Sonntag, 18. November 2012

Kick-Ass [2010]




Dave Lizewski ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Er geht auf die High School, hängt mit seinen Freunden am liebsten im Comicladen ab und ist in seine Mitschülerin verliebt. Er wird als typischer Loser häufig ausgeraubt und stellt sich eines Tages selbst die Frage, wieso noch niemand versucht hat, den Superhelden in Comics nachzueifern. Dave besitzt zwar keine nennenswerten Fähigkeiten - außer dass er nach einem Unfall unempfindlich gegen Schmerzen ist und mehr Prügel einstecken kann - aber er beschließt trotzdem, als Kick-Ass den Bewohnern New Yorks zu helfen. 
 
Als er einen Mann vor seinen drei Verfolgern rettet, wird dies von einem Passanten gefilmt und ins Internet gestellt. Über Nacht ist Kick-Ass eine Berühmtheit und bekommt über Nacht tausende Freundschaftsanfragen auf Myspace. Auch der lokale Drogenboss Frank D'Amico wird auf ihn aufmerksam, als er fälschlicherweise annimmt, dass Kick-Ass ein paar seiner Männer aus dem Weg geräumt haben soll...

"Kick-Ass" ist eine erfrischende Comicverfilmung, die moderner wirkt als alles, was davor und danach gekommen ist. Er beginnt zwar als typische Teeniekomödie, in dem Daves typische Probleme, etwa seiner Unsichtbarkeit gegenüber dem weiblichen Geschlecht thematisiert wird, was sich jedoch schon bald ändert. Denn das FSK 16 Rating ist nicht ohne Grund auf der DVD-Hülle: Kick-Ass ist blutig und brutal und für Kinder nicht geeignet. Spätestens bei der Szene, in der Dave Rasul in seiner Wohnung aufsucht und schließlich von Hit Girl gerettet wird und diese einen Schurken nach dem anderen niedermetzelt, wird dem Zuschauer klar, dass der Film nicht ist, was er zu sein schien. Allein schon ihre Begrüßung ("Okay, ihr Fotzen, zeigt was ihr drauf habt!") wirkt so surreal, noch dazu weil Hit Girl eigentlich ein 10-jähriges Mädchen ist.
Zwar kommen die Teenager-Elemente immer wieder mal durch, aber dies ist weder peinlich noch störend, sondern gliedert sich perfekt in den Thriller ein, der bis zum Schluss spannend ist, aber auch viele Lacher birgt. 

Besonders den gut aufgelegten Nicholas Cage als Big Daddy und Chloe Grace Moretz als Hit Girl fand ich wunderbar erfrischend. Von ersterem würde ich mir eine solche Leistung öfter wünschen, von letzterer werden wir hoffentlich noch einiges zu sehen bekommen. Auch Aaron Johnson als Dave und Held wider Willen machte sich gut, obwohl er diesen Bonus bei mir kürzlich in "Savages" wieder verspielte.

Sieben [1995]



Die Katholische Kirche unterscheidet seit Jahrhunderten sieben Todsünden, denen man als guter Katholik nach Möglichkeit nicht verfallen sollte: Hochmut, Habgier, Wollust, Zorn, Maßlosigkeit, Neid und Faulheit. In "Sieben" hat es sich ein scheinbar Verrückter zum Ziel gemacht, ein Kunstwerk mithilfe dieser Todsünden zu erschaffen
Das erste Opfer, das Teil seines großen Kunstwerks sein soll, wird mit dem Gesicht in einem Spaghettiteller liegend gefunden, seine Beine und Hände wurden zusammengebunden. Wie sich herausstellt, wurde der Mann so lange zum Essen gezwungen, bis er sprichwörtlich platzte. 
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Gleichzeitig ist dieser verregnete Montag der erste Arbeitstag von David Mills (Brad Pitt), der in diese trostlose Stadt kam, um den alternden William Somerset (Morgan Freeman) abzulösen, der in sieben Tagen in den Ruhestand gehen wird. David Mills ist ein junger, aufstrebender Polizist, der es nicht erwarten kann, seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen, während Somerset schon resigniert hat und seinen Ruhestand kaum erwarten kann. 
Doch dieser letzte Fall, das große Meisterwerk des unbekannten John Doe, gilt es noch zu lösen. Und sie kommen ihrem Ziel auch Stück für Stück näher, jede Tat von John Doe ist schrecklicher als die zuvor. Es folgen weitere Opfer, die im Sinne der weiteren sechs Todsünden gefoltert/umgebracht wurden, und eine schrecklichste Szene jagt die nächste. In diesem Punkt geht "Sieben" alles andere als zimperlich mit dem Zuschauer um, weshalb ich das FSK 16 Rating nur unterstützen kann. Es würde mich nicht wundern, wenn besonders zartbesaitete Zuschauer die eine oder andere Leiche in ihren Träumen wiederfinden würden. 
Schon früh stellt Somerset fest, dass der Täter ein Spielchen mit ihnen spielen möchte und er erkennt auch das Muster der sieben Todsünden, weshalb auch viele bekannte Titel der Weltliteratur, wie etwa "Canterbury Tales", "Göttliche Komödie" oder "Der Kaufmann in Venedig" eine Erwähnung finden. 

