Montag, 20. August 2012

Prometheus - Dunkle Zeichen [2012]


PROMETHEUS


Zu diesem Film möchte ich mich gar nicht so lange auslassen, denn zu sagen habe ich ohnehin nicht viel. Dreißig Jahre nachdem der Altmeister des Sci-Fi-Genres Ridley Scott mit seinen Alien-Filmen einen Meilenstein der modernen Filmgeschichte schuf, geht er zurück zum Anfang und erzählt, was vor den Alien-Filmen passiert ist.
Zu meiner Verteidigung muss ich gestehen, dass ich Alien noch nie gesehen habe, weder die von Ridley Scott, noch den dritten Teil von David Fincher. Gar keinen. Und ehrlich gesagt reizte es mich auch nie besonders, denn ein Fan von Sci-Fi war ich noch nie gewesen. Doch dank lästiger Geschwister setzte ich mich am Sonntag Nachmittag ins Kino, leider mit einer 3D Brille auf meiner Nase. 
 
Eines vorneweg: Der wahrscheinlich größte Pluspunkt an diesem Film ist Michael Fassbender. Seine Darstellung des David fand ich einfach super, da man nie wusste, was er denkt oder warum er bestimmte Handlungen durchführt. Manchmal findet man ihn sympathisch, aber es gibt auch Stellen wo ich ihn wunderbar böse fand. Damit stellt er mit Abstand den erfrischendsten Charakter dar, denn den Rest kann man getrost in die Tonne kloppen. 
Elizabeth Shaw nervt einfach nur, ihr Partner Charlie Holloway ist leicht ersetzbar und damit unnötig. Und was die anderen Crewmitglieder angeht... Alle nur nettes Beiwerk, die sowieso am Schluss sterben. Warum sich also die Mühe machen und so viele Charaktere einführen? Sie sagen ein, zwei Sätze bzw. lassen einen dummen Spruch vom Stapel und sterben. 
Und was ich von der Figur der Meredith Vickers alias Charlize Theron halten soll, weiß ich sowieso nicht recht. Was ist der Sinn hinter ihrem Auftreten? Leider wird dies kein einziges Mal erklärt.
 
Ich überlasse das große Rätselraten, was das Ganze auf dem Planete eigentlich soll und wer jetzt von wem abstammt, einfach den Fans, die mehr Ahnung haben. Ich fand den Film ganz in Ordnung, immerhin gab es Michael Fassbender und schöne Aufnahmen.

6 / 10 Punkte
 

Ein gutes Jahr [2006]

A GOOD YEAR


"Ein gutes Jahr" ist Ridley Scotts Versuch, einen einigermaßen belanglosen und romantischen Film zu schaffen. Nebenbei wollte er mit diesem Werk der südfranzösischen Lebensweise huldigen, denn diese, so bekommen wir es zumindest gesagt, tun den ganzen Tag nichts anderes, als Wein zu trinken und ein ruhiges Leben zu führen. 
Gegen eine (zumindest originelle) romantische Komödie habe ich im Grunde ja nichts und der Cast hatte mir das Gegenteil versprochen: In der Hauptrolle Russell Crowe und in den Nebenrollen unter anderem Albert Finney, Freddie Highmore, Marion Cotillard und einen Haufen mir unbekannter französischer Schauspieler. Von Crowe habe ich ja seit seinen bekanntesten Filmen "Gladiator" und "A Beautiful Mind" generell eine hohe Meinung, aber seine Beteiligung an diesem Film war leider ein Schuss in den Ofen.
Die Handlung ist schnell erklärt: Max Skinner, ein skrupelloser erfolgreicher Broker an der Londoner Börse erbt nach dem Tod seines geliebten Onkels Henry dessen Landhaus in Südfrankreich, wo er in den Sommerferien stets eine glückliche Zeit erlebt hatte. Doch aus dem süßen kleinen Max ist leider ein großes Arschloch geworden, das natürlich indes plant, das Anwesen und die Weinberge nicht zu behalten, sondern zum Höchstpreis zu verkaufen. Um das alles in die Gänge zu bringen, fliegt er kurzerhand nach Frankreich und trifft auf die schöne Fanny Chenal (Cotillard), durch die er plötzlich wieder ein Herz bekommt und sich schlussendlich doch nicht zu einem Verkauf entscheidet. 
Das größte Problem: Die Wandlung Max Skinners vom Arschloch zum liebenswerten Menschen ist einfach unglaubwürdig und geschieht viel zu schnell. In London noch arrogant, so wirkt er in Frankreich angekommen plötzlich viel ruhiger und liebenswürdiger (auch wenn er noch immer arrogant ist). Außerdem zieht sich der Film endlos in die Länge, da zu großen Teilen einfach nichts passiert oder überflüssige Szenen gezeigt werden, die sich Scott hätte sparen können. Marion Cotillard ist nur schöne Dekoration, da sie nichts Nennenswertes zur Geschichte beitragen kann. - Russell Crowe wirkt in "Ein gutes Jahr" leider so unsympathisch, dass es fast eine Qual ist.
 
