Donnerstag, 18. April 2013

Moonrise Kingdom [2012]


Mit "Moonrise Kingdom" hat sich der für seine schrägen Filme bekannten Wes Anderson selbst die Krone aufgesetzt. Mit seiner typisch schrulligen Art erzählt er eine einfühlsame und originelle Liebesgeschichte zwischen zwei 12-jährigen, die sich von ihrem Umfeld missverstanden fühlen und auf ein kleines Abenteuer gehen. Suzy ist aus gutem Hause, hat aber Probleme mit ihren Eltern, weil diese mit ihrer rebellischen Art nicht umgehen können. Sams Eltern sind vor einigen Jahren aus einem unbekannten Grund gestorben; seitdem wohnt er bei Pflegefamilien, wird jedoch als "gestört" bezeichnet und ist in seiner Pfadfindertruppe sehr unbeliebt.
Diese beiden Kinder schmieden auf dem Briefweg den Plan, zu fliehen - und werden von Suzys Eltern, dem Polizisten Captain Sharp und dem Pfadfinderleiter Scout Master Ward gesucht. 
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Aber "Moonrise Kingdom" ist sogar noch viel mehr als eine simple Liebesgeschichte. Auf so vielen Ebenen schafft es Anderson, uns eine einfühlsame und wunderbare Geschichte zu präsentieren, geschmückt mit vielen für ihn typisch-skurrilen Elementen und einem tollen Cast, der sich sehen lassen kann. Angefangen von Bill Murray zu Bruce Willis, Frances MacDormand und Edward Norton bis hin zu Harvey Keitel, Tilda Swinton und Anderson-Liebling Jason Schwartzman in kleine Nebenrollen sind alle namhaft besetzt und machen ihre Sache hervorragend - obwohl ich Bill Murray in diesem Film etwas zu einschläfernd fand, obwohl ich ihn ansonsten gerne mag. Aber am herausragendsten sind natürlich die beiden unbekannten Jungschauspieler Jared Gilman und Kara Hayward, die uns die wohl schönste Liebesgeschichte des Jahres 2012 präsentieren. Wenn sich Suzy und Sam küssen und zu "Le Temps de l'Amour" abgehen, fühlt man nur eines: Liebe - und ist enttäuscht, weil die beiden nicht zusammen sein dürfen. 
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Doch hätte es kein Happy End, wäre es kein Film von Wes Anderson, weshalb natürlich auch hier die Liebe siegt, auch wenn sie auf dem Weg dorthin viele Hürden überwinden müssen. 
Hinzu kommt der charakteristische Soundtrack von Alexandre Desplat, der dem Film seinen eigenen Zauber gibt. Ein Feel-Good-Movie, ein Film zum Lieben: Moonrise Kingdom.

Samstag, 6. April 2013

Marty [1955]



"I'm just a little Man, a fat ugly Man!" Wer kennt nicht diesen berühmten Ausspruch des 34-jährigen Metzgers, der noch bei seiner Mutter wohnt, weil er keine Lust mehr darauf hat, sich von den Frauen das Herz brechen zu lassen? 
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Zu Beginn dachte ich mir noch: Wow, dieser Film hat sich für die damalige Zeit einiges zugetraut. Während normalerweise überirdisch schöne männliche Darsteller auf modelähnliche Darstellerinnen treffen und Hürden überwinden durften, um endlich am Ende des Filmes zueinander zu finden, wurde hier für die Hauptrolle der korpulente und sagen wir, nicht unbedingt attraktive Italoamerikaner Ernest Borgnine gecastet. 
Dieser spielt den herzensguten Marty, der hilfbereit und schüchtern ist, aber als ältester von allesamt verheirateten Geschwistern noch zuhause bei seiner Mutter wohnt.

Natürlich trifft er eines Tages plötzlich auf die ebenfalls nicht perfekt aussehende Clara (Betsy Blair) kennen, die von ihrem Date sitzengelassen wurde. Die beiden haben zwar hohe Standesunterschiede (er von der Arbeiterklasse, sie war auf der Universität), verstehen sich aber blendend und verabreden sich für den nächsten Abend - wobei Marty von allen Seiten Ablehnung erfährt und geraten bekommt, sich nicht mit diesem Mauerblümchen abzugeben. Ich muss wohl nicht erwähnen, dass er natürlich alle Zweifel über Bord wirft und sie am Ende des Filmes anruft und sie mit verweinten Augen glückselig den Hörer abnimmt. 

Was ich zu Beginn für Realismus gehalten habe (italienische Arbeiterklasse, realistische Menschen und keine Models), verwandelte sich im Laufe des Filmes in den triefenden Kitsch, ohne den man sich damals wohl keinen Film vorstellen konnte. Viel zu überladen wirkt alles und Marty konnte meistens nicht aufhören zu reden, was manchmal lästig war. Zudem störte mich die Nebenhandlung mit Martys Mutter und deren Schwester, die ihr Gift ins Ohr gießt, indem sie ihr vorjammert, dass Marty seine Mutter aus dem Haus werfen würde, wenn er eine Freundin habe - damals wohl für ältere Damen ein hochaktuelles Thema, heute jedoch veraltet.
Der Film erhielt 1956 den Oscar als Bester Film sowie die Goldene Palme. Aus heutiger (und meiner) Sicht etwas unverdient. Aber gut, der Film bietet eine niedliche Liebesgeschichte und zeigt obendrein, wie man in den 50er Jahren Party gemacht hat.

Die fantastische Welt von Oz [2013]


Sam Raimis neustes Werk weist neben den frappierenden Parallelen zu Tim Burtons CGI-Feuerwerk "Alice im Wunderland" auch noch diverse andere Schwächen auf, an denen viele Hollywood-Produktionen heutzutage kränkeln: Die Compuereffekte sind zu überbeladen, das 3D ist höchstens Mittelmaß (wenn überhaupt erkennbar), die Farben dadurch matt. 
Dazu eine Story, die mehr hätte sein können, wenn man nicht auf Biegen und Brechen versucht hätte, gleichermaßen Kinder und Erwachsene zufrieden zu stellen und zudem so verkitscht ist, dass man sofort nach dem verräterischen Disney-Logo sucht - vergebens. Denn es scheint so, dass Disney den Kitsch nicht mehr für sich gepachtet hat, sondern anderen Produktionsfirmen einen Anteil übrig lässt - und das meiste hat wohl "Die fantastische Welt von Oz" erhalten

Wenigstens kann man sich nicht über die Rollenauswahl beklagen; James Franco mimt die Hauptfigur Oz, ein mittelmäßiger Zauberkünstler, der auf seiner Flucht mit einem Heißluftballon von Kansas ins zauberhafte Land getragen wird, das zufälligerweise seinen Namen trägt. Denn dort gibt es die Legende, dass eines Tages ein Zauberer namens Oz vom Himmel steigen wird, um die böse Hexe zu besiegen. Oz trifft in diesem Land auf allerlei merkwürdige Figuren: die beiden vermeintlich guten Hexen Theodora (Mila Kunis) und Evanora (Rachel Weisz), den fliegenden Affen Finlay (gesprochen von Zach Braff), das ße Porzellanmädchen und natürlich Glinda (Michelle Williams), die gute Hexe des Südens.

Ich würde jetzt gerne behaupten, dass mich die Darstellung von Michelle Williams besonders geflasht hat, aber... nö. Ich fand die so langweilig in diesem Film; ständig lächelte sie und sagte etwas Gutes, sodass meine Neugier schnell verschwand. Aber gut, dies ist ja auch mehr ein Kinderfilm. Aber was sagt das über den Film aus, wenn man das Porzellanmädchen, das komplett am PC erstellt wurde, für den besten Charakter des gesamten Filmes hält?

Das Gesamtfazit fällt dann doch nicht so schlecht aus, weil viele Dinge dann doch wieder gepasst haben. Vielleicht bin ich doch zu sehr ein Disneykind, als ich gedacht habe. Trotz der vielen Schwächenhlte ich mich ganz gut unterhalten und manchmal braucht man eine geballte Ladung CGI-3D-Gedöns, das einem Kopfschmerzen bereitet.

Kiss Kiss, Bang Bang [2005]


"Kiss Kiss, Bang Bang" möchte so vieles sein: Ein Thriller mit einer guten Story, coolen Charakteren, flotten Sprüchen, viel Witz und einer romantischen Liebesgeschichte. Während er das eine oder andere Ziel erreicht hat, hat er andere wiederherum weit verfehlt, weshalb ich die begeisterten Kritiken nur bedingt nachvollziehen kann.

Aber alles der Reihe nach: Grob gesagt handelt es sich um eine Gangsterkomödie, in der Dieb Harry für einen Schauspieler gehalten wird, der sich durch Method-Acting einen Einblick in das Berufsfeld seiner Filmfigur verschaffen soll, indem er dem Privatdetektiv "Gay" Perry zur Seite gestellt wird. Natürlich verläuft nicht alles so ruhig wie gedacht, denn als sie eine Frauenleiche finden, wird ihre Neugier geweckt und versuchen hartnäckig, den Fall zu lösen; als Hobbydetektive, versteht sich. Ein bisschen unwahrscheinlich, aber hey, dies ist ja ein Film und völlig legitim. An sich doch keine schlechte Sache, nur konnte mich der Plot überhaupt nicht überzeugen, überhaupt  wurde die Story etwas lahm erzählt, während immer mehr Augenmerk auf die Dialoge gelegt wurde, die wirklich ein Highlight des Filmes sind und zu einem ausschweifenden Zitatfeuerwerk einladen.

Die Hauptdarsteller werden von den glänzend aufgelegten Robert Downey Jr. (Harry) und Val Kilmer (Perry) gespielt, die besonders in den Szenen zu zweit, in denen sie wild mit coolen und witzigen Sprüchen um sich werfen, überzeugen. Das Duo wird durch Michelle Monaghan unterstützt, die ebenfalls eine wichtige Rolle im Film übernimmt und die beiden tatkräftig unterstützt. 

Eigentlich wäre alles Friede, Freude, Eierkuchen, aber die lahmarschig erzählte Handlung hat mich leider zu gestört, weshalb der Film leider nur Durchschnittskost ist.

Freitag, 5. April 2013

Schmetterling und Taucherglocke [2007]


Basierend auf einer Autobiographie erzählt der französische Film "Le Scaphandre et le Papillon" von dem Leben des Jean-Dominique Bauby, ehemals Chefredakteur der französischen Ausgabe der "Elle", der im Alter von 40 Jahren plötzlich einen Schlaganfall erleidet. Früher wäre dieses Erlebnis tödlich ausgegangen, doch die moderne Medizin ist so weit fortgeschritten, dass es den Ärzten gelingt, Jean-Dominique künstlich am Leben zu erhalten - zu einem schrecklichen Preis. Denn als er aus dem Koma erwacht, muss er feststellen, dass sein Geist zwar rege ist, aber er weder sprechen noch sich bewegen kann - mit Ausnahme seines rechten Auges, mit dem er blinzelt, um mit seinen Mitmenschen kommunizieren zu können. 
Um davon berichten zu können, wie es ist, aufzuwachen und festzustellen, dass man nur noch ein Gefangener in seinem eigenen Körper ist, engagiert er eine junge Frau. Diese sagt ihm das Alphabet an und Bauby blinzelt bei dem richtigen Buchstaben - so entsteht nach und nach ein Buch, auf dem dieser Film basiert. 

"Schmetterling und Taucherglocke", wie der Film bei uns heißt, profitiert von seiner Vorlage, die zugleich traurig, aber auch lebensbejahend ist. Bauby lässt sein früheres Leben revue passieren, bedauert alle Fehler und träumt davon, sich eines Tages wieder bewegen zu können. Ein Traum, der sich jedoch nicht erfüllen wird; Jean-Dominique stirbt nur wenige Tage nach dem Erscheinen seiner Biographie. Seine Leidensgeschichte berührt und regt zum Nachdenken an; aber vor allem ist es eine Sensation, denn noch nie hatte man erfahren, wie sich Opfer des Locked-in-Syndroms fühlen, wenn sie zwar mental wach sind, ihr Körper sie aber wie ein Taucheranzug einschließt. 

Besonders eindrucksvoll wird dies zu Beginn des Filmes gezeigt, als Jean-Dominique erstmals aus dem Koma erwacht und der Doktor ihn auffordert, seinen Namen zu sagen. Man erlebt seine Sicht der Dinge und man ist natürlich geschockt, als man zwar Bauby seinen Namen sagen hört, aber der Doktor ihm sagt, dass er das Sprechen verlernt hat. Ebenfalls schlimm war etwa die Szene, als ihm ein Rollstuhl zur Verfügung gestellt wird. Während er sich erniedrigt fühlt und die Szenerie sarkastisch kommentiert, sitzt er stumm da und die Ärzte freuen sich, dass er diesen Schritt tun darf. Man bekommt eine andere Sicht auf die Dinge; etwa wenn man früher gedacht hat, dass sich ein querschnittsgelähmter Mensch freut, wenn er im Rollstuhl sitzen darf - obwohl es genau umgekehrt ist, da er sich erniedrigt fühlt. Ein Film, der zum Nachdenken anregt.