Sonntag, 16. März 2014

Die Tiefseetaucher [2004]


Gewöhnlicherweise gefällt mir alles, wo Wes Anderson draufsteht. Ich mag die Art, wie er seine Filme dreht. Die Handlung ist stets einfach gehalten, doch sein Auge für Einzelheiten ist es, das mich fasziniert. Es ist schwer zu beschreiben; entweder man mag ihn, oder man mag ihn nicht. In Wes Andersons Œuvre gibt es kaum einen Makel - bis auf "Die Tiefseetaucher", der Nachfolger zu "The Royal Tenenbaums", der ja bekanntlich seinen Durchbruch darstellte. 

Bill Murray, einer von Andersons Stammschauspielern, darf hier die Hauptrolle des schrägen Steve Zissou spielen, der sein Geld damit verdient, auf hoher See schlechte Filme zu drehen. Im letzten Film starb sein bester Freund und Filmpartner Esteban durch einen sogenannten Jaguarhai, dessen Existenz bis kurz vorm Ende als ungesichert gilt, da nur Steve Zeuge von Estebans Tod war. Der Film wird bei den Kritikern schlecht aufgenommen und Steve möchte in einem neuen Film versuchen, sich an dem Jaguarhai zu rächen. Zur selben Zeit lernt er den jungen Piloten Ned kennen, der sich Sohn einer früheren Beziehung von Steve vorstellt, wobei lange unklar ist, ob die beiden wirklich miteinander verwandt sind. Gemeinsam mit einem bunten Haufen ziehen Steve und Ned aufs Meer und erleben dort allerlei Abenteuer.

Das Problem, das ich mit "Die Tiefseetaucher" habe, ist, dass ich mit der planlosen Handlung, die meistens einfach nur improvisiert und wenig durchdacht wirkt, nicht viel anfangen kann. Man bringt kaum Interesse für die Handlung auf, geschweige denn für die Figuren. Und so plätschert der Film dahin und die anfängliche Vorfreude verwandelt sich in Desinteresse. Auch der Nachfolger "Darjeeling Limited" kränkelt an der etwas wirr hingeklatschte Handlung, während "Der fantastische Mr. Fox" und "Moonrise Kingdom" vor allem von Andersons fantasievoller Ausstattung profitieren und mit einer in sich geschlossenen und bezaubernden Handlung überzeugen. So kann ich "Die Tiefseetaucher" nur als kleiner Schandfleck ansehen, den jeder Künstler auf dem Weg zum Meisterwerk in Kauf nehmen muss.

Zum Schluss noch eins: Wenigstens eine Szene konnte mich bezaubern, und zwar handelt es sich dabei um die Sequenz im U-Boot, als alle dem wunderschön mit Stop-Motion animierten Jaguarhai ansichtig werden. Ein magischer Moment.

Sonntag, 9. März 2014

Das finstere Tal [2014]


In den Südtiroler Alpen Ende des 19 Jahrhunderts: In einem Tal leben die Einwohner abgeschottet von der Außenwelt und bilden eine eigene kleine Welt mit dem Brennerbauern als Oberhaupt, dem jeder zu gehorchen hat, und seine sechs Söhne sorgen dafür, dass diese Regeln von jedem Einwohner eingehalten werden. Eines Tages erscheint ein Neuankömmling - eine Seltenheit in diesem abgeschotteteten Tal und dementsprechend feindselig wird Greider, wie sich der mysteriöse Mann vorstellt, begrüßt. Er kommt bei einer Witwe und deren Tochter Luzi unter und verbringt seine Tage damit, im Tal herumzureiten und die Landschaft zu fotografieren. Langsam gewöhnen sich die Bewohner an den Fremdling, doch als plötzlich zwei der Brenner Söhne unter mysteriösen Umständen sterben, werden die restlichen Brüder auf Greider aufmerksam - und nicht zu Unrecht, wie sich herausstellen sollte. 


Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Thomas Willmann aus dem Jahre 2010, und wie sich herausstellen sollte, ist es ein perfektes Buch für eine Filmumsetzung. Schon das Buch spielt perfekt mit der in sich geschlossenen Welt und der trostlosen Umgebung, der Bedrohung durch die Brenner Familie und der mysteriösen Aura, die Greider umgibt. Da war eine Filmumsetzung nicht fern, und dass diese so gut gelungen ist, liegt zu einem großen Teil an der grandiosen Vorlage. Denn wie sich herausstellt, ähneln sich Buch und Film sehr. Beim Lesen des Buches fühlte ich mich sofort an den Film zurück erinnert, die Stimmung wurde perfekt eingefangen und verfilmt und bis auf ein paar Nebensächlichkeiten schaffte es Andreas Prochaska, das Buch 1:1 wiederzugeben. Und schon das Buch war ein Wagnis: Die Mischung zwischen Alpenroman und Western mag zwar auf den ersten Blick etwas fremd wirken, passt aber beim näheren Hinsehen wie die Faust aufs Auge. Denn im Tal herrscht nicht viel Alpenromantik. Die Menschen sind freudlose, gottesfürchtige Menschen, die in ihrer kleinen, abgeschotteten Welt leben und scheinbar nichts anderes tun, als tagein tagaus zu arbeiten, Höhepunkte gibt es nur wenige. Die Stimmung ist düster, die Bilder dunkel, das Wetter schlecht. Und als der Schnee einsetzt und zwei Brenner "Buam" sterben und klar wird, warum Greider über den Winter in das Tal gekommen ist, entspinnt sich ein Rachethriller, der in Western-Manier wortkarg und mit den Waffen sprechend ausgetragen wird.


Die Besetzung des Briten Sam Riley als den wortkargen Greider ist bei näherem Hinsehen perfekt, denn sogar im Buch redet Greider nur selten und da passt es perfekt, dass Riley nur selten den Mund aufmachen muss. Außerdem wird angedeutet, dass er in den USA groß geworden ist und eine österreichische Mutter hat, was Sam Rileys Akzent rechtfertigt. Der Anführer der Brenner Brüder wurde namhaft mit Tobias Moretti besetzt, der mit seiner Boshaftigkeit sehr gut rüberbringt, warum die Einwohner des Tals vor der Familie kuschen. Was mir leider nicht so gut gefiel, war Luzis erzwungener österreichischer Akzent, denn ein geübtes Ohr hört sofort, welcher Akzent natürlich und welcher gekünstelt ist. Das ist zwar Meckern auf hohem Niveau, ist mir aber dennoch negativ aufgefallen.

Montag, 3. März 2014

American Hustle [2014]


"American Hustle" galt als einer der großen Favoriten für die Oscarverleihung 2014, schließlich war er für ganze zehn Oscars, darunter in den begehrten Big-Five-Kategorien nominiert. Wie sich nach der Verleihung herausstellt, ging "American Hustle" dabei komplett leer aus, und schon weit vorher war ich der Überzeugung, dass der Film keinesfalls zehn Oscars verdient hätte. 

Denn das Problem ist: "American Hustle" scheint alles zu bieten, was ein richtiger Oscarfilm braucht - berühmte Charakterdarsteller, tolle Kulissen, eine spannende Story. Wait, eine spannende Story? Im Drehbuch mag sich die Handlung zwar gut anhören, aber im Film wurde das Ganze irgendwie so langweilig und teilnahmslos gestaltet, dass man schnell das Interesse an den Figuren verlor. Der Handlung plätschert vor sich hin und gewinnt nur am Ende etwas an Fahrt, aber da ist der Film schon vorbei. Am meisten kann "American Hustle" mit der atmosphärischen und passenden Musikuntermalung punkten (man verwendete ausschließlich bekannte Songs aus den 70ern), sowie mit der Leistung der Hauptdarsteller Amy Adams, Bradley Cooper und ja, Jeremy Renner. Jennifer Lawrence wirkt mit der deutschen Synchronstimme so unsympathisch wie eh und je, und Christian Bale war auch ganz gut, allerdings wirkte das Ganze eher wie eine Fingerübung, denn dass er mehr drauf hat, hat er schon zur Genüge bewiesen. 