Aber das Beste an diesen Film ist, neben der wahnsinnig stimmungsvollen und passenden, weil trostlosen Atmosphäre und der Spannung, die einen bis zum Schluss nicht loslässt, eindeutig das Ende, das zwar in dem Sinne kein Storytwist, aber doch eine unvorsehbare Wendung für den Film darstellt. Und ich bin mir sicher, dass dieses Ende niemanden kalt lässt. 
Filmfans neigen im Allgemeinen dazu, "Sieben" als Meisterwerk darzustellen, was ich zwar nicht voll unterstützen, aber sehr gut nachvollziehen kann.

Mittwoch, 14. November 2012

Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford [2007]



Ein Film, der sich schwer in Worte fassen lässt, geschweige denn unmöglich zu beschreiben, was so faszinierend daran war. Ich versuche es mal so zu beschreiben: Der Film entwickelt nach einer etwas langweiligen Einführungsquase eine Sogwirkung, der man sich anschließend nur schwer entziehen kann. Dies führt zu einem grandiosen Höhepunkt und klingt in einem betroffenen Nachspiel ruhig aus; und wenn der Abspann eingeblendet wird, sitzt man einfach nur da und weiß gar nicht so recht, was man in den letzten zwei Stunden gesehen hat.
 
Wie der Titel schon sagt, dreht es sich in diesem Film um den berühmten Westernhelden Jesse James und seinen größten Verehrer Robert Ford, ein junger und naiver Mann, der James als seinen größten Helden betrachtet und alles über ihn weiß. Weil er aber von Jesse James, der selber mit psychischen Problemen zu kämpfen hat, nicht ernst genommen wird, wandelt sich seine Bewunderung langsam in Hass und in ihm reift der Wunsch, ebenso bekannt zu werden wie sein Vorbild. Der Wunsch nach Ruhm und Bewunderung geht schließlich so weit, dass er sich die Erfüllung dieser Wünsche in der Ermordung seines Westernhelden sieht.

Wie gesagt, man kann diesen Film schwer in Worte fassen, denn diese Sogwirkung kann man nicht beschreiben, man muss den Film einfach erleben. Was man aber beschreiben kann, sind die schauspielerischen Leistungen, und die spielen sich natürlich alle in hohem Niveau ab. In den Hauptrollen sehen wir Brad Pitt als psychisches Wrack, das trotzdem eine wichtige Autorität für seine Bande darstellt. Casey Affleck spielt seinen Gegenspieler, ein naives Bubi, das immer im Schatten seiner Cowboybrüder stand und nun sein Stück vom Kuchen haben möchte. Besonders der unscheinbare Affleck-Bruder hat es mir angetan, wirkt er doch anfangs sehr arrogant und lässt nach und nach den Zuschauer in sein Innerstes blicken.
Weitere Rollen in Jesse James Bande wurden namhaft mit Sam Rockwell und Jeremy Renner besetzt. Ein letzter Tipp: Diesen Film muss man nicht sehen, sondern erleben! Einfach darauf einlassen, auch wenn es die ersten paar Minuten nicht leicht machen.

Auf der Flucht [1993]



"Auf der Flucht" ist ein unaufregendes kleines Filmchen, das weder wirklich begeistern noch wirklich zu Tode langweilen kann. Wenigstens wirft er den Zuschauer schnell mitten ins Geschehen, denn schon zu Beginn wird man Zeuge am Mord von Richard Kimbles Frau. Während er beteuert, selbst noch mit dem einarmigen Einbrecher und Mörder seiner Frau gerungen zu haben, hat die Polizei einen anderen Täter im Auge: ihn. Kimble wird verurteilt und soll mittels Gitspritze hingerichtet werden. Auf dem Weg zum Gefängnis hat der Bus jedoch einen Unfall und er kann fliehen, wird jedoch von nun an von der Polizei und dem ehrgeizigen U.S. Marshal Gerard verfolgt.