Die einzigen guten Szenen sind die glücklichen Szenen in der Vergangenheit, in denen wir Albert Finney als Onkel Henry und den jungen und damals noch sehr netten Max (Freddie Highmore) bewundern und uns die eine oder andere Lebensweisheit anhören dürfen. Somit zeigt uns Freddie Highmore die beste Leistung im ganzen Film, und das heißt wohl einiges. 

5 / 10 Punkte
 

Sonntag, 19. August 2012

Dein Weg [2010]

THE WAY


Da ich im Moment (wieder einmal) von Hape Kerkelings Buch über seine Reise auf dem Jakobsweg begeistert bin und mich mit dem Gedanken trage, diesen Weg eines Tages selbst zu laufen, war es natürlich nicht von ungefähr, dass ich einen der wenigen Filme über den Jakobsweg im Kino ansehen muss.
Die namhafte Besetzung der Haupfigur, in diesem Fall Martin Sheen, und der Name des Regisseurs, sein Sohn Emilio Estevez, machten es mir den Kinobesuch natürlich umso schmackhafter. 

Im Film geht es im Grunde um eine Vater-Sohn-Geschichte zwischen Tom und Daniel Avery; nach dem Tod der Mutter entfremden sie sich zusehends. Während Tom eine bestimmte Berufslaufbahn für ihn vorsieht, möchte Daniel diesen nicht gehen und beschließt, eine Weltreise zu machen. 
Eines Tages, als Tom gerade Golf spielt, erhält er aus Frankreich einen Anruf, dass sein Sohn verstorben ist. Er reist nach Saint-Jean-Pied-de-Port, um Daniels Leichnam zurück in die Vereinigten Staaten zu bringen. Als er dort erfährt, dass sein Sohn am ersten Tag auf seiner Reise auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela in einem Gewitter umgekommen ist, beschließt er, diesen Weg für sich und Daniel zu gehen. Er lässt den Leichnam einäschern und nimmt ihn mit auf seine Reise.
Auf dieser trifft er auf drei andere Personen; Joost aus Amsterdam, der einen stereotypischen Holländer aus amerikanischer Sicht darstellt (immer auf Parties und nie für einen Joint zu schade). Außerdem die Kanadierin Sarah, die mit dem Rauchen aufgeben möchte, und den Iren Jack, der sich durch das Pilgern das Ende seiner Schreibblockade erhofft. Während ich Joost immer etwas lästig fand, da er meistens irgendetwas Dämliches von sich gab, fand ich Jack wunderbar erfrischend und Sarah sehr angenehm. 
Leider kann ich nicht sagen, dass mir Tom Avery besonders sympathisch war. Zu Beginn ist das Gefühl noch stärker, da er meistens nur sein Tagespensum abarbeitet und scheinbar nicht daran denkt, die Landschaft zu genießen oder Gefallen an seinen Mitpilgern zu finden. 
Allgemein hatte ich leider nicht das Gefühl, dass dieses ungleiche Quartett wirklich auf dem Camino nach Santiago de Compostela unterwegs ist. Viel mehr kam es mir so vor, als wären sie gewöhnliche Wanderer in der freien Natur (auch wenn man unter anderem das Cruz de Ferro oder auch die Kathedrale von Santiago bestaunen kann).
Und wie es sich für einen Roadmovie gehört, trifft Tom auf allerlei merkwürdige Gestalten, etwa auf einen verrückten Gastwirt, vor dem sie schockiert Reißaus nehmen oder eine Sinti-Gemeinschaft in Léon (wobei ich diese Stelle für zu dick aufgetragen empfinde).
Der Film ist im Großen und Ganzen leider nur ganz okay, da er für meinen Geschmack viel zu seicht ist. Der Tod von Daniel hätte mehr behandelt werden können, es wäre schön gewesen wenn wir mehr über Daniel Avery erfahren hätten, ist er doch der Grund, der seinen Vater immer weiter vorantreibt. Also insgesamt wirkt der Film doch etwas unausgegoren, dank seiner Thematik und den Witzchen am Rande ist er aber durchaus sehenswert.