Fazit: Keinesfalls ein Film, der überhaupt einen Oscar verdient hat, geschweige denn von zahlreichen Nominierungen. Die Story zieht sich in die Länge und bietet fast keine Höhepunkte, nur die Schauspieler und das Flair der 70er Jahre können überzeugen. Ach ja, und der bezaubernde Jack Huston durfte auch in einer Nebenrolle glänzen. Hoffentlich werden wir von ihm in Zukunft mehr sehen. Und vielleicht in einer Rolle, wo er weniger aussieht wie ein unversehrter Richard Harrow.

Sonntag, 2. März 2014

Der Jazzsänger [1927]


Dieser Film schrieb im Jahr 1927 Geschichte und revolutionierte den Film: Mittels dem Nadeltonverfahren war es nun möglich, Bild und Ton miteinander zu verbinden und man war nicht mehr länger auf theatralische Gesten und Zwischentitel angewiesen. Aufgrund dieser gängigen Beschreibung war ich der Meinung, bei "Der Jazzsänger" handelt es sich um einen echten Tonfilm, so wie man ihn eben heute kennt. Aber nach der Sichtung musste ich feststellen: Im Grunde ist es ein Stummfilm mit der altbekannten Hintergrundmusik und den Zwischentiteln, nur wird die Stille ab und zu mit ein paar gesprochenend Worten sowie gesungenen Liedern unterbrochen. 

"Wait a Minute, wait a Minute, you ain't heard nothing yet", lautet Al Jolsons Kommentar, nachdem er seinen berühmten Song "Mammy" zum besten gibt - und spricht zum gleichen Zeitpunkt den ersten laut ausgesprochenen Satz in einem Film. Natürlich experimentierte man schon davor mit diversen Methoden, um Bild und Ton zu verbinden, aber die Warner Brothers machten die Talkies salonfähig. "Der Jazzsänger" wurde zum Verkaufsschlager und revolutionierte den Tonfilm. Alleine dafür sollte man den Film bewerten, denn die Handlung gibt bei aller Liebe nicht viel her. Al Jolson spielt einen Jazzsänger aus jüdischem Hause, der sich aufgrund seiner Leidenschaft mit dem Vater verkrachte, der ihn viel lieber in der Synagoge als Kantor sehen würde. Als erwachsener Mann besucht er ein weiteres Mal seine Eltern und muss sich nun entscheiden: Soll er der Tradition seiner Vorväter folgen oder auf der Bühne New Yorks sein Glück suchen? Leider gibt die Handlung nicht viel her, die (sorry) schlechten Songs sind rar gesäht und auch sonst empfand ich eigentlich nur Langeweile. Wäre "Der Jazzsänger" kein Meilenstein gewesen, hätte ich ihn noch schlechter bewertet.

Das zauberhafte Land [1939]


"Der Zauberer von Oz" ist einer jener Klassiker, die selbst Jahrzehnte nach dem Erscheinen noch tief in der US-amerikanischen Filmkultur verankert und selbst in den Herzen der Kindern tief verankert ist. Warum? Vielleicht weil "Der Zauberer von Oz" mit seiner Fantasywelt, den Abenteuern von guten und bösen Hexen, von Zauberern, sprechenden Vogelscheuchen und ängstlichen Löwen eine zeitlose Geschichte erzählt, die durch den  farbenfrohen Look praktisch nie alt werden kann.

Das mag auf viele zutreffen, ich zähle auch nicht dazu. Ich kam nun endlich in den Genuss dieses Stücks US-amerikanischen Kulturgutes und ich musste doch feststellen, dass viele Elemente im Film entweder veraltet sind oder meinem Geschmack nicht entsprachen. Angefangen vom laienhaften Schauspiel Judy Garlands, bis zu den fast schon lächerlichen Songs mit massenhaft Kindern und Kleinwüchsigen, die einfach kein Ende finden wollten. Doch ich muss trotzdem gestehen, dass mich der Film stellenweise doch abgeholt hat. Spätestens wenn Dorothy den Auftrag erhält, den Zauberer von Oz aufzusuchen und auf ihrer Reise ihre drei bezaubernden Gefährten kennen lernt und mit diesen diese seltsam fremde Welt rettet, bereitete mir der Film stellenweise Vergnügen.

Fazit: Ein farbenfrohes Musical-Spektakel, das mit verrückten Figuren aufwartet und besonders Kinder bezaubern dürfte.