Donnerstag, 18. September 2014

Wer hat Angst vor Virginia Woolf? [1966]


Das Ehepaar Martha und George kommt früh morgens nach einer Party ins Haus zurück; man erwartet noch Gäste. Während sie auf das junge Ehepaar warten, wird bereits deutlich, dass die beiden eine zerstörerische Ehe voller Hass führen und diese auch dem anderen Partner spüren lassen. Sobald die Gäste eingetroffen sind, werden beide sofort in ihren kleinen Ehestreit eingebunden. Martha demütigt George, der als Nachfolger ihres Vaters als Leiter der Universität vorgesehen war, jedoch nie genug Ehrgeiz besessen hatte. George andererseits zielt mit einer Attrappe eines Gewehrs auf seine Frau und dreht sich mit der Frau seines Gastes so lange im Kreis und singt "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" bis ihr schlecht wird. 

Je weiter die Nacht voranschreitet und je mehr Alkohol konsumiert wird, wird der Ehestreit mit immer härteren Mittel geführt. Der Sohn von George und Martha wird ins Spiel gebracht, was George überhaupt nicht passt. Martha versucht zunehmend, ihren gutaussehenden und jungen Gast zu verführen, während George tatenlos zusehen muss und ihm nichts anderes übrig bleibt, als Marthas Fantasien über ihren gemeinsamen Sohn zunichte zu machen. Schon die ersten Minuten von "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" zeigen dem Zuschauer, was ihn erwartet. Martha schnauzt ihren Ehemann an, dieser reagiert abwesend, resignierend und scheinbar an den Psychoterror gewöhnt. Sobald die Gäste eintreffen, wird es noch schlimmer. Sie schaffen es, das junge Ehepaar gegeneinander aufzuhetzen und halten schlussendlich sogar zusammen und wirken wie ein eingespieltes Team. Man fragt sich, ob es schon mehrere solcher Abende mit Gästen gegeben hat, die man psychisch bloßgestellt hatte. Das junge Ehepaar kann sich nicht helfen, und verlässt völlig fertig und zerstört das Haus, nachdem sie mehrere Stunden in deren Gesellschaft verbringen musste. 


Was mich an diesem Film so faszinierte, war der abgrundtiefe Hass, der Martha und George zwar trennt, aber dennoch zusammenschweißt, wie man sieht, wenn sie sich gegen ihre Gäste verbünden. Man fragt sich, wie es so weit kommen konnte. Martha gibt einmal zu, dass sie George wirklich geliebt hatte - was man nicht glaubt, wenn man sieht, wie sie mit ihrem Mann umspringt. Sie beleidigt George wo es nur geht und stellt ihn in einer Tour bloß. George ist aber auch kein ungeschriebenes Blatt, wie man im Laufe des Films feststellen muss. Ist er zu Beginn nur der arme Mann, der ständig einstecken muss, ist er es aber, der den Psychokrieg erst recht in Gang bringt. Nachdem er befindet, dass sich seine Frau und er genügend beleidigt hätten, eröffnet er mit dem Spiel "Get the Guests" den Psychokrieg und bewiesdamit , dass er viel sadistischer ist als Martha, die ihren Mann "nur" beleidigt. 

Martha und George werden von Elizabeth Taylor und Richard Burton gespielt, ein Ehepaar, das seinerzeit für seine legendären Streitereien und Trennungen bekannt war. Sie spielen das selbstzerstörerische Ehepaar so gut, dass man sich fragt, wie viel sie selber spielen mussten und wie viel sie von ihren Streiten gewöhnt waren. Hinzu kommen die exzellenten Dialoge, ohne die der Film nur halb so gut wäre. "Wer hat Angst vor Virginia Woolf?" ist für mich ein hervorragendes Beispiel für ein Kammerspiel, denn der Film spielt sich meistens im Haus oder im Garten des Ehepaares ab und beinhaltet nur vier Personen (eine Ausnahme ist ein Besuch in einer Bar, wo der Inhaber und seine Frau einen kurzen Auftritt haben). Ein Film, der selbst nach fünfzig Jahren nichts von seiner Wirkung verloren hat.

