Donnerstag, 19. Februar 2015

My Blueberry Nights [2007]



Elizabeth (Norah Jones) hat sich gerade von ihrem Freund getrennt und lernt in einem New Yorker Café den Briten Jeremy (sympathisch: Jude Law) kennen. Die beiden sind sich von Anfang an sympathisch, jedoch trennen sich ihre Wege wieder als Elizabeth beginnt, durch die USA zu reisen. Die beiden halten Briefkontakt, doch da Elizabeth nie preisgibt, wo sie sich befindet, kann er keinen telefonischen Kontakt zu ihr aufnehmen. Auf ihren Reisen lernt Elizabeth faszinierende Personen kennen; etwa die extrovertierte Spielerin Leslie (genial: Natalie Portman), den depressiven Polizisten Arnie und dessen Exfrau und Femme Fatale Sue Lynne (ebenfalls sehr gut: Rachel Weisz). Nach mehreren Umwegen kehrt sie jedoch zu Jeremy in sein Café zurück.

Man wird es schon an dem Text oberhalb merken: 1. "My Blueberry Nights" besitzt keine außergewöhnliche Handlung, schon gar keine, die sich gut auf Papier macht, und 2. ist er leider total langweilig. Ich hab es wirklich versucht und einige Handlungsstränge konnten mich durchaus fesseln. Jedoch war der Film als Gesamtpaket alles andere als gut. Lediglich die Schauspieler waren eigentlich durch die Bank sehr gut besetzt. Portman ist genial wie immer, Weisz dramatisch-gut, David Strathairn will man am liebsten umarmen und Jude Law ist sympathisch wie immer. Die bekannte Sängerin Norah Jones versuchte sich hier mal in nem Film und das sogar ziemlich solide, nur kann sie mit ihren Kollegen natürlich nicht Schritt halten. Abgesehen davon war "My Blueberry Nights" für mich persönlich ein Fehlgriff.

Herzensbrecher [2010]



Xavier Dolan drehte seinen zweiten Spielfilm "Herzensbrecher" nach eigenen Angaben nur, um über das genügende Kapital für seinen dritten und weitaus ambitionierteren Film "Laurence Anyways" zu verfügen. Dementsprechend belanglos kommt der Film auch daher. Die (eigentlich) besten Freunde Marie und Francis verlieben sich beide in den Freigeist Nico. Während die beiden ständig um seine Zuneigung und Aufmerksamkeit buhlen, scheint dieser das ganze gar nicht so ernst zu nehmen und nimmt ihre Annäherungsversuche nur als Freundschaft wahr. Die Freundschaft zwischen Francis und Marie wird dadurch natürlich in Mitleidenschaft gezogen. 


Das war's im Grunde eigentlich. Aber Dolan wäre nicht Dolan, würde er es nicht so gut verstehen, seine Bilder gekonnt mit poppigem Soundtrack zu kombinieren. Die meistens in Slow Motion gehaltenen Sequenzen verbindet er mit mehr oder weniger bekannten Popsongs mit Ohrwurmgarantie. Und dabei kommen so gute Szenen raus, dass ich nur zu gerne den eigentlichen Film vergesse und in den tollen Musiksequenzen versinke (was übrigens bereits in "Laurence Anyways" der Fall war). Der restliche Film mag zwar unterhalten, bleibt aber dennoch zu blass, um den Zuschauer irgendwie zu fesseln. Die Figuren scheinen einem Hochglanzmagazin entsprungen, was zwar unglaublich gut aussieht, aber trotzdem mehr wie ein Werbespot wirkt. Nico entpuppt sich am Ende als Schall und Rauch, als er sehr auf ihre Liebeserklärungen sehr unprofessionell reagiert. Dasselbe Gefühl bleibt auch beim Zuschauer zurück, zumindest bei mir. Ganz nett, kann man als Dolan-Liebhaber mal gesehen haben.

Mittwoch, 4. Februar 2015

The Imitation Game - Ein streng geheimes Leben [2014]



Ich habe mir vor einiger Zeit ein GEO-Epoche-Magazin mit dem Thema Spionage gekauft und habe die Geschichte um Alan Turing und seinem Team begeistert verschlungen. Das, was sie geleistet haben, war technisch gesehen beachtlich und für den Sieg der Alliierten über Nazideutschland maßgeblich. Doch schon alleine mit dem Wissen aus den paar Seiten ist mir recht schnell klar geworden, dass sich "The Imitation Game" nicht zu hundert Prozent an die historische Vorlage hält. Beispielsweise bekamen die Deutschen mitten in der Arbeit Wind und fügten eine neue Rolle hinzu, weshalb Turings Maschine unbrauchbar wurde und sie über ein Jahr lang keine Funksprüche decodieren konnten. Weiters ist die Tatsache, dass sie absichtlich eine Schlacht geschehen ließen, um nicht enttarnt zu werden, Humbug. Aber hey, der Film will ja nicht die Geschichte nachstellen sondern nur mit einem Haufen Oscars überschüttet werden. Ob das meiner Meinung nach gelingen wird, wird sich noch zeigen.


