Samstag, 12. Januar 2013

Wie beim ersten Mal [2012]



Kay und Arnold sind seit über dreißig Jahren verheiratet und haben bereits zwei erwachsene Kinder. Eigentlich genügen dreißig Jahre doch, ein Herz und eine Seele mit dem Partner zu bilden... so zumindest die Theorie. Denn beide schlafen schon seit Jahren nicht mehr in einem Zimmer und schenken sich zu Jubiläen bloß praktische Dinge für den Haushalt. 
Während Arnold mit der Situation zufrieden zu sein scheint, da er seine Ruhe hat, macht die fehlende Zwischenmenschlichkeit Kay sehr zu schaffen. Als sie auf den Eheberater Dr. Bernard Feld (wunderbar ruhig: Steve  Carrell) stößt, nötigt sie ihren Mann, mit ihm nach Maine zu fliegen, was dieser höchst widerwillig auch macht. In den Sitzungen wird jedoch deutlich, dass Arnold keinen Anlass dazu sieht, an sich oder seiner Ehe was zu ändern und ist auch sonst alles andere als wohlwollend Kay gegenüber, indem er sich über den Eheberater aufregt. 

Alle angeordneten Versuche, Leidenschaft und Zärtlichkeit aufkeimen zu lassen, ersticken meist an Arnolds Angst, die er mit mürrischen Worten zu verstecken versucht.
"Wie beim ersten Mal" ist erfrischend und macht Spaß, obwohl Arnolds mürrische Art eigentlich jede Frau in die Flucht schlagen müsste. Der Film gewährt uns einen Einblick in das Intimleben einer Ehe und seiner Probleme, und ich denke, dass Kay und Arnold nicht das einzige Paar mit diesem Problem sind. Zu Beginn denkt man noch an Heirat, Kinder bekommen, diese großziehen, bis sie irgendwann aus dem Haus sind und ihr eigenes Leben führen. An dieser Stelle muss sich das Paar Gedanken über ihre Ziele machen, denn bisher hatte man immer auf ein Ziel hingearbeitet. Kay möchte eben, dass die verschwundene Intimität ein neues Ziel sein sollte, während Arnold das Problem erst beheben will, um seine Frau glücklich zu machen. 
Er bietet zwar einige peinliche Stellen (für mich jedenfalls), da jeder Versuch, Leidenschaft aufkeimen zu lassen, nicht nur angedeutet wurde. Trotzdem sehenswert, wenn auch natürlich kein Überfilm.

Freitag, 11. Januar 2013

Verblendung [2011]




Normalerweise kann ich Remakes jeglicher Art überhaupt nicht leiden, besonders wenn es sich um ein US-Remake handelt. Sie sind von ihrer Machart her viel zahmer als das Original und werden zudem angepasst und man vermisst das Gefühl, das man bei der Sichtung einer ausländischen Produktion hat. 

In diesem Fall basiert Finchers Film auf einen schwedischen Film, der wiederherum auf den Erstling der bekannten Millennium-Trilogie des schwedischen Autors Stieg Larsson basiert. Eine Amerikanisierung einer skandinavischen Idee also, aber das kann ich Fincher wirklich nicht übel nehmen, denn wenn es jemand drauf hat, einen Thriller zu verfilmen, dann ist es er.
Zur Info: Ich habe das Original zwar nicht gesehen, habe aber den Roman gelesen, den ich als sehr düster und spannend in Erinnerung habe. Leider erinnerte ich mich an das eine oder andere Detail (etwa das Ende), weshalb vielleicht die Storytwists keinen großen Eindruck bei mir hinterließen. 