Mittwoch, 6. August 2014

Drachenzähmen leicht gemacht 2 [2014]


Als der erste Teil zu "Drachenzähmen leicht gemacht" 2010 in die Kinos kam, war er für mich ein Lichtblick zwischen den immer anspruchsloser werdenen Animationsfilmen von Pixar und Konsorten. "Drachenzähmen" hatte Witz, Spannung und Herz und war dementsprechend erfolgreich. Die logische Schlussfolgerung des Erfolgs kam vor wenigen Wochen ins Kino und ist, soweit dies möglich ist, sogar noch besser als sein Vorgänger.


Aus dem ehemals schwächlichen, schüchternen Hicks ist mittlerweile ein stattlicher junger Mann geworden, der langsam in die Fußstapfen seines Vater Haudrauf treten sollte, aber es bevorzugt, mit seinem Drachen Ohnezahn neue Welten zu erkunden. Bei einem dieser Erkundungstouren begegnet er bewaffneten Fremden, die für einen gewissen Drago Drachen entführen und zu ihm bringen. Haudrauf kennt die Gefahr, die von Drago ausgeht und wappnet sich für einen Krieg, doch Hicks möchte mit Drago reden und ihn davon überzeugen, dass Drachen nicht gefährliche Bestien sind und ein friedliches Leben möglich ist...


Während Teil 1 vor allem für Kinder interessant sein dürfe, orientiert sich der zweite Teil bereits an älterem Publikum. Hicks ist ein erwachsener Mann geworden, der seinen Platz aber noch finden muss, also besonders jugendliche Menschen ansprechen dürfte. Außerdem wurden Dramatik und Gewalt in die Höhe geschraubt, die Actionszenen sind imposanter und wirken dreckiger, erwachsener. Außerdem wurde mit Hicks Mutter ein neuer Charakter eingeführt, der maßgeblich an Hicks persönlichen Entwicklung beiträgt. Der Bösewicht Drago - ich muss leider sagen, dass er mich nicht besonders überzeugt hat, auch wenn sich seine Abneigung gegen Drachen nachvollziehen lässt. Ansonsten ist der Film fast fehlerfrei, besitzt nahezu keine Längen, ist spannend, traurig, niedlich und witzig und ist somit in meinen Augen in allen Belangen besser als "Drachenzähmen leicht gemacht".

Sonntag, 3. August 2014

Little Miss Sunshine [2006]


Wie ich vermutlich bereits das eine oder andere Mal angemerkt habe, bin ich alles andere als ein Fan von Road-Movies. Sie schaffen es einfach nicht, mich auf ihre Reise mitzunehmen, mich mit den skurrilen Charakteren zu unterhalten, kurz: Kaum einer der Filme dieser Kategorie konnten mich bis jetzt vom Hocker reißen. Die einzige Ausnahme: Little Miss Sunshine, eine herzerwärmende Geschichte über eine Familie, die auf der Reise zu einem Schönheitswettbewerb ihre Differenzen überbrücken kann und schließlich zusammenfindet. 