Von nun an geht es in erster Linie darum, dass Kimble der Polizei davonläuft, sich mehrmals auffällig verhält und um Haaresbreite einer Verhaftung entgeht, ihm jedoch jedes Mal der Zufall zuhilfe kommt. Nebenbei versucht er, den wahren Mörder seiner Frau zu finden und sich an ihm zu rächen. Dies alles geschieht so gemächlich und wirkt so rund gelutscht, dass ein Spannungsbogen fast nicht vorhanden ist und man wenig findet, was eine daran hindert, einfach umzuschalten oder die DVD ins Regal zurückzustellen. Doch dazu ist der Film nicht schlecht genug, denn im Grunde ist er ja nur ein weiterer Thriller, deren Thematik spannender klingt als es der Film an sich ist. 

Harrison Ford passt wirklich gut in die Hauptrolle des flüchtigen Arztes, ein gutmütiger, schweigsamer Mann mit dem Hang zur Melancholie. Dazu passt die brummige Originalstimme des Schauspielers wirklich gut. Leider schafft er es nicht, den Film eine sehenswerte Note zu verpassen. Wenigstens rasiert er sich später seinen grässlichen Vollbart ab.
Als Quasi-Gegenspieler kann man Tommy Lee Jones als U.S. Marshal bewundern, der immer einen Schritt hinter Kimble ist und praktisch riechen kann, wo sich dieser gerade befindet - etwas unglaubwürdig, dass ihm Kimbles Aufenthaltsorte so leicht in den Schoß fallen. Noch dazu wurde Jones damals mit dem Oscar als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet, obwohl im selben Jahr ein genialer Leonardo di Caprio ebenfalls nominiert war. Ein Oscar für eine Rolle, die so austauschbar und ebensogut von jedem anderen gespielt hätte werden können? 

Grundsätzlich kann man dem Film aber nicht falsch machen, aber man sollte halt keine zu großen Erwartungen haben. 

Sonntag, 11. November 2012

Der Vorleser [2008]




Michael Berg (David Kross) trifft eines Tages auf die Straßenbahnkontrolleurin Hanna Schmitz (Kate Winslet), die ihn nach Hause bringt weil er krank ist. Nach seiner Genesung besucht er sie mit einem Strauß Blumen, um sich zu bedanken. Die beiden kommen sich näher und Michael flieht überstürzt aus der Wohnung. Hanna geht ihm jedoch nicht aus dem Kopf und von da an besucht er sie immer nach der Schule. Sie schlafen miteinander: seine erste sexuelle Erfahrung. Es entsteht ein Ritual, nämlich dass er ihr aus einem Buch vorliest und sie anschließend miteinander schlafen. Hanna liebt nämlich die Literatur, bevorzugt es jedoch, es vorgelesen zu bekommen.
Eines Tages, so scheint es, verschwindet sie plötzlich spurlos und Michael ist am Boden zerstört. Jahre später soll er als Jurastudent einer Anhörung von ehemaligen weiblichen KZ-Aufsichtspersonen beiwohnen. Als Hanna Schmitz eine unter ihnen ist, bricht die Welt für ihn zusammen...

Was beim Anschauen sofort auffällt, sind wohl die kalten Farben und die trostlose Grundstimmung, die den Film fest umklammert und bis zum Schluss nicht loslässt. Alles wirkt grau, dreckig, trostlos halt. Auch die unbeholfenen Sexszenen strahlen nicht eine Spur von Erotik aus, aber das stört gar nicht, weil es so gut ins Gesamtkonzept passt. Ihre Liebe ist zwar sehr schwer nachzuvollziehen, aber dadurch sehr realistisch, denn es ist keine Seltenheit, dass Menschen mit einen so großen Altersunterschied zueinander finden. Die Szenen im Gerichtssaal gehören zu den besten, da sie sehr emotional sind und man als Zuschauer selber nicht nachvollziehen kann, dass ausgerechnet Hanna Schmitz eine Aufseherin in Auschwitz gewesen sein soll. Gut, Hanna gehörte noch nie zu den sympathischsten Personen, ist sie doch sehr resolut und denkt praktisch, aber diese Wendung ist zumindest für Michael ein großer Schock. 
Leider fand ich die Szenen mit dem erwachsenen Michael, gespielt von Ralph Fiennes, sehr überflüssig und waren verschenktes Potenzial, da man ständig Fiennes als Amon Göth vor Augen hat (mir zumindest ging es so). Dass seine Liebe zu ihr ein ganzes Leben Bestand haben sollte, geht sehr nahe und die Tatsache, dass er ihr jahrelang Kassetten mit vorgelesener Literatur schickt, zeugt davon. 

Leider wirkt er teils etwas unausgegoren und langwierig und bietet nur eine Handvoll stimmungsvoller Szenen.