Benedict Cumberbatchs Alan Turing ist ähnlich wie Sherlock Holmes, nur bei weitem nicht so arrogant und viel schüchterner. Ob Turing wirklich so ein Sonderling war oder ob das nur im Film so dargestellt wird, weiß ich leider nicht. Seine Homosexualität wurde im Film auch nicht so offen dargestellt, wie ich es mir gewünscht habe. Diese wird nur am Rande behandelt, eine homosexuelle Handlung von Cumberbatch sieht man zu keiner Zeit des Films. Er spricht mit Männern, ja, aber das war's auch wieder. Ansonsten keine Anzeichen seiner sexuellen Neigungen. Als Crowdpleaser hat sich "The Imitation Game" scheinbar nicht getraut, Zeichen zu setzen und Homosexualität als etwas Natürliches darzustellen, das eben im zweiten Weltkrieg als Strafe und Krankheit angesehen wurde. Keira Knightley als weiblicher Counterpart zu Cumberbatch wird zwar als starke Frauenrolle dargestellt, dabei bleibt es aber auch. Sie hat eine so kleine Rolle, dass ihre Nominierung bei den Oscars eine Frechheit ist. 


Aber der Film hat auch seine großen Momente. Die Geschichte - sofern man nichts darüber gelesen hat - ist spannend und emotional. Cumberbatch packt alles aus und liefert eine 1A-Performance ab, die wohl zu sehr nach den Vorlieben der Academy gerichtet ist. Im Grunde ein harmloser Film, der die alliierten Mächte glorifiziert, Nazideutschland verteufelt und die Homosexualität der Hauptfigur gleichzeitig präsentiert und unter den Teppich kehrt. Jedenfalls kann man nichts falsch machen, man wird sehr gut unterhalten und das ist die Hauptsache.

Montag, 2. Februar 2015

Laurence Anyways [2012]



Der Film begleitet die Hauptfigur Laurence bei seiner Metamorphose von einem 35-jährigen Mann in eine Frau und thematisiert die Komplikationen, die mit dieser lebensverändernden Entscheidung zusammenhängen. Seine Freundin Fred fällt natürlich aus allen Wolken, beschließt aber nach einer Weile, Laurence durch die schwierige Zeit zu helfen. Laurence erfährt Anfeindung und Abgrenzung, findet aber auch Gleichgesinnte, die ihn unterstützen. 


Und das zu verfolgen kann so schön sein, denn Dolan versteht es, diese Geschichte mit so schönen Songs und Bildern zu verpacken, dass man teilweise mit offenem Mund vor dem Bildschirm sitzt. Seine Bildsprache ist einmalig, denn die Symbiose zwischen wunderbaren Bildern und den hier frisch wirkenden Synthie-Pop-Songs aus den 80ern ist perfekt. Von manchen Szenen möchte man sich am liebsten einen Screenshot machen und an die Wand hängen. Und die Darsteller sind ebenfalls eine Wucht, besonders Suzanne Clément als Dolans Stammschauspielerin spielt herausragend. 


Jedoch konnte ich mit Laurence nicht so mitfiebern wie ich es mir aufgrund der hervorragenden Kritiken erhofft hatte, weshalb er in Dolans 
Œu­v­re noch hinter "Mommy" liegt. Aber ich schätze Dolans Mut für ungewöhnliche Themen, mit denen sich kein anderer Regisseur auseinandersetzen möchte.

Zwielicht [1996]



"Zwielicht" gehört zu der Sorte Film, die schon lange in Vergessenheit geraten wäre, hätte nicht ein überragender Schauspieler mit seiner Leistung geglänzt. Davon gibt es einige. "Der Duft der Frauen" zum Beispiel wäre ohne Al Pacino nie so berührend gewesen, wie er es eben ist. Und "Zwielicht" gehört auch dazu - denn nach Richard Geres Gerichtsthriller kräht heute kein Hahn mehr. Edward Norton ist demzufolge der einzige Grund, sich den Film überhaupt anzusehen. 

Der Ministrant Aaron Stapler wird des brutalen Mordes am Erzbischof von Chicago beschuldigt, nachdem er blutverschmiert vom Tatort geflohen ist. Der Strafverteidiger Martin Vail übernimmt den Fall, weil er sich einen kurzen Prozess und Publicity erhofft, muss jedoch feststellen, dass Aaron unmöglich der Mörder gewesen sein kann. Aaron besitzt keinerlei Selbstbewusstsein, ist schüchtern und stottert. Er erzählt von einer dritten Person, die er vom Tatort fliehen gesehen hatte. Martys Strategie baut auf diese geheimnisvolle Person auf, muss aber nach einiger Zeit feststellen, dass Aaron eine gespaltene Persönlichkeit besitzt. Wann immer er sich bedrängt fühlt kommt Roy zum Vorschein, der selbstbewusst und aggressiv ist. Wie die Gerichtsverhandlung ausgeht ist eigentlich wumpe, für mich war Edward Norton der uneingeschränkte Mittelpunkt, gegen den niemand ankommen konnte. Norton spielt die beiden grundsätzlichen Charaktere so überzeugend, dass man ihm am liebsten einen Oscar in die Hand drücken würde (für eine Nominierung hat es immerhin gereicht) - in seiner ersten Rolle, wohlgemerkt. 

Fazit: "Zwielicht" glänzt vor allem durch einen hervorragenden Edward Norton und lässt sich glücklicherweise nicht auf seinen Twist am Ende reduzieren - ich kannte das Ende bereits vorher und war trotzdem geflasht. Sehr zu empfehlen.