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Was "Little Miss Sunshine" von anderen Genrevertretern abhebt, sind die unterschiedlichen Charaktere, die immer wieder für Reibungspunkte sorgen. Ein Vater, der den restlichen Familienmitgliedern mit seinem ständigen Geschwafel über Gewinner und Verlierer gehörig auf den Sack geht; sein koksender Vater, der wegen seinem unflätigen Gerede aus dem Seniorenheim geschmissen wurde; der pubertierende Sohn Dwayne, der bis zu seiner Aufnahme in der Pilotenakademie ein Schweigegelübde abgelegt hat und mit seiner verhassten Familie nur per Zettel und Stift kommuniziert; die Mutter, die um jeden Preis versucht, ihre chaotische Familie zusammenzuhalten; ihr homosexueller Bruder Frank, der einen misslungenen Selbstmordversuch hinter sich hat; und zu guter Letzt die kleine Olive, die ihre ganze Familie zum Little Miss Sunshine Schönheitswettbewerb schleppt, obwohl sie alles andere als ein Model ist. Da ist Ärger auf der langen Reise natürlich vorprogrammiert. Aber das Tolle ist, dass einem ein paar Charaktere gehörig auf den Sack gehen, man sich aber am Ende mit allen arrangieren kann. Ich hatte mein größtes Problem mit dem Vater, der mir mit seinem unermüdlichen Gerede über Gewinner und Verlierer meinen Geduldsfaden arg strapaziert hatte. Erfrischend waren hingegen Paul Dano als Dwayne, ein damals noch unbekannter Steve Carell als ruhiger Onkel und Alan Arkin, der seinen vorlauten Opa wirklich grandios spielt (auch wenn er im späteren Verlauf des Films leider ausfällt).

Was mir noch gefallen hat, ist dass der Film das Prinzip der Schönheitswettbewerbe im Allgemeinen und die für Kinder im Besonderen als das hinstellen, was sie sind - kompletter Schwachsinn. Wenn man an Sendungen wie "Toddlers & Tiaras" denkt, kommt man zu der Überzeugung, die Amerikaner wären verrückt nach diesen perversen Shows. Die Hoovers denken da anders: Als sie sich den Wettbewerb und all die perfekt präparierten, zu Leben erwachten Barbiepuppen ansehen, kommen Richard und Dwayne zu dem Schluss, Olive vor der Schande zu bewahren und zu einer Absage zu zwingen. Immerhin ist Olive ein gewöhnliches, etwas molliges Kind im Badeanzug, das im Vergleich zu den anderen Püppchen aussieht wie eine Lachnummer. Aber Olive vermag es mit ihrer Performance, alle prüden amerikanischen Hausfrauen zu schocken und dank ihrer Familie wird der Auftritt doch noch ein Erfolg. Sie erhält zwar das Verbot, bei einem Schönheitswettbewerb im Staate Kalifornien teilzunehmen, dafür ist aber ihre zerstrittene Familie endlich vereint. So stelle ich mir einen Feel-Good-Movie vor. Schönes Teil.

Freitag, 18. Juli 2014

Ed Wood [1994]



Bei dem Gespann Tim Burton und Johnny Depp denkt man immer zuerst an "Edward mit den Scherenhänden", "Sleepy Hollow" oder auch "Alice im Wunderland". Aber kaum jemand weiß, dass die beiden bereits wenige Jahre nach ihrer ersten Zusammenarbeit ein Biopic über den schlechtesten Regisseur aller Zeiten drehten. "Ed Wood" heißt der Film und behandelt sozusagen die Karriere des talentlosen Regisseurs, der Orson Welles für sein größtes Vorbild hält und trotz mangelndem Talents versucht, diesem so gut es geht nachzueifern.

Johnny Depp spielt Ed Wood, einen schrulligen jungen Mann, der seinem Vorbild nacheiferte und der beste Regisseur der Welt werden wollte. Das Problem ist aber, dass er weder über genügend Talent noch Geschmack verfügt, um wirkliche Meisterwerke zu schaffen. Seine Filme sind stets B-Movies, die Requisiten gestohlen, die Ausstattung billig und die Schauspieler sind meistens Laiendarsteller. Die Finanzierung seiner Filme stellt sich als größtes Hindernis dar, da sich für seine abstrusen Drehbücher keine spendierfreudigen Geldgeber finden wollen. Mit Bela Lugosi, dem drogensüchtigen und um die Jahre gekommenen Dracula-Darsteller, meint er ein As im Ärmel zu haben, doch kaum jemand interessiert sich noch für den alten Mann. Und so schlingert Ed Wood von Geldgeber zu Geldgeber, stellt sogar untalentierte Verwandte ein und lässt sich taufen, um an Geld zu kommen.