6 / 10 Punkte

Dienstag, 14. August 2012

The Tree of Life [2011]

THE TREE OF LIFE


Mein erster Terrence Malick, und er hat mich eiskalt erwischt. Ich wusste zwar, dass "The Tree of Life" ein schwieriger Film ist, der in seiner Zuschauergemeinde zwiespältige Reaktionen hervorgerufen hat. Scheinbar ist man sich nicht einig, ob Malicks neuester Geniestreich ein Meisterwerk oder ein Langweiler ist.
Genauso verhält es sich mit "2001", dem wohl größten Werk von Stanley Kubrick und in gewisser Weise sind sie sich sogar ähnlich. Beides sind ruhige Filme, die mit unaufreregten Bildern und sanfter Musik ihren Einstieg beginnen. 
Aber "The Tree of Life" hat eigentlich auch eine Handlung, auch wenn sie mir doch etwas hintergründig erscheint. 
Wir sehen Mr. und Mrs. O'Brien, Mr. O'Brien ist der Mann im Haus und hat das Sagen, während sich seine Frau nicht zu widersprechen traut, obwohl sie ihre Kinder gerne vor ihm beschützen möchte. Gemeinsam haben sie drei Kinder, bei denen wir dank Lubezkis wunderbaren Bildern (die ohne Zweifel einen Oscar wert sind) beim Aufwachsen zuschauen dürfen. Und ich betone es nochmal, die Bilder sind wirklich atemberaubend. Zu Beginn gibt es zuhauf wunderschöne Landschaftsbilder von den aufregendsten Orten dieser Erde und später gibt es ruhige, unaufgeregte Bilder aus dem Alltag der Kinder. Natürlich bin ich mir bewusst, dass es sich um gestellte Bilder für einen Film handelt, und doch kommt es mir so vor, als ob man den Filmfiguren im realen Leben zusieht. 
Wir sehen die Kinder beim Aufwachsen, beim Herumtollen, bei Allem, was man halt als kleiner Junge so tut und keines dieser Bilder wirkt im mindesten gestellt oder präpariert. Wirklich magische Momente.
.
THE TREE OF LIFE


