones) ganz dem Sinn ihres Vaters entspricht, ist der Wildfang Charlotte (Maggie Gyllenhaal) unabhängig, stark und arbeitet in einem Armenhaus. Während Granville am Anfang von der braven Emily angezogen wird, entscheidet er sich am Ende für die selbstbewusste Charlotte. Das Problem ist aber, dass der Film sehr träge ist und von der langatmigen Handlung und den Darstellern allein nicht getragen werden kann. Zwar kann man mit "In guten Händen" nichts falsch machen, aber besonders gut ist er halt nicht.

Donnerstag, 2. April 2015

Big Eyes [2014]



In seinem neuesten Film beschäftigte sich Tim Burton mit den Gemälden von Walter Keane, die in den 50ern und 60ern zu richtigen Kassenschlagern entwickelten. Jeder wollte so ein Gemälde dieser kleinen Mädchen mit den viel zu großen Augen haben. Walter Keane genoss Erfolg und Ruhm, doch er hatte ein dunkles Geheimnis: Er war nur ein Hochstapler, der nur vorgab, die Bilder gemalt zu haben. In Wirklichkeit waren sie das Werk seiner Frau, die den ganzen Tag im Atelier verbrachte, um die Nachfrage zu befriedigen und selbst ihre eigene Tochter anlügen musste, um den Schein vom perfekten Walter Keane zu wahren. Als ihr Mann im Alkoholeinfluss ihr Atelier in Brand steckt, flüchten Margaret und ihre Tochter nach Hawaii, wo sie sich in einem öffentlichkeitswirksamen Prozess als wahre Erschafferin der berühmten Werke zu erkennen gibt.

"Big Eyes" hat eine ungewöhnliche Thematik, die ich nicht recht mit Tim Burton assoziieren kann. Klar, die Kinder mit den großen Augen sind befremdlich, aber Burton befasste sich früher immer mit wunderschönen Fantasiewelten und nicht mit der biederen Realität. Auch ansonsten lässt sich seine Handschrift kaum erkennen, nichts Buntes, Übertriebenes eben. Die Hauptrollen hat er mit Amy Adams und Christoph Waltz sehr namhaft besetzt. Während Amy Adams sowieso in jeder Rolle zu glänzen scheint, die sie annimmt, hat mich Christoph Waltz' extremes Overacting hier sehr gestört. Natürlich muss man für ihn als Antagonisten keine Sympathien entwickeln, aber dass mich ein Charakter so sehr gestört hat, ist auch schon lange her. Waltz' Overacting wird besonders gegen Ende des Films in dem Kasperltheater vor Gericht sichtbar, als er gleichzeitig den Verteidiger und den Angeklagten spielen muss. Ich denke, dass sich an dieser Stelle jeder Zuschauer innerlich fremdgeschämt hat. Das ist zwar lustig, hatte aber überhaupt nichts in dem Film verloren. 

Ansonsten ist der Film relativ spannungsarm und gewinnt erst an Fahrt, als Walter das Atelier, in dem sich Margaret und ihre Tochter eingesperrt hatten, in Brand steckt - nur um danach wieder ausgebremst zu werden. "Big Eyes" wirkt etwas holprig und nicht von einem Altmeister inszeniert. Aber ich denke, dass man trotzdem nicht viel falsch machen kann - und besonders die Gemälde sind einen Blick wert.

Mittwoch, 1. April 2015

Das Geheimnis der Braut [1994]



Bis in die 1920er Jahre hinein versuchten japanische Arbeiter auf Hawaii, auf einem ungewöhnlichen Weg, die Frau für's Leben zu finden: Sie schickten ihre Fotos und Briefe an Heiratsvermittler und diese suchten eine passende Frau, die dann mit dem Schiff nach Hawaii geschickt wurde. Auf die Frauen wartete dort ein böses Erwachen: Viele Männer hatten längst überholte Fotos geschickt, oft waren es sogar ganz andere Menschen, von denen sie im Hafen erwartet wurden.

So geht es auch der 16-jährigen Riyo, die keine Familie mehr hat und genötigt wird, einen Mann zu heiraten, den sie nur von einem Foto und einem Gedicht kennt. Der Mann, der in Hawaii auf sie wartet, ist ganz ein anderer, nicht einmal das reizende Haiku hat er selbst geschrieben. Noch dazu muss sie den ganzen Tag auf einer Zuckerrohrplantage arbeiten, wofür sie als junges Mädchen aus der Stadt überhaupt nicht geeignet ist. Sie lernt die resolute Kana kennen, mit deren Hilfe sie noch extra Geld dazuverdient, damit sie nach Japan zurückkehren kann. 

Die Handlung ließ mich auf ein nettes, ruhiges Drama hoffen und eigentlich hab ich das auch bekommen - und irgendwie auch nicht. Die Handlung ist natürlich dünn, das wusste ich vorher schon, aber dazu auch noch so langweilig inszeniert, dass man schnell das Interesse verliert. Das harte Leben der Arbeiter wird recht gut dargestellt, aber der ganze Film war einfach so zäh, dass jeder Lichtblick schnell im Nichts verschwindet. Übertrieben melodramatische Darsteller und der TV-Film-Look tun ihr Übriges. Und übrigens ist der deutsche Filmtitel furchtbar irreführend: Der Original-Titel "Picture Bride" ist passend gewählt, da diese Frauen tatsächlich so genannt wurden, aber "Das Geheimnis der Braut"? Welches Geheimnis? Wer das verbrochen hat, soll sich den Film lieber selber mal ansehen.