Was ihn neben seinem mangelnden Talent am meisten auszeichnet, ist wohl sein unerschütterlicher Glaube in sein Schaffen. Er steht zu seiner Vorliebe für Frauenklamotten, unterstützt seinen kranken Freund Bela wo er nur kann und motiviert seine Filmcrew jeden Tag aufs Neue. Johnny Depp schafft die Darstellung des tragischen Clowns mit Bravour. Auch die anderen Schauspieler (vor allem Martin Landau) machen ihre Sache sehr gut. Was mich jedoch am meisten am Film faszinierte war die Detailverliebtheit, mit der Regisseur Tim Burton zur Sache ging. Der gesamte Film ist in schwarz-weiß gehalten und die Kulissen sehen erschreckend echt aus, als wären sie originalgetreu einem Ed-Wood-Film entsprungen. Verbunden mit der für Burton üblichen Skurrilität macht "Ed Wood" für mich einen wunderschönen Film aus, der leider über die eine oder andere Länge nicht hinwegtäuschen kann.

Dienstag, 1. Juli 2014

The Amazing Spider-Man 2: Rise of Electro [2014]


"The Amazing Spider-Man 2" ist ein Film geworden, der meine Meinung in zwei Lager spaltet. Auf der einen Seite fand ich Andrew Garfield als Spider Man sehr erfrischend. Er wirkt jugendlicher und unbeschwerter als Tobey Maguire, der ja immer der ständige Verlierer war und dies mit jeder Faser ausstrahlte. Garfields Peter Parker ist da anders: Er ist beliebt, gutaussehend und mit einem gesunden Ego ausgestattet. Zudem besitzt er mit Gwen Stacy eine Freundin, der man nicht sofort den Tod wünscht. 

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Die Handlung verläuft sich ein bisschen in Nebensächlichkeiten und wirkt für mich einfach zu vollgestopft. Einerseits wird da die tragische Geschichte von Max alias Electro, der bei einem Arbeitsunfall in einen Tank voller Aale fiel und nach einigen Missverständnissen einen übertriebenen und unmöglich nachzuvollziehenden Hass auf Spider-Man entwickelt, den er für seine Verwandlung verantwortlich macht. Dazu kommt, dass sich Peter immer mehr dafür interessiert, wer seine Eltern sind und warum sie ihn als Kleinkind bei der Tante abgegeben haben. Zudem kommt noch das Problem, dass ihn sein ehemaliger bester Freund Harry Osborn um sein mutiertes Blut bittet, damit er seinen drohenden Tod durch eine mysteriöse Krankheit doch noch abwenden kann - und sich in den Grünen Kobold verwandelt, als Peter ablehnt. Und um der Sache noch die Krone aufzusetzen, gibt es zwischen Peter und Gwen auch noch Beziehungsstress, als diese nach Oxford gehen will. 

Wie man sieht, ist der Film regelrecht mit Handlung bis oben hin vollgestopft und der Film weiß nie, welchem Handlungsstrang er den Vorzug geben soll. Und so wird kein Strang recht zu Ende gedacht und bleibt halb erzählt irgendwo hängen. Am Ende wird sogar noch ein weiterer Bösewicht angeteasert, sodass der fade Beigeschmack bleibt, nur einen weiteren Lückenfüller gesehen zu haben. Dennoch gibt es ein paar Dinge, die mir positiv in Erinnerung geblieben sind. Garfields erfrischenden Spider-Man habe ich ja schon anfangs erwähnt, aber man sollte auch nicht Jamie Foxx und vor allem Dane DeHaan vergessen, die tolle Performances ablegen. Besonders von Dane DeHaan, der mich schon in The Place beyond the Pines begeistern konnte, werden wir noch mehr sehen. 


Fazit: Sofern man ein bisschen auf Dubstep steht, sollte man beim Soundtrack keine Bedenken haben. Die Story wird jedoch unkonsequent nicht zu Ende erzählt und die einzelnen Erzählstränge verknüpft, sodass mich The Amazing Spider-Man 2 leider nicht aus den Socken reißen konnte.