Und so kommt es, dass eher die Bilder im Vordergrund stehen als die Geschichte. Denn diese ist wirklich nicht Besonderes; Hauptfigur ist Jack (der von der tollen Neuentdeckung Hunter McCracken gespielt wird), der von seinem Vater immer strenger behandelt wird als seine kleinen Brüder und deshalb in den darauffolgenden Jahren einen Hass gegen seinen Vater entwickelt. Diese Geschichte ist zwar wunderschön anzusehen, eine Beschreibung darüber abzugeben würde aber wenig Sinn machen. 
Viele Hobbytheoretiker stürzen sich ja eher auf die Andeutungen auf das Christentum und alle möglichen Weltanschauungen, die ich jedoch uninteressant finde. Mag sein, dass sich Malick bei seinen geflüsterten Worten, die immer wieder eingeworfen werden, etwas gedacht hat. Vielleicht macht der Titel "Der Baum des Lebens" wirklich Sinn (da er im Film nie vorkommt). Mag alles sein, ich jedenfalls konnte während diesem bildgewaltigen Spektakel nur die Schauspieler und die wunderbare (ich kann es nicht oft genug sagen!) Kameraführung von Emmanuel Lubezki bewundern.
Einziger Kritikpunkt: Sean Penn wurde leider sowas von verbraten, bis auf die Szenen am Ende des Filmes, die ich toll fand. Aber Penn dabei zuzuschauen, wie er orientierungslos durch die Welt läuft, gab mir einfach nichts und erweckt in mir das Gefühl, dass diese Szenen leicht ersetzbar sind.

9 / 10 Punkte

Donnerstag, 9. August 2012

Ich bin Sam [2001]

I AM SAM


Filme über Menschen mit geistiger oder körperlicher Beeinträchtigung werden immer beliebter. Meistens sind es Sozialdramen, die das Leben der Behinderten aus einem völlig neuen Blickwinkel beleuchtet und zeigt, wie sie ihr Leben bewältigen. Oder sie sind in zuckersüße Feel-Good-Movies verpackt, die uns zum Lachen und Weinen animieren sollen.
Dieses Jahr gab es bereits zwei Filme mit dieser Thematik: "Ziemlich beste Freunde", der von der Freundschaft zwischen einem querschnittsgelähmten Mann und seinem extrovertierten Betreuer handelt; und "Hasta la Vista", in dem drei junge Männer mit körperlicher Behinderung zusammen eine Reise nach Spanien unternehmen, um es sich in einem speziellen Bordell so richtig gut gehen zu lassen.
 
Doch schon im Jahr 2001 versuchte der unbekannte Regisseur Jessie Nelson, seinem Publikum ein Drama mit einem geistig zurückgebliebenen Protagonisten näherzubringen.
Sam, der im Körper eines Erwachsenen steckt, aber wie ein siebenjähriges Kind denkt, lebt alleine mit seiner Tochter Lucy, deren Mutter ihn nach ihrer Geburt verlassen hat.
Doch als Lucy sieben Jahre alt wird, schaltet sich das Jugendamt ein, um Sams Tochter in eine Pflegefamilie zu geben. Die Begründung: Lucy ist nun im selben geistigen Alter wie ihr Vater und das Jugendamt geht davon aus, dass Sam von nun an nicht mehr seine Tochter ausreichend versorgen und aufziehen kann.
Sam lässt sich jedoch nicht unterkriegen. Er ist zwar dumm, aber er liebt seine Tochter über alles und denkt nicht daran, sie in eine Pflegefamilie zu geben. Er engagiert die schlagfertige Rechtsanwältin Rita, die von nun an quasi gratis seinen Fall vertritt.
Hier beginnt der Film, sich in eine typische Hollywoodproduktion zu verwandeln. Man merkt, dass bei Rita zuhause auch nicht alles so perfekt läuft, wie sie es gerne darstellt. Ihr Mann geht fremd und ihr Sohn distanziert sich immer mehr von ihr weil sie den ganzen Tag lang in der Arbeit ist. Und Sam gelingt es natürlich mit seinem unwiderstehlichen Charme und Beatleszitaten alles wieder ins Lot zu bringen; die Beziehung von Rita und ihrem Sohn rettet er und er schafft es schlussendlich auch, seine Tochter wiederzugewinnen.
Die Hauptdarsteller sind allesamt sehr gelungen, etwa Sean Penn als Sam Dawson, Dakota Fanning als seine Tochter oder Michelle Pfeiffer als Rechtsanwältin Rita.
Im Großen und Ganzen ein lieber Film, der den Zuschauer gleichermaßen zum Lachen und Weinen animieren will. Bei mir hat das wunderbar geklappt, Penns überzeugende Darstellung zum Dank.

7 / 10 Punkte