Der Stockholmer Enthüllungsjournalist Mikael Blomkvist wird - nachdem er durch den sogenannten Wennerström-Skandal landesweite Bekanntheit erreicht hat - von dem ehemaligen Unternehmer Henrik Vanger engagiert, um offiziell seine Biographie zu schreiben; sein eigentliches  Ziel ist es jedoch, den Tod seiner geliebten Nichte Harriet aufzudecken, die vor über 40 Jahren spurlos verschwand. Er bekommt seitdem jedes Jahr zu seinem Geburtstag eine gepresste Blume geschickt, die er bereits vor Harriets Tod von ihr bekommen hatte. Er vermutet, dass ihn der Mörder auch Jahre später noch peinigen möchte. 
Er vermutet außerdem, dass der Mörder innerhalb seiner weitläufigen Verwandtschaft steckt. 
Mikael, der den Auftrag nur annimmt, weil Henrik ihm bei Erfolg pikante Informationen über Wennerström anbietet, zieht zu der Vanger-Familie weit in den Norden, wobei er schon bald bemerkt, dass die Verwandtschaft alles andere als erfreut über sein Erscheinen ist. 
Er engagiert die junge Hackerin Lisbeth Salander, die bereits vorher Blomkvist im Auftrag von Vanger ausspioniert und überprüft hatte, die ihm bei der Ermittlung hilft und gemeinsam zu einem Ergebnis kommen, das einem der Verwandten gehörig gegen den Strich geht.



Wie bereits erwähnt, weiß David Fincher genau, wie er an einen solchen Krimi/Thriller herangehen muss. Bereits der Vorspann hat mich gepackt, war er doch faszinierend und grotesk zugleich. Dazu diese verstörende Musik, die mich stark an "Sieben" erinnert hat. Auch der restliche Film ist genau im richtigen Grundton gehalten: Sehr ruhig, fast schon spannungsarm, die Handlung wird eher mit Dialogen, als mit Taten weitergetrieben. Das war schon das Verstörende am Roman, denn die ganze Zeit folgt die Handlung seiner ruhigen Spur und plötzlich gibt es einen lauten Knall, den ich natürlich hier nicht spoilern werde. 
Meiner Meinung nach wurde der Roman einfach perfekt umgesetzt, es wurden keine storyrelevanten Szenen ausgelassen und die Darsteller, vor allem natürlich Rooney Mara als Lisbeth Salander konnte mich überzeugen. Besonders die Szene, als sie sich an ihrem Vormund rächt, ist mir sehr lebendig im Gedächtnis geblieben. 
Daniel Craig geht als Mikael Blomkvist klar in Ordnung, für mich sehr erfrischend nach "Skyfall", aber wie immer agiert er sehr hölzern und monoton. Christopher Plummer als Henrik Vanger und Stellan Skarsgård (wohl der einzige echte Schwede im Film) haben ebenso bemerkenswerte Auftritte im Film. 

Das einzige Manko ist wohl, dass die spannende Who-Dunnit-Handlung so uninteressant mit der Weiterführung der Wennerström-Affäre enden muss. Dieser Teil der Handlung war für mich schon im Roman uninteressant und künstlich dazugepackt, und das hat sich in Finchers herausragendem Remake nicht geändert.

Sonntag, 6. Januar 2013

Silver Linings [2012]



Pat wird nach acht Monaten aus der psychatrischen Klinik entlassen, nachdem bei ihm nach einem Ausraster, weil seine Frau ihn mit einem Kollegen betrogen hat, manisch-depressive Persönlichkeitsstörung festgestellt wurde. Zuhause versucht er, die Lieblingsbücher seiner Frau zu lesen, um sie besser zu verstehen, sowie jeden Tag Sport zu treiben, was ihn zurück ins Gleichgewicht bringen soll. Bei einem Essen bei einem Freund trifft er auf Tiffany, deren Mann bei einem Unfall starb und Ähnliches durchmachen musste wie Pat. Sie freunden sich an und beschließen als Gegenleistung, weil Tiffany heimlich Pats Ehefrau einen Brief zustecken soll, gemeinsam an einer Tanzveranstaltung teilzunehmen. Diese soll schlussendlich, verbunden mit einer Footballwette seines Vaters, über die Zukunft seines Geschäfts entscheiden.

Im Internet las ich nur Gutes über den Film, vor allem weil er sogar ein heißer Oscar-Kandidat sein soll. Ob das stimmt, sei dahin gestellt, zumal nicht einmal die Nominierungen bekannt gegeben wurden. Aber meiner Meinung nach ist "Silver Linings" keine würdige Nomination, weil einfach zu viel im Laufe des Filmes verschenkt wurde. 

Zu Beginn wurde die Hauptperson Pat eingeführt, es wurde ihm viel Freiraum gegeben, sodass man Bescheid wusste, mit welchen Problemen er zu kämpfen hat und dies wurde recht gut von Bradley Cooper dargestellt. Es war sehr erfrischend, ihn nach den beiden "Hangover"-Filmen endlich in einem ernstzunehmenden Film so schön agieren zu sehen. Aber eine Stunde später hatte ich das Gefühl, dass Pat irgendwie zu viel Screentime und Aufmerksamkeit bekommen hatte, ohne wirklich zu wissen, was diese Person denkt. Man erfährt nichts über ihre Ehe, außer der Tatsache, dass sie ihn betrogen hatte und er ihren Liebhaber im Wahn zusammenschlug.  
Auch mit Tiffany konnte ich mich lange nicht anfreunden. Dies liegt zwar nicht unbedingt an Jennifer Lawrence und ihrer unfreundlichen Art, die sie im Film an den Tag legt, sondern vor allem an ihrer nervtötenden Synchronstimme, die mehr an einen Mann erinnert als an eine Frau. Zwar gewöhnt man sich daran und am Ende war mir ihre Stimme egal, aber sie machte es mir schwerer, mit Tiffany mitzufühlen. 

Eigentlich wird der Film erst in der letzten halben Stunde wirklich gut, nachdem Pats Vater (gespielt von Robert de Niro) wettet, dass die Eagles gegen die Giants gewinnen und Tiffany und Pat beim Tanzwettbewerb einen Durchschnitt von fünf Punkten erreichen. Die Gefühle kochen hoch, der Tanz stellt eine nette kleine Zusammenfassung ihrer bisherigen Übungen dar, Pats Noch-Ehefrau ist ebenfalls anwesend, und als Tiffany sieht, wie Pat zu ihr hinübergeht, haut sie ab und Pat muss ihr nachlaufen. Scheinbar großes Hollywoodkino also, aber dafür immer sehr charmant gemacht und nicht mit dem Hammer wie in anderen Produktionen

Ruby Sparks - Meine fabelhafte Freundin [2012]



Calvin ist ein junger Schriftsteller, der jedoch aufgrund einer Schreibblockade keine seiner Ideen zu Papier bringen kann. Sein Therapeut Dr. Rosenthal empfielt ihm, eine Seite über eine Person zu schreiben, die seinen Hund Scotty mag. Daraufhin träumt Calvin von einer Frau, die er im Park trifft, und Scotty lieb gewinnt. Er beginnt, einen Roman über eine junge Frau namens Ruby Sparks zu schreiben, in die er sich sogar verliebt.
Als Calvin kurz darauf in der Wohnung verstreute Frauenklamotten aufsammelt, obwohl er keinerlei Frauenbesuch erhält und kurz darauf sogar die personifizierte Ruby Sparks höchstpersönlich in seiner Wohnung vorfindet, denkt er, dass er verrückt geworden ist, muss jedoch feststellen, dass Ruby eine reale Person zu sein scheint und auch andere Personen sie sehen können. Die beiden gehen eine Beziehung miteinander ein, in der Calvin jedoch versucht, bei jeder Hürde in ihrer Beziehung mit Ruby ihr Verhalten zu verändern, was jedoch auf Dauer nur schief gehen kann.
"Ruby Sparks" ist ein netter kleiner Film, der weder bei den großen Preisverleihungen noch sonst wo eine große Rolle spielt, aber halt eben unterhaltsam ist, besonders wenn man auf Liebesfilme steht. Dieser hier ist zum Glück origineller als der Rest, denn kaum ein Film hat sich der Idee angenommen, dass eine fiktionale Frau plötzlich real wird. Der Film tut wirklich niemandem weh und weiß zu unterhalten, obwohl er zwischendurch etwas mehr Pepp hätte vertragen können. Die letzten zwanzig Minuten hauen dafür ordentlich auf den Putz, man denke hier an die Stelle, in der Calvin Ruby offenbart, dass er sie nach seinem Belieben steuern kann, indem er einfach Worte zu Papier bringt. Auch das Ende ist sehr zahm, aber passend zu einem Liebesfilm.
Paul Dano spielt die Hauptrolle des Calvin, einem Schauspieler, den ich sowieso in jedem Film, in dem er mitwirkt, sehr gut leiden kann. Er hat eine gewisse Ausstrahlung, die ich sehr schätze und im Pool der Jungschauspieler selten finde. In den weiteren Rollen kann man Zoe Kazan, die Urenkelin des Regisseurs Elia Kazan, bewundern, sowie in den Rollen von Calvins Eltern Annette Bening und ein ungewöhnlicher Antonio Banderas.
Fazit: Zahm, etwas ungewöhnlich, aber leider etwas zu flach, um wirklich packen zu können. Aber eigentlich ganz nett.

Samstag, 5. Januar 2013

St. Elmo's Fire [1985]



In den 80er Jahren manifestierte sich ein Genre, das ausschließlich aus Mitgliedern des bekannten "Brat Pack" bestand und bis heute eine Milieustudie der Jugend vor dreißig Jahren darstellt: Das Genre der Teenager-Filme, in denen eine Gruppe von jungen Menschen Dinge erleben, leiden und am Ende zusammenschweißen.

"St. Elmo's Fire" beschäftigt sich mit einem Freundeskreis von sieben jungen Menschen, die nach der Universität ihre eigene Identität und die große Liebe finden wollen und sich mit erwachsenen Themen wie Kinder, Heirat und Jobsuche auseinandersetzen müssen. 
Alec und Leslie beispielsweise gelten als das absolute Traumpaar, doch wenn es um die Heiratsfrage geht, gehen ihre Meinungen auseinander. Während Alec unbedingt heiraten möchte, will Leslie ihrer beruflichen Karriere den Vorzug geben und später heiraten. Kirby trifft ein ehemaliges Date von der Universität wieder und unternimmt alles, um ihr zu imponieren, was jedoch bei der angehenden Ärztin keine Wirkung zeigt. Billy und Wendy sind ein ungleiches Paar, das jedoch an der draufgängerischen und kindischen Art Billys scheitert, da Wendy ein Mädchen aus gutbehütetem und reichem Hause ist. Jules wiederherum gilt als Schlampe und scheint nichts anderes als Party machen und dem Tod ihrer verhassten Schwiegermutter im Kopf zu haben, obwohl sie besonders zum Schluss auch ihre weiche Seite zeigt. Und Kevin steht mittendrin; ihm wird nachgesagt, dass er schwul ist, weil er sich nie mit Mädchen an seiner Seite zeigt und schon seit Jahren keinen Sex mehr hatte - obwohl er innig in Leslie verliebt ist, die wiederherum droht, eine Heirat mit Alec einzugehen und so in weiter Ferne für ihn zu rücken...
Das Drehbuch ist wahrlich nichts besonderes, scheint es doch nur wie eine Staffel GZSZ in einen Film mit zwei Stunden Laufzeit gepresst, doch die Darsteller, die durch die Bank als Mitglieder des berüchtigten Brat Packs gelten, reißen alles wieder heraus. Judd Nelson beispielsweise zeigt sich als Alec viel gebändigter als noch in "Breakfast Club". Ally Sheedy gibt sich wiederherum offener als im eben genannten Film, Andrew McCarthy gibt das stille Sensibelchen, dessen wahre Liebe in weiter Ferne scheint. Und Demi Moore war als lärmende Jules kaum wiederzuerkennen; nur die ganze Storyline mit Kirby und seiner Ärztin war lästig und zum Fremdschämen
Dieser Film will einfach nur Spaß machen, und das tut er auch, weshalb man ihm die Schwächen in der Handlung verzeihen kann. Wer sehen will, wie Jugendliche in den 80ern ihre Zeit verbrachten und mit welchen Sorgen sie konfrontiert waren und obendrein zwei Stunden gute Laune haben möchte, kann sich diesen Film ruhig